Bogenschießen: Selbstversuch bei einer Weltmeisterin in Denzlingen

Marina Korn

Bogenschießen wie Robin Hood, Legolas oder Katniss Everdeen - davon hat fudder-Autorin Marina Korn schon immer geträumt. Deshalb ist zu kurzerhand nach Denzlingen gefahren und hat bei Weltmeisterin Beatrice Runge einen Schnupperkurs absolviert. Wie oft sie ins Goldene getroffen hat und ob man fürs Bogenschießen Muskeln braucht:



Breitbeinig stehe ich im Kies, in meiner Linken halte ich einen Langbogen. Mit meiner Rechten ziehe ich einen Holzpfeil mit Federn aus dem Köcher, der an meiner hinteren Hosentasche hängt. Ich ziehe ihn am Bogen auf; mit dem Spannen des Bogens spüre ich, wie sich die Spannung auch auf meinen Oberkörper überträgt. "Mehr Spannung, mehr Spannung!", ruft Trainerin Beatrice Runge von hinten. Ich ziehe die Bogensehne bis an mein Auge. Mein Ziel steht etwa acht Meter vor mir: ein gelber Punkt in der Mitte einer bunten Zielscheibe.

Die Sonne knallt. Ich komm mir vor wie Robin Hood. Dann bin ich so weit: Ich lasse die Sehne los, und im Bruchteil einer Sekunde saust der Pfeil in den Schaumstoff. Pock! Volltreffer! Mein erster Schuss in die goldene Mitte!

Dafür habe ich aber auch fast zwei Stunden geübt - im Bogensport-Adventure Denzlingen. Mit dabei im zweistündigen Schnupperkurs ist Familie Meyer, bestehend aus Alexander, Manuela und ihrem 14-jährigen Neffen Peter.  Trainerin Beatrice Runge hat jeden von uns mit einem Armschutz für die Bogenhand und einem Lederhandschuh für die mittleren drei Finder der Zughand ausgestattet. Nun stehen wir in einer Reihe vor ihr und üben die Haltung und Bewegung erst einmal trocken, das heißt: ohne Pfeil und Bogen.

Das Gewicht etwas nach vorne verlagert, Knie locker, Hüfte nach vorne, Arme und Kopf im Neunzig-Grad-Winkel gedreht. Eine ungewohnte Position. Vor allem den Bogenarm muss ich ausgestreckt in eine unalltägliche Stellung drehen, damit er ganz gerade ist. Ganz locker führt uns Beatrice drei Schüsse vor, die in der Mitte der Zielscheibe landen. Dann bekommt jeder einen Recurvebogen, wie er auch bei Wettkämpfen und zum Jagen genutzt wird, und einen Köcher mit fünf Carbonpfeilen - und schon dürfen wir loslegen.



Die erste Aufgabe: Versuchen, alle Pfeile möglichst nah beieinander zu verschießen - egal, wo auf der Zielscheibe. Da wir intuitives Bogenschießen machen, wo es um die geistige Übung geht, ist die Trefferzahl nicht so wichtig wie beim Sportschießen. Die einzige aber sehr wichtige Regel beim intuitiven Bogenschießen lautet: Nie schießen, wenn Menschen vor einem im Schussfeld stehen. Immerhin kann ein Pfeil, der mit einem Bogen abgefeuert wird, sogar die Schutzweste eines Polizisten durchbohren.

Bei meinen ersten Versuchen merke ich: Die Zielscheibe zu treffen, ist gar nicht so leicht wie gedacht. Meine ersten Pfeile landen zwar größtenteils auf der Polyschaum-Zielscheibe, leider aber nicht auf der Zielauflage. Diese besteht aus verstärktem Papier, auf dem schwarze, blaue, rote und gelbe Kreise aufgedruckt sind. Erst als ich nach einer Stunde einen Langbogen ausprobieren darf, werde ich erfolgreicher. Der Langbogen besteht ganz traditionell und primitiv aus einem gebogenen Stück Holz. Der Recurvebogen dagegen hat - wie der Name schon andeutet - gebogene Spitzen und einen dickeren Mittelteil zum Greifen. Zum Langbogen werden außerdem etwas schwerere und dickere Holzpfeile benutzt.

Am Ende der Stunde versuchen wir mit einem Lurftballon, den wir auf die Zielscheibe gepinnt haben, auf ein bewegliches Ziel zu schießen. Wieder ist der 14-jährige Peter der beste Schütze der Schuppergruppe. Er trifft den Ballon beim ersten Versuch, obwohl er noch nie zuvor einen Bogen in der Hand gehalten hat.

"Am wichtigsten ist, dass man einen festen Stand hat, die Körperhaltung stimmt und man eine innere Ruhe und Konzentration hat, die man auf den einen Punkt bündelt", sagt Trainerin Beatrice Runge. "Am besten hat man immer den gleichen Ablauf und lässt alles laufen, ohne groß nachzudenken."



Runge hat 2007 die IFAA-Weltmeisterschaften im Hallenbogenschießen gewonnen. Begonnen hatte sie mit dem Sport erst ein Jahr zuvor. Daran wird deutlich: Bogenschießen kann jeder lernen, und zwar in jedem Alter. Und mit viel Übung und Konzentration kann man auch schnell mal Erfolgserlebnisse haben. Das Bogensport-Adventure in Denzlingen samt einem Bogenladen hat Beatrice 2012 eröffnet. Hier kann man sowohl drinnen als auch draußen in verschiedenen Kursen das Bogenschießen erlernen und ausüben.

Vor meiner Bogenschießstunde dachte ich immer, es gäbe einen Unterschied zwischen dem Bogensport und der Jagd mit Pfeil und Bogen. Jetzt weiß ich, auch beim Bogensport hat mein eine richtige Waffe in der Hand. Lediglich die Pfeilspitzen unterscheiden sich. Pfeil und Bogen gibt es schon seit der Steinzeit. Sie gehören zu den ältesten Waffen der Menschheit. Mir hat es großen Spaß gemacht, mal "back to the roots" zu gehen und ein bisschen Robin Hood zu spielen. Muskeln braucht man dazu eigentlich kaum welche, nur Körperspannung, Konzentration und Motivation.

Mehr dazu:


Kontakt


Bogensport-Adventure
Robert-Bunsen-Straße 5
79211 Denzlingen



Kosten


Schnupperkurs: 25 Euro, ermäßigt 22 Euro - inklusive Ausrüstung

Ausrüstung: Recurve- und Langbögen bekommt man ab 80 Euro, Carbon- oder Aluminiumpfeile für etwa 30 Euro. Wer sich nicht gleich einen Bogen kaufen möchte, kann sich bei Bogensport-Adventure für ein halbes Jahr einen leihen.
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Fotogalerie: Marius Notter

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