Mobilität

Carsharing ist in Freiburg ein Erfolg – außer dort, wo es ländlich wird

Jens Kitzler

Wie lässt sich der ländliche Raum ans Autoteilen anbinden? Diese Fragen stellten Freiburger Gemeinderäte an die Stadtverwaltung. Die sagt, dass Carsharing in einigen Ortsteilen kaum genutzt wird.

Für den elektrischen Renault Zoe in Tiengen ist fast jeder Tag ein weißer Balken im Buchungssystem, erst am Wochenende findet sich die erste Reservierung. Bei den mehr als dreihundert Fahrzeugen, die Stadtmobil Südbaden und die Grüne Flotte im Stadtgebiet stehen haben, wäre das undenkbar: Hier ist fast jedes Auto ein- bis mehrmals pro Tag gebucht.


In Tiengen dagegen stieß auch ein Anfang des Jahres von der Ortsverwaltung organisierter Infoabend zu Carsharing auf wenig Interesse. Für den Standort sieht man bei Stadtmobil folglich keine Zukunft. "Die Auslastung stimmt hinten und vorne nicht", sagt Stadtmobil-Geschäftsführerin Monika Schwinkendorf.

"Bei der Verkehrswende gilt es auch, Ortsteile und das Umland mitzudenken"Stadtrat Gregor Mohlberg
Zwar beschleunigt Corona derzeit solche Entwicklungen, neu sind sie aber nicht. Frühe Versuche von Stadtmobil, im Teilort Opfingen oder auch im stadtnahen Umkirch sesshaft zu werden, wurden einst wieder eingestellt, die Grüne Flotte als rein kommerzieller Anbieter hält sich mit Standorten mit schwieriger Nachfrage ohnehin nicht lange auf.

Die Fraktion Eine Stadt für Alle (ESfA) hat sich jüngst bei der Stadt erkundigt, ob dort Konzepte ersonnen wurden, wie das Land stärker ans Autoteilen angebunden werden könne. "Bei der Verkehrswende gilt es auch, Ortsteile und das Umland mitzudenken", sagt Stadtrat Gregor Mohlberg. Die Antwort der Stadt zeigt, dass die derzeit nur ihr Stellplatzkonzept anzubieten hat, das im Stadtgebiet viel Wirkung zeigte, auf dem Land aber wenig bringen wird, da es dort nicht an Platz mangelt.

Das laut ESfA mächtigste Instrument wäre ein befristet von der Stadt gezahlter Defizit-Ausgleich für ländliche Standorte, für die Stadt ist das aber kein Weg. Subventionierung ungünstiger Lagen sollte "in eigenwirtschaftlicher Verantwortung und in einer Mischkalkulation über alle Stadtteile von den privaten Anbietern erfolgen", heißt es in der von Baubürgermeister Martin Haag unterzeichneten Antwort an ESfA. Die Fraktion plant nun, eine stärkere Förderung des Carsharings im neuen Haushalt oder über das Klimaschutzkonzept zu etablieren.

In den Tuniberggemeinden ist die private PKW-Dichte hoch wie nirgends sonst in der Stadt



Der Gang in den ländlichen Raum, sagt Monika Schwinkendorf von Stadtmobil, funktioniere dort, wo er flankiert werde. In Breisach/Ihringen, Waldkirch oder Donaueschingen beispielsweise durch Vereine. Wolle man als Kommune das Autoteilen auf dem Land fördern, reichte da nicht allein ein billigerer Stellplatz, es brauche stärkere Werkzeuge, sagt sie: Eben eine Defizitgarantie, ein ausgefeiltes Mobilitätskonzept – oder auch eine Kampagne, Zweitwagen durch Carsharing-Autos zu ersetzen. In den Tuniberg-Gemeinden wäre da einiges zu holen: Die Dichte an Privat-Pkw ist hier so hoch wie nirgends sonst im Stadtgebiet.