Social Innovation Lab

Bildungsfestival StartUp17 will soziales Unternehmertum fördern

Angela Woyciechowski

Ob Wissenschaft für Mädchen oder Kunst für Geflüchtete – die Unternehmer*innen des Social Innovation Lab wollen der Gesellschaft helfen – und veranstalten Mitte Juli ein Bildungsfestival in der Freiburger Lokhalle. fudder hat mit der Initiatorin gesprochen.

Hallo Vivien, was ist Social Entrepreneurship und weshalb ist es wichtig?

Vivien Riener: Bei Social Entrepreneurship geht es darum, gesellschaftliche Wirkung in den Fokus von Projekten zu stellen, anstatt sein Unternehmen an der Profitmaximierung zu orientieren. Stattdessen fragen Social Entrepreneurs: Wie kann ich meine Unternehmung so gestalten, dass sie möglichst wirkungsvoll gesellschaftliche Probleme löst. Viele Jahrzehnte lang gab es einen starken Fokus auf Wachstum und Gewinne. Das führt dazu, dass wir die Ressourcen auf einem endlichen Planeten ausbeuten. Es braucht Social Entrepreneurship, um daran mitzuarbeiten, die Gesellschaft ein bisschen besser zu machen.

Was erwartet die Besucher*innen beim Bildungsfestival StartUp17?

Am Freitag, 15. Juli, findet ein Methodenworkshop für Lehrer*innen statt, bei dem ihnen in drei Stunden die Methoden des Social Entrepreneurship vermittelt werden, um damit ihren Unterricht zu gestalten. Am Ende haben die Lehrer*innen einen Methoden-Koffer an der Hand, mit dem sie Schüler*innen unterstützen können, eigene Projekte umzusetzen. Am Samstag machen wir einen Festivaltag im Bereich der Nachhaltigkeitsbildung für die Schulklassen der 8. bis 13. Jahrgangsstufe. In praktischen Workshops stellen sich sozial-ökologische Projekte aus dem Raum Freiburg vor und zeigen, wie es gelingt, eigene Projekte im Bereich Nachhaltigkeit umzusetzen.

Ist das Projekt nicht ein wenig idealistisch?

Doch, voll. Aber ich denke, nur wenn man Idealist*in ist und an Utopien glaubt, kann man überhaupt einen Schritt vorwärts machen. Das ist meine Haltung. Ich glaube es braucht Visionär*innen, die weit schauen und hoffnungsvoll sind. Und ganz praktisch gesehen, soll StartUp17 eine Kickoff-Veranstaltung sein, die den Nutzen von Social-Entrepreneurship-Methoden für Bildung für nachhaltige Entwicklung bekannter macht. Wir wissen nicht, wohin die Reise geht, aber wir würden gerne in Zukunft regelmäßige Veranstaltungen oder Workshops anbieten.
Zur Person

Vivien Riener hat an der Uni Freiburg die Studiengänge "Waldwirtschaft und Umwelt" und "Geographie des Globalen Wandels" absolviert. Sie arbeitet seit 2020 im Social Innovation Lab (SIL) im Kreativpark Lokhalle, die zum Grünhof gehört, und leitet das Projekt "D-Care Lab" zu Innovationen in der ambulanten Pflege. Außerdem ist sie Mit-Initiatorin und Organisatorin des Bildungsfestivals "StartUp17".

Wie entstand die Idee zu dem Bildungsfestival?

Ich habe mich als Jugendliche schon gerne engagiert. Mein Engagement ist aber immer verpufft, weil es im Schulalltag kaum Strukturen gab, an die ich mit guten Ideen anknüpfen konnte. 2019 war ich als Mentorin im Rahmen eines Freiwilligendienstes in den USA. Dort habe ich Jugendliche vier Monate lang begleitet und ihnen dabei geholfen, eigene Lösungen für Probleme wie Diskriminierung oder soziale Ungerechtigkeit, die sie in ihrem Alltag erfahren haben, zu entwickeln. Das hat mich sehr inspiriert und ich habe mich gefragt, wie ich so etwas auch in Deutschland umsetzen kann. Als ich kurz danach Leandro kennengelernt habe, der als Social Entrepreneurship-Trainer an Schulen arbeitete, haben wir das Bildungsfestival StartUp17 initiiert.

Was würdest Du den Jugendlichen gerne mitgeben?

Mir ist wichtig, jungen Menschen zu vermitteln, dass sie selbst etwas bewirken können. Ich glaube – und das sieht man auch bei Fridays-for-Future – die jungen Generationen sind motiviert und wollen etwas Sinnvolles mit ihrem Leben anfangen. Wir wollen Mut machen und zeigen, dass Arbeiten auch noch anders sein kann als beispielsweise ein Nine-to-five-Job in einem großen Konzern. Ich möchte zeigen: Ihr könnt etwas verändern, wenn ihr euch für Dinge einsetzt, die euch am Herzen liegen.

Kann Social Entrepreneurship gelingen?

Ja, denn zu einem Social Enterprise gehören auch Finanzierungsmodelle, die funktionieren. Das bedeutet, dass ich durchaus Gewinne erwirtschaften kann, aber diese wieder so einsetze, dass sie eine soziale Wirkung erzielen. Im Social Entrepreneurship ist eine unternehmerische Haltung mit sozialer Verantwortung verknüpft. Geld ist an sich nichts Negatives, auch Profit nicht, aber ich muss schauen, dass es so reinvestiert wird, dass es dem Wohle der Gesellschaft zugutekommt und nicht die Taschen von einigen Wenigen füllt.
StartUp17

Das Bildungsfestival StartUp17 findet am 15. Juli und 16. Juli im Kreativpark Lokhalle am Güterbahnhof (Paul-Ehrlich-Straße 7) statt. Am 15. Juli wird von 17 bis 20 Uhr ein Methodenworkshop für Lehrpersonen angeboten. Am 16. Juli findet von 9.30 Uhr bis 17 Uhr das Bildungsfestival für Schüler*innen der Jahrgangsstufen 8. bis 13. statt. Anmeldungen sind bis 30. Juni über die Website des Social Innovation Lab möglich.
Programm: Website

Wenn Du in 40 Jahren auf heute zurückblickst: Was wünschst Du Dir?

Wenn wir es schaffen, mit dem Bildungsfestival StartUp17 eine Inspiration zu sein und neue Perspektiven zu schaffen, dann würde ich das als Erfolg werten. Vielleicht haben einige Teilnehmer*innen auch ein Projekt verwirklicht, zu dem sie während unseres Festivals inspiriert wurden. Und auf der Meta-Ebene wäre es klasse, wenn von den politischen Entscheidungsträger*innen anerkannt wird, dass es einen Wandel in der Wirtschaft braucht, und die Rahmenbedingungen entsprechend angepasst werden. Momentan ist es noch so, dass hauptsächlich technische Innovationen gefördert werden, aber soziale Innovationen sind ebenso wichtig.