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Chronik: Rückblick auf den Hans-Bunte-Fall in Freiburg

BZ-Redaktion

Seit 2019 wird der Fall der Vergewaltigung einer 18-Jährigen durch mehrere Männer am Landgericht Freiburg verhandelt. Am Donnerstag wird das Urteil gesprochen. Eine Zusammenfassung der Ereignisse.

13./14. Oktober 2018
In der Diskothek Hans-Bunte-Areal im Freiburger Industriegebiet-Nord findet am Samstag, 13. Oktober 2018, die Party "Umsonst & Drinnen" statt. Eine damals 18-Jährige besucht die Veranstaltung mit einer Freundin. Sie lernt dort gegen Mitternacht Majd H. kennen, sein Freund Alaa A. gibt ihr eine Ecstasy-Tablette. Sie verlässt mit Majd H. den Club, weil er ihr sein Tattoo zeigen will. In einem Gebüsch in unmittelbarer Nähe des Eingangs kommt es bald – so der Vorwurf der Anklage – zum sexuellen Übergriff, zunächst durch Majd H ., dann durch weitere Männer. Muhanad M. hilft der jungen Frau nach der Tat; sie geht mit einer Freundin zu ihm nach Hause ins Flüchtlingswohnheim an der Wiesentalstraße. Wenige Stunden später sucht sie eine Polizeidienststelle im Kreis Emmendingen auf und erstattet Anzeige.


17. Oktober 2018
Die Polizei veröffentlicht eine erste Pressemitteilung: Mehrere Männer sollen 18-Jährige nach Diskobesuch in Freiburg vergewaltigt haben

26. Oktober 2018
Die Ermittler geben bekannt, dass sie acht Tatverdächtige festgenommen haben: Gruppenvergewaltigung bei Freiburger Disko: Polizei nimmt 8 Verdächtige fest

29. Oktober 2018
Die AfD instrumentalisiert den Fall für eine Demonstration: Bei gleich drei Demos standen sich nach Schätzungen der Polizei gut 400 Anhänger der AfD und insgesamt rund 2000 Gegendemonstranten gegenüber.

30. Oktober 2018
Es wird bekannt, dass bereits vor der Vergewaltigung ein Haftbefehl gegen den Syrer Majd H. vorlag. Aus polizeitaktischen Ermittlungen sei der nicht vollstreckt worden, erklärt das Innenministerium. Der Fall sorgt derweil auch für politische Diskussionen - und Hetze im Netz.

31. Oktober 2018
Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn bezieht Stellung zum Fall – und erhält so viele Drohungen, dass er seine Instagram- und Twitter-Konten deaktiviert.

2. November 2018
Die Kreis der Verdächtigen wird größer: Es gibt nun zehn Verdächtige – und neue Ermittlungsergebnisse.

2. November 2018
In einem Spiegel-Interview sagt Freiburgs Polizeipräsident Bernhard Rotzinger: "Macht euch nicht wehrlos mit Alkohol oder Drogen". Ein Ratschlag, der bundesweit für Aufsehen sorgt und gerade von jungen Frauen als Victim Blaming verstanden wird. Die Polizei rechtfertigt sich: Wie die Polizei ihre Tipps zum Schutz vor sexueller Gewalt verstanden wissen will

15. November 2018
Landesinnenminister Thomas Strobl und OB Martin Horn unterzeichnen in Freiburg eine Vereinbarung zur Fortsetzung der Sicherheitspartnerschaft: So wollen Stadt und Land Freiburg sicherer machen.

30. November 2018
Ein neunter Tatverdächtiger wird von der Polizei festgenommen.

20. Dezember 2018
Die Polizei meldet die Festnahme eines zehnten Verdächtigen: Zuvor war er aus einem Fenster des Amtsgerichts gesprungen und mit mehreren Knochenbrüchen für Stunden geflohen. Abends wird er beim SC-Stadion, wo an diesem Abend ein Spiel stattfindet, entdeckt. Kurios: Wiedererkannt hat den Beschuldigten der Untersuchungsrichter, vor dem er am Vormittag getürmt war.

12. Februar 2019
Die Staatsanwaltschaft Freiburg erhebt die erste Anklage im Fall.

2. April 2019
Ein elfter Verdächtiger wird durch die Polizei festgenommen.

4. April 2020
Ein zwölfter Tatverdächtiger wird festgenommendie Ermittlungen gegen ihn werden Mitte Juni eingestellt.

26. Juni 2019
Der Prozess gegen elf Angeklagte beginnt vor dem Landgericht Freiburg: Die Aufarbeitung einer schrecklichen Nacht hat begonnen. Die Beschuldigten waren zur Tatzeit zwischen 18 und 30 Jahre alt. Zehn von ihnen sind Flüchtlinge, beim elften Verdächtigen handelt es sich um einen deutschen Staatsbürger.

10. Juli 2019
Zwei der Angeklagten sagen aus: Sie bestreiten die Vorwürfe gegen sie und die anderen Angeklagten und sprechen von einvernehmlichen Sexualverkehr.

24. Juli 2019
Die betroffene junge Frau sagt unter Ausschluss der Öffentlichkeit via Videoübertragung im Fall aus.

23. September 2019
Der Vergewaltigungsvorwurf gegenüber Kosay A. wird von Staatsanwaltschaft fallen gelassen. Er wird aus der Untersuchungshaft entlassen.

25. September 2019
Zwei weitere Angeklagte kommen auf freien Fuß: Ayham A. und Mohanad M. Auch sie müssen sich nicht mehr wegen Vergewaltigung verantworten, sondern nur noch wegen Unterlassener Hilfeleistung.

7. November 2019
Der Toxikologe Volker Auwärter sagt im Verfahren aus. Die Verteidigungsstrategie einiger der elf Angeklagten, die sich zum Teil wegen Vergewaltigung, zum Teil wegen Unterlassener Hilfeleistung verantworten müssen, basiert auf der Behauptung, die junge Frau sei durch eine MDMA-Tablette (umgangssprachlich: "Ecstasy" oder "E") enthemmt gewesen und habe den Sexualkontakt vehement eingefordert. Auwärters Gutachten entkräftet die Wahrscheinlichkeit eines solchen Ablaufs.

19. Dezember 2020
Am 27. Verhandlungstag des Hans-Bunte-Prozesses in Freiburg sagt eine Biologin des Stuttgarter Landeskriminalamts aus: Von acht der elf Angeklagten gibt es DNA-Spuren.

13. Februar 2020
Auch die Aussage des Psychiaters Thorsten Passie stützt die Aussage der betroffenen jungen Frau: Ecstasy wirke nicht so, wie die Angeklagten beschrieben hätten.

20. Februar 2020
Ein vierter Angeklagter wird aus der Untersuchungshaft entlassen.

11. März 2020
Der Prozess wird wegen der Corona-Pandemie unterbrochen.

12. Mai 2020
Das Verfahren wird im Freiburger Paulussaal unter Corona-Bedingungen wieder aufgenommen.

6. Juli 2020
Die Beweisaufnahme ist beendet, die Staatsanwaltschaft plädiert auf Haftstrafen für acht der elf Angeklagten. Majd H. soll für fünfeinhalb Jahre hinter Gitter.

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