Interview

Chris Astom: "Die Nähe zum Publikum fehlt"

Adriane Diener

Chris Astom ist Produzent aus Freiburg und mischt seine Songs aus Melodic Dubstep, Future Bass, Indie Rock und Orchester Sounds. fudder hat mit ihm über die Zeit in der Pandemie gesprochen.

Wie bist du zur elektronischen Musik gekommen?

Chris Astom: Ich bin seit der ersten Klasse auf eine Waldorfschule gegangen. Ich habe Blockflöte gespielt, Geige gelernt und war später Schlagzeuger im Schulorchester. Das war mir aber einfach zu langweilig auf Dauer. Klassische Musik ist nicht so mein Ding. Mit 13 Jahren hat man viel Mainstream-Musik gehört, wodurch ich auf Calvin Harris und Martin Garrix gekommen bin. Daraufhin hab ich mir das Musikprogramm Fruity Loops heruntergeladen, weil Martin Garrix das Selbe benutzt.

Und wie bist du darauf gekommen, selbst Musik zu machen?

Mich hat es immer mehr interessiert, wie die Musik technisch funktioniert, wie die einzelnen Instrumente abgemischt sind und wie aus verschiedenen Klängen ein großes ganzes wird.

Und die Produktion hast du dir dann selbst beigebracht?

Ja, ich hab mir dann das Programm angeschaut und die Produktion durch Tutorials auf Youtube selbst beigebracht. Zu der Zeit gab es halt nur Tutorials zu dem Genre Tropical House. Das ist eher fröhliche elektronische Musik mit Karibik-Stimmung, mit Instrumenten wie Bongos, Marimbas, Panflöten und Steeldrums.

Das hört sich so an, als ob du heute eine andere Musikrichtung eingeschlagen hast. Was für eine und warum?

Wie schon gesagt, habe ich mit Tropical House angefangen, was mir aber auf Dauer zu fröhlich war. Es hat mir irgendwann keinen Spaß mehr gemacht. Man konnte einfach nicht so viel mit den einzelnen Sounds experimentieren. Das ist in anderen Genres spaßiger. Und da ich gerne emotionalere und cinematischere Musik mit Elektronik verbinden wollte, produziere ich heute vorwiegend eine Mischung aus Future Bass, Melodic Dubstep, Elemente von Indie Rock und Orchester Sounds.

Und worin unterscheiden sich die einzelnen Genres, die du miteinander verbindest?

Da ich gerne emotionale Songs mache und die Stimmung rüberbringen will, greife ich meist zu organischen Orchester Sounds, wie zum Beispiel Violinen, Chelli und Pauken. Die Power im Drop, also dem Refrain, bekomme ich durch die hohen kraftvollen Synthesizer. Die werden im Genre Future Bass benutzt. Ich füge außerdem auch kurze experimentelle industrielle Sounds aus dem Genre Melodic Dubstep hinzu. Und Indie Rock sollten die meisten ja kennen, da hole ich mir meistens die schrille E-Gitarre. Die bringt so ein bisschen "American Pie" Mukke rüber.
Zur Person:
Chris Astom ist sein Künstlername. In Wirklichkeit heißt er Christian und kommt aus dem schönen Dreisamtal, in der Nähe von Freiburg. Chris ist 21 Jahre alt und macht an der Hochschule in Offenburg sein BWL Studium. In seiner Jugend entstandene Songs drehten sich um Freiburg und dessen schönste Plätze. Heute lacht er selbst über seine alten Lieder, da sie mit elektronischer Musik wenig zutun hatten.

Werden deine Songs noch mit Liedtexten unterlegt?

Oft ja. Um die Stimmung zu transportieren. Die Texte schreib ich allerdings nicht selber, sondern die Künstler, mit denen ich zusammenarbeite. Die Produktion obliegt aber immer mir. Ich habe schon oft Pop für andere Künstler produziert, zum Beispiel der Song "Halbwach" von Thisislaura. Der hat sogar das Monatsvoting von BigFM gewonnen und lief mehrfach im Radio. Es gibt nichts schöneres als von Anfang an mit jemanden zusammenzuarbeiten und den Prozess miteinander zu erleben. Im kreativen Bereich arbeite ich aber auch gerne alleine und kann meiner Stimmung und meinen Gefühlen dadurch Ausdruck verleihen.

Welches Projekt hat dir bisher am meisten Spaß gemacht?

Mein Song "Same Boat", den ich zusammen mit Thisislaura gemacht habe. fudder hatte zu der Zeit mal darüber berichtet. Entstanden ist der Song während des ersten Corona-Lockdowns. Ziel des Songs war es, auch in so einer schweren Zeit, Motivation und Zuversicht rüberzubringen. Bei dem Musikvideo zum Song konnte jeder mitmachen und dadurch wurden zumindest ein paar Menschen wieder näher zusammengebracht.

Für viele Künstler war es schwer während Corona Musik zu machen. Wie war das für dich als Produzent?

Da ich viele Instrumente am Computer spiele, musste ich mir um Abstand keine Gedanken machen. Strenggenommen brauche ich um Musik zu machen nur mich, meinen Computer und eine zündende Idee. Die Produktion mit anderen Künstlern war während der Lockdowns schwieriger, wurde aber durch Lockerungen wieder erleichtert. Allerdings fielen DJ-Auftritte in Clubs coronabedingt aus, wodurch mir die Nähe zum Publikum und das Tanzen der Menschen zu meiner Musik fehlt.

Du bist auch als DJ in Freiburg unterwegs?

Ja, ich hatte bereits ein paar Auftritte in Clubs in Freiburg. Der beste Auftritt war einmal im Bruder Wolf, wo ich merkte, dass meine Musik auch wirklich bei den Menschen ankommt.

Würdest du den Fudder-Lesern noch gerne etwas über elektronische Musik mitteilen?

Ich finde es schade, dass einige Menschen Vorurteile der elektronischen Musik gegenüber haben und gar nicht checken, dass sie tagtäglich den elektronischen Musikproduktionen im Radio ausgesetzt sind. Auch Musik wie HipHop, Trap und Pop sind heutzutage in der Regel elektronische Musikproduktionen. Egal ob EDM, Pop oder Rock, die technischen Mittel sollten nicht vom Publikum abgewertet werden. Hinter jedem Song steckt ein Haufen Arbeit und jedes Genre sollte als Kunstform behandelt werden.

Chris Astom: Spotify & Youtube & Apple Music & Instagram

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