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Chupa Yerba: Zwei Freiburger stellen zuckerfreie Bonbons her

Gina Kutkat

Eine zuckerfreie Alternative zu herkömmlichen Bonbons entwickeln: Das ist die Idee, die hinter "Chupa Yerba" steckt. Joachim Lutz und Michael Kuhn produzieren und vertreiben ihre Drops in Freiburg – trotz Corona-Krise.

Die Idee

Der Zahnarzt ist Schuld. Und natürlich der Zucker, der die Zähne angreift – weswegen man dann wieder zum Zahnarzt gehen muss. Michael Kuhn hatte es eines Tages satt und hörte komplett auf, Zucker zu konsumieren. Der ehemalige Reiseleiter merkte, wie süchtig das Lebensmittel machen kann und wie leicht es ihm fiel, darauf zu verzichten.

Auf einer seiner vielen Reisen stellte er fest, dass er vielleicht gar nicht komplett verzichten muss: In Skandinavien entdeckte er den Zuckeraustauschstoff Xylit. Xylit ist so süß wie Zucker, wird aber aus der Rinde von Birken gewonnen. Als er ein paar Jahre später beim Kaffee mit einer Freundin zusammensaß, kam ihm die Idee, zuckerfreie Bonbons herzustellen. "Ich bin eine Art Daniel Düsentrieb und habe in meiner Küche die ersten Versuche gestartet", sagt der 40-Jährige.

Was ihm zu dem Zeitpunkt noch fehlte? Ein Geschäftspartner, mit dem er seine Idee weiterentwickeln kann. Als er dann Joachim Lutz wiedertrifft, den er noch aus Unizeiten kennt, entwickeln die beiden die ersten Prototypen ihrer "Chupa Yerbas", gründen eine Agentur und machen sich daran, ihr Produkt zu verbessern.

Das Produkt

Ein Bonbon, das gut schmeckt und trotzdem gesund ist, das möchte "Chupa Yerba" sein. "Eine gesunde Alternative zu herkömmlichen Bonbons", sagt Michael Kuhn. Der Name bedeutet auf Spanisch "Lutsch Kräuter" und weist darauf hin, dass die Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs sind. Bonbon, Drops, Dragee: Chupa Yerba gibt es in den drei Geschmacksrichtungen Ingwer, Schoko und Pinie. Die Dragees bestehen neben Xylit aus Aromastoffen und kommen ohne Chemie und Geschmacksverstärker aus.

Michael und Joachim haben "Chupa Yerba" im Juli 2019 gegründet. "Wir haben uns eine Küche gemietet und einen Koch, mit dem wir dann zusammen an unserer Rezeptur gefeilt haben", sagt der 32-jährige Joachim Lutz. Die Herstellung der Chupa Yerbas ist unkompliziert: Die Xylitmasse wird zunächst erhitzt, dann kommt der Aromastoff hinzu, alles wird kräftig verrührt, dann in die Formen gegossen und zwei bis vier Stunden erhärtet. Etwa 750 Dosen ihres Produkts haben die Gründer bisher produziert und Freiburger Geschäften angeboten.

Bislang kann man die Drops im Café Liebes Bisschen in der Komturstraße und im Delikatessladen Garibaldi in der Talstraße kaufen. 28 Gramm kosten 4,95 Euro. "Wir möchten klein anfangen und uns dann langsam steigern", sagt Michael Kuhn. Der Launch des Online-Shops war eigentlich für den 1. April geplant, "dann kam Corona", sagt Michael. Die Krise machte den jungen Unternehmern einen Strich durch die Rechnung, "aber Corona hin- oder her. Unser Produkt ist gut, deswegen gehen wir damit jetzt raus."

Die Gründer

Joachim Lutz und Michael Kuhn lernten sich im Jahr 2014 im Medienzentrum der Uni Freiburg kennen. "Wir haben uns angefreundet und seitdem etwa einmal pro Woche getroffen", sagt Joachim Lutz. Er kommt aus der Medienbranche und arbeitet zuletzt für eine Filmproduktionsfirma. Michael Kuhn war erst als Reiseleiter, dann als IT-Berater tätig, seit sechs Monaten arbeitet er in Teilzeit, um mehr Freiraum für Chupa Yerba zu haben.

Beide verbindet die Vision, mit ihrem Produkt eine Lücke zu schließen und gemeinsam an etwas zu arbeiten, von dem sie eines Tages leben können. "Wir möchten uns und die Bons kontinuierlich weiterentwickeln", sagt Michael. Ihm und Joachim ist es wichtig, dass ihr Produkt für Menschen und für die Natur gut ist und Chupa Yerba einen Mehrwert hat.

Erklär das mal meiner Oma!

"Wir erzählen unseren Großeltern, dass wir Bonbons herstellen, die etwas Gutes für die Menschen tun", sagt Michael Kuhn. Man könne die Chupa-Yerba-Drops ohne Bedenken futtern, denn sie enthalten weniger Kalorien als herkömmliche Bonbons. Joachim Lutz empfiehlt die Schoko-Variante zum nachmittäglichen Kaffee, wenn die Lust auf Süßes besonders groß ist. "Naschen ohne Reue", sagt er.

Zukunftspläne

Es soll noch viel passieren bei Michael Kuhn und Joachim Lutz. So werden irgendwann weitere Sorten entwickelt und auch das Sortiment soll vergrößert werden. Die erste Runde "Klinke putzen" liegt bereits hinter den beiden Gründern und auch den Start ihres Online-Shops haben sie sich anders vorgestellt. Jetzt geht es erstmal darum, gut durch die Krise zu kommen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Das Motto der beiden: "Plan for the best, prepare for the worst."

Finanzierung und Geschäftsmodell

Joachim Lutz und Michael Kuhn sind mit ihrem privaten Geld in Vorleistung gegangen. Für das Jahr 2020 haben sie sich vorgenommen, "Chupa Yerba" langsam bekannter zu machen, um dann gegebenenfalls Investoren zu finden. Ihr Ziel ist es, von ihren Einnahmen eines Tages leben zu können. Mehr zum Thema: