Blumfeld im Jazzhaus: "Es war gut. Tschüss!"

Carolin Buchheim

Mit den Worten "Es war gut. Tschüss!" verließ Jochen Distelmeyer mit seiner Band Blumfeld nach einer der vielen, vielen Zugaben gestern Abend die Bühne des Jazzhaus. Die Band aus Hamburg spielte gestern ein Abschieds-Konzert, das nicht schöner hätte sein können.



"Ev'ry time we say goodbye, I die a little". Dieses Cole Porter-Zitat sang Jochen Distelmeyer gestern Abend am Ende einer der vielen Zugaben, dabei war Blumfelds-Frontmann und seiner Band Melancholie ob des anstehenden Band-Endes während des Konzerts eigentlich kaum anzumerken.

Auf der Bühne des Jazzhaus stand eine zufriedene Band, die in rund zweieinhalb Stunden bei einem energie-geladenen, leichtfüßigen Gig voll entspannter Fröhlichkeit noch einmal sechzehn Jahre Bandgeschichte und sechs Alben Revue passieren ließ, mit denen sie die Musikszene dieses Landes nachhaltig geprägt hatte.



Dass Blumfeld einen dem Anlaß entsprechenden Gig spielen wollte und würde, zeigten die Band schon mit dem ersten Song 'Draußen auf Kaution', dem Opener ihres 1994 erschienenen Albums 'L'etat et moi'.

Mit nichts Geringerem als ausgelassener Spielfreude widmete die Band sich im Folgenden ihrem Gesamtwerk; Eins der ersten Highlight des Konzerts war dabei ganz klar der Track 'Apfelmann' des letzten regulären Albums 'Verbotene Früchte', ein Song der Dreh- und Angelpunkt so ziemlich jeden Reviews des Albums und der Blumfeld-Debatte wurde. Zuvor hatte Distelmeyer scherzhaft erklärt, wie es Blumfeld gelungen sei, den Rock'n'Roll-Lifestyle all' die Jahre durchzustehen: Mit Obst.



Den Apfelmann-Song, dem man durchaus vorwerfen kann, auch ganz wunderbar in die Sesamstraße zu passen, inszenierten Blumfeld als Mitsing-Aktion fürs Publikum, inklusive angeleiteten Arme-Schwenken im Kollektiv. Das taten sie so charmant und mit einem Lächeln, aus dem man durchaus eine Kritik-ist-uns-total-Egal-Haltung lesen konnte, dass selbst ich als ausgewiesene Apfelmann-Hasserin mich zwangsläufig mit dem Song aussöhnen musste.

"Keine andere (Band) hätte es sich auf einmal erlauben dürfen, Schlager zu spielen, und wäre dennoch ernst genommen worden" schrieb Bertrand W. Klimmek vor einigen Wochen in der Jungle World über das Ende der Band, und diese Alleinstellung in der deutschen Musikszene demonstrierten Blumfeld gestern abend im vollen, aber nicht ausverkauften Jazzzhaus resolut.

Weitere Highlights des Konzerts waren die erste, zuerst Solo-gespielte erste Zugabe 'Tausend Tränen tief' in dem Distelmeyer George Michael Madonnas 'Take a bow' zitierte, 'Graue Wolken', das wunderbare 'Kommst Du mit in den Alltag' und das herrliche 'Verstärker', in dem treffend, Prefab Sprouts 'Electric Guitars' zitiert wurde. "I had a dream that we were rock stars, And that flash bulbs popped the air, And girls fainted, every time we shook our hair, We were songbirds, we were Greek Gods, We were singled out by fate, We were quoted out of context - it was great, Grander than Castles, Cathedrals or stars, Electric Guitars!"



Die letzten gesungenen Worte von Jochen Distelmeyer waren die der letzten Zeilen des allerletzten Songs "Die Welt ist schön":  "Ich bin o.k. Die Welt ist schön. Ich lebe gern." Hoffentlich auch im Blumfeld-Ruhestand.

Es war wirklich gut. Tschüss, Blumfeld.

Und, wie war's?

Timo, 33 & Gabriele, 39

Timo: "Es hat mir heute Abend sehr gut gefallen. Blumfeld haben toll differenzierte Musik gemacht, und die Texte waren auch klasse. Das war mein erstes Blumfeld-Konzert. Wer weiß, was jetzt wird, sie hören bestimmt nicht ganz auf Musik zu machen, schließlich sind sie individuelle Musiker. Ich bin mit Vredeber Albrecht, dem Keyboarder, in Bremen zur Gesamtschule gegangen, früher. Jetzt will ich gleich erstmal Hallo sagen!"

Gabriele: "Es war superspitzenmäßig. Es war auch mein erstes Blumfeld-Konzert, und ich bin total begeistert. Ich werde bestimmt gleich noch eine CD kaufen. Ich hab' vorhin schon zu Timo gesagt, dass es schade ist, dass ich sie jetzt erst entdeckt habe, und sie jetzt schon aufhören."

Nicola, 24


"Mir hat es total gut gefallen heut' Abend. Ich hab Blumfeld schon mal hier gesehen, das war vor 5 oder 6 Jahren. Das Schönste heute war Jochens Lächeln."

Peter, 28


"Ich fand es ganz gut: Blumfeld haben gerockt. Ich fand die Frisur von Jochen gut und dass er das Hemd gewechselt hat. Ich würde gerne mal mit ihnen Apfelmus machen."

Günther, 42 & Alex, 31

Günther:
"Ich fand's super! Ich war vor 14 oder 15 Jahren schon mal auf einem Blumfeld-Gig hier im Jazzhaus, das war die Tour zu 'L'etat et moi'. Ich hab mich danach ein bisschen von Blumfeld abgewandt, aber das Konzert war super. Blumfeld sind einfach eine tolle Live-Band. Es gibt keinen Grund jetzt traurig zu sein, weil es Blumfeld nicht mehr gibt: Die hören nicht auf, Musik zu machen! Und zur Not fängt Jochen Distelmeyer noch an, für die Spex zu schreiben. Das Konzept Blumfeld ist zwar vorbei, aber jetzt kommt sicher etwas Neues."

Alex:
"Ich bin begeistert, es war ganz toll. Blumfeld haben eine unglaubliche Bühnenpräsenz. Ich war zum ersten Mal auf nem Blumfeld-Konzert. Ich war zwar nie Blumfeld-Fan, aber ich hab sie immer respektiert, schon seit der 'L'etat et moi'. Ich fand es auch ganz klasse, als sie als 'Schlager' herabgesetzt wurden und sie da nichts gegen gemacht haben, sondern einfach so weiter. Das war wie ein Finger in die Richtung der Szene und das fand ich toll und sehr sympathisch. Das Video mit dem Hund fand ich auch toll. Und den Song 'Pickelface is back in town.' Schade, dass sie den nicht gespielt haben heute, den hab' ich vermisst. Und die Texte sind natürlich auch super. Jochen Distelmeyer ist einer der besten Texter. Vielleicht werd' ich doch noch Fan!"

Volker, 38

"Es gibt nichts mehr zu sagen."

Mehr dazu:

Blumfeld: Website & MySpace

Galerie (Bilder: Markus Berger):

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