Blue Babies & Busters auf dem ZMF: Anzüge am Zug

Max Orlich & Janos Ruf

Es wurde zum Tanz aufgespielt am Dienstag Abend auf dem ZMF. Bei sowieso schon schweisstreibenden Temperaturen stand das Ska-Double-Feature mit den Blue Babies und den Busters auf dem Programm. Was ein Double-Feature von der üblichen Band plus Support-Act unterscheidet, hat Max für fudder versucht herauszufinden.



Alleine die Ankündigung 'Keine Pause' kann es ja nicht sein. Was dann? Die Erklärung liefert die erste Hälfte des Pakets, die Blue Babies, vom ersten Song an. Mit einer lässigen A cappella-Nummer werden die Bandmitglieder nach und nach auf die Bühne gesungen und legen dann mit "King of coffee" gleich richtig los. Das gemischte Publikum im nur halb gefüllten Zirkuszelt haben sie damit sofort auf ihrer Seite, die Stimmung stimmt von Anfang an. Genau wie das, was die fünf Freiburger da musikalisch und an Show abliefern.

Schon nach zwei Songs hat die kunstvolle Tolle des Kontrabiassisten das Zeitliche gesegnet und sind die schwarz-weissen Anzüge der Herren schweissgetränkt. Denn mit ungeheurer Spielfreude ackern sich die Blue Babies durch ihr vielfältiges Set aus Uptempo-Krachern wie "Keep Skankin‘" und zurückgelehnteren Nummern wie "Alaska". Dabei beschränken sie sich nie auf den reinen Ska – schon das Akkordeon sorgt stets für einen Einschlag in Richtung Polka und Chanson..

Und genau von dieser eigenen Linie leben dann auch die Cover, die immer wieder eingestreut werden: Mal wird Madness‘ "One step beyond" elegant mit der Einladung zum Sirtaki verbunden, mal springt das Publikum mit Kraftwerks "Modell" über den Laufsteg oder folgt seinem Bewegungsdrang bei einem wunderbaren Männer-Pferde-Wüsten-Medley feat. Marlboro, Bonanza und Ring of Fire. Doch auch diverse Funk-Perlen von Prince bis James Brown funktionieren bei den Blue Babies als Tanzwut auslösender Ska. Nach einer guten Stunde und leider, ohne dass ihnen eine Zugabe zugegeben wird, ist der Spuk - beziehungsweise Spass - vorbei.



Es folgt der Headliner des Abends - oder auch nicht, denn in der ersten halben Stunde hat man bei den Busters das Gefühl, als wäre der Höhepunkt des Abends schon vor ihnen über die Bühne getobt.

Von überschäumendem Elan und Spielfreude ist zunächst nicht viel zu merken. Routiniert,ohne viel Bewegung auf der Bühne und mit einem beinahe gelangweilt wirkenden Sänger Ron Marsman beginnen die Wieslocher ihr Set im ausverkauften Jazzh.. – äh, im immer noch nur halbvollen Zirkuszelt. Doch der nicht vorhandene Funke springt über, das Publikum hat ebenso routiniert seinen Spass und bringt den Boden vor allem bei schnelleren Songs wie "Tokyo Ska Zone", "Ruder than rude" oder "No risk no fun" zum Wackeln und die Zeltplane zum Tropfen.

Konnte man bei den Blue Babies sagen, die Band reisst das Publikum mit, gilt das heute bei den Busters eher umgekehrt, denn angesteckt von der guten Stimmung kommen auch sie nach und nach doch noch in Fahrt. Der neue Saxophonist Mathias Demmer macht einen guten, wenn auch eher unauffällgigen Job - wenn es mal Soli zu hören gibt, kommen diese sehr präzise von Posaune und Trompete. Den Weggang des zweiten Sängers Richard Tabor hingegen können die Busters weniger überzeugend wettmachen. Zu sehr fehlt die Abwechslung zwischen den doch sehr unterschiedlichen Stimmen des ehemaliegn Frontmänner-Duos.

Vor allem aber nehmen die Busters, sobald sie und das Publikum in Fahrt gekommen sind, das Tempo sofort wieder raus und streuen ruhige Songs oder Instrumentals ein. Hier aber wirkt die Routiniertheit dann eher wie Langeweile. Vielleicht lag es am frustrierenden Blick auf die leeren Sitzplätze, an den Temperaturen oder an der ersten und besseren Hälfte des Double-Features: so richtig überzeugend wirkte das gestern Abend nicht, auch wenn zum Schluß Micky Maus noch nach Moskau darf und auch die Frage "Dead or alive" noch gestellt wird.

Diese aber läßt sich für die beiden Bands des Abends unterschiedlich beantworten. Denn auch wenn Freiburg nicht New York ist fühlte man sich bei den quicklebendigen Blue Babies ein wenig an die guten alten Brooklyn Bums erinnert, während die Busters eher zum Tanztee geladen hatten. Dass sie es besser können, weiss man aus dem Jazzhaus - und genau dort können sie das auch wieder unter Beweis stellen: beim nächsten Gig in einem halben Jahr.

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