Natur

Bizarr aussehenden Stacheln sind einfach nur frische Triebe

Claudia Füßler

Bis zu 20 Zentimeter lang ragten die dicken, dunkelroten Dornen vom Stamm des Baumes: Die Amerikanische Gleditschie bot in den vergangenen Wochen ein Spektakel für Hobbybiologen.

Es waren nicht die Spuren eines Schmarotzers, die sich da so aggressiv an der Rinde des als "Falscher Christusdorn" bekannten Baumes an der Dreisam in Freiburg präsentierten, sondern ganz gewöhnliche frische Triebe. Die werden im Normalfall entfernt, doch die Dreisam-Gleditschie wurde vom Pflanzenpflegetrupp des Garten- und Tiefbauamtes (GuT) vergessen.


"Wir haben das inzwischen nachgeholt", sagt Jutta Herrmann-Burkart, stellvertretende Leiterin des GuT, und versichert: Bisher gab es noch nie Meldungen über Verletzte im Zusammenhang mit einer Gleditschie. Rund 70 Exemplare der Amerikanischen Gleditschie sind in Freiburg noch zu finden – in der Galurastraße in St. Georgen, in der Freytagstraße in Betzenhausen und im Hausener Weg auf der Haid, zudem vereinzelt in Parkanlagen, auf dem Hauptfriedhof und eben der eine Baum zwischen Dreieckswiese und Sandfangbrücke an der Dreisam.

Ein einfach zu pflegender Baum

Gepflanzt wurde die in Nordamerika heimische Gleditsia triacanthos vermutlich vor 30 bis 40 Jahren, mit welcher Intention, ist heute nicht mehr nachvollziehbar. "Man hat damals wie heute immer mal was Neues ausprobiert", sagt Herrmann-Burkart.

Die Amerikanische Gleditschie sei einfach zu pflegen und habe Eigenschaften, die sie zu einem tollen Stadtbaum machen: Unheimlich trockenresistent, ein lichtes, helles Laub, das Schatten spendet, ohne die Straßen dunkel zu machen, die Blüten und Früchte für Insekten und Vögel attraktiv. Die Blätter sind leicht giftig, man müsste allerdings eine ganze Menge davon essen, bis einem übel wird.

Das GuT greift bei Neupflanzungen auch heute noch gerne auf die Amerikanische Gleditschie zurück – auf eine neue Züchtung ohne Dornen. Die dornenbewehrten Varianten werden in der Regel einmal jährlich bis zur Kopfhöhe eines Erwachsenen zurückgeschnitten, so dass die spitzen Triebe niemandem gefährlich werden können.

Schutz vor Fraßdieben

"Mit solchen Dornen schützt sich der Baum vor Fraßfeinden", sagt Jürgen Bauhus, Professor für Waldbau an der Universität Freiburg. Die hat die Amerikanische Gleditschie in den hiesigen Gefilden jedoch nicht. In ihrer Heimat klettern beispielsweise Baumstachler – große Nagetiere, die zu den Stachelschweinverwandten gehören – mit Vorliebe auf Bäume, um sich Früchte zu holen, oder bedienen sich an der Rinde.

"Dass ein Baum sich mit Dornen an der Rinde schützt, kommt nicht so häufig vor, am ehesten findet man das noch bei tropischen Bäumen", sagt Jürgen Bauhus. Mit ihrer Clusterbildung, also Dornen, die gleich büschelweise wachsen, genießt die Amerikanische Gleditschie eher Exotenstatus. Dass die Dornen dunkelrot bis rotbraun sind, ist ein ebenso cleverer Schachzug der Natur: Die Farbe kommt von sogenannten Anthocyanen, die die jungen Triebe vor schädlichem UV-Licht schützen.