Interview

Corona macht Sprachkurse mit Exkursionen unmöglich

Anja Bochtler

Andreas Vögele leitet den Internationalen Club des Studierendenwerks, der mit einem Preis ausgezeichnet wurde. Die Pandemie dünnt das Angebot aus.

Seit 1994 ist er ausländischen Studierenden in Freiburg ein Begriff: Jetzt wurde der Internationale Club des Studierendenwerks mit dem "Preis für exzellente Betreuung ausländischer Studierender in Deutschland" ausgezeichnet und erhält 30 000 Euro. Das Auswärtige Amt und der Deutsche Akademische Austauschdienst verleihen den Preis jährlich, diesmal lief alles digital ab. Anja Bochtler sprach mit Andreas Vögele, dem Leiter des Internationalen Clubs.

BZ: Der Internationale Club ist auch deshalb ausgezeichnet worden, weil es dort viele an Corona-Zeiten angepasste Angebote gibt. Läuft bei Ihnen denn nun alles digital?
Vögele: Im Sommer konnten manchmal auch Wanderungen stattfinden. Aber es hat sich alles sehr verändert: Normalerweise laden wir zum Beispiel zu Internationalen Welcome-Dinners mit 1000 Gästen ein, oder zu "Walking dialogues", bei denen wir Sprachkurse mit Exkursionen verbinden. Das alles geht nicht mehr. Zurzeit läuft alles Online: Bei unserem Café Multilingua können sich Studierende statt wie früher persönlich im Café Senkrecht online jeweils in einer Sprache unterhalten. Auch an unseren lateinamerikanischen oder asiatischen Abenden oder demnächst an einer Weinprobe, bei der sich alle vorher den Wein bei uns abholen können, ist Teilnahme über einen Livestream im Internet möglich. Wir wurden aber auch ausgezeichnet wegen unserem schon so langen, vielseitigen und ständig erweiterten Einsatz für ausländische Studierende. Und wegen unserem Konzept, zu dem gehört, dass normalerweise zwischen 20 und 30 ausländische und deutsche Studierende als Tutorinnen und Tutoren bei uns mitarbeiten. Zurzeit sind es wegen Corona weniger als die Hälfte.
BZ: Was brauchen ausländische Studierende am dringendsten?
Vögele: Sie müssen wie alle Studierenden ihr Studium in den Griff kriegen, sich ihr Leben neu aufbauen, ein Zimmer finden. Das ist im Ausland und mit sprachlichen Hürden natürlich eine viel größere Herausforderung. Zurzeit ist es noch viel schwieriger, weil durch Corona alles viel langsamer geworden ist. Die Visa-Bearbeitungen, das Anlaufen der Austauschprogramme und die Anreisen verzögern sich sehr stark. In normalen Zeiten gibt es meist rund 4500 ausländische Studierende in Freiburg. Wie viele es derzeit sind, wissen wir noch nicht. Doch klar ist bereits, dass es einen sprunghaften Anstieg in der Nachfrage nach Studienplätzen aus dem Ausland gab, weil viele die Corona-Situation in Deutschland als verhältnismäßig gut einschätzen.
BZ: Was werden Sie mit den 30 000 Euro machen?
Vögele: Wir werden das entscheiden, wenn wir wissen, welche Pläne für 2021 möglich sind. Unsere Angebote richten sich an alle Studierende. Von den Club-Karten, die wir normalerweise während eines Semesters ausgeben, gehen rund 400 an deutsche und 600 an ausländische Studierende mit etwa 80 verschiedenen Nationalitäten. Am stärksten vertreten sind in Freiburg chinesische, amerikanische, indische und seit kurzer Zeit auch französische Studierende.
Andreas Vögele,

47 Jahre alt, ist Ökonom und Literaturwissenschaftler und leitet seit zwölf Jahren den Internationalen Club des Studierendenwerks, der neben den Tutorinnen und Tutoren aus einem vierköpfigen festen Team besteht.