Karlsplatz in Freiburg

Bei Roadshow von Corona-Leugnern missachten Hunderte die Maskenpflicht

Jens Kitzler

Seit vier Wochen tourt der umstrittene Corona-Skeptiker Bodo Schiffmann durchs Land. In Freiburg wollten ihn 350 Menschen sehen – fast alle ohne Maske. Die Polizei wurde ausgelacht.

Um 10.30 Uhr, da ist Schiffmann noch auf der Autobahn, haben sich die ersten Menschen auf dem Platz versammelt. Wer wegen des bekannten Kritikers der Corona-Politik gekommen ist, lässt sich leicht erkennen: Die Teilnehmer der Kundgebung tragen fast alle keine Masken, man herzt und umarmt sich, was das Zeug hält. Die Polizei belässt es bei ermahnenden Durchsagen.


An der Westseite bauen sich zwanzig Gegendemonstranten um Altstadtrat Sebastian Müller auf. "Lügenarzt" heißt es auf einem ihrer Plakate. "Schiffmann und Co. setzen bewusst jede Menge Unwahrheiten in die Welt", sagt Müller. Zudem sei die Szene der Corona-Gegner stark von Menschen rechter Gesinnung durchsetzt.

Als die Polizei das Tragen von Masken anmahnt, erntet sie Gelächter, dann geht die Durchsage im Jubel der inzwischen rund 350 Anwesenden unter, als der schwarze Nightliner auf den Platz einbiegt. Die Tür geht auf und das Quartett tritt heraus, das gleich mehrere der eloquenten Frontmänner der derzeitigen Corona-Skeptiker-Szene vereint – und damit Demagogen und Verschwörungstheoretiker, wie Kritiker sagen.



Da ist Bodo Schiffmann, Arzt, Betreiber einer Spezialambulanz in Sinsheim und Mitbegründer der Partei "Widerstand2020", die sich allerdings schnell wieder auflöste. Dann Anwalt Ralf Ludwig, ein Wortführer und juristischer Unterstützer der "Querdenken"-Bewegung. Samuel Eckert, der als Freikirchen-Mitglied religiöse Aspekte mit einbringt und schließlich der aus Göppingen stammende IT-Fachmann Wolfgang Greulich, der den schwäbischen Unternehmer gibt.

Die meisten zeigen an, sie hätten ein Attest

Schiffmann erzählt Geschichten über angeblich wegen der Corona-Maßnahmen gestorbene Kinder und behauptet, dass die Juristen nun aufwachten: "Die Zahl der Urteile gegen diese – gegen die Verfassung verstoßende – Regeln steigt." Rechtsanwalt Ralf Ludwig bezieht die Polizei in sein Spiel mit dem Publikum mit ein, die stichprobenartig die Personalien von Masken-Verweigerern aufnimmt. Die meisten Maskenlosen zeigen auf Frage von Ludwig an, sie hätten ein Attest – die Gegendemonstration ruft durchs Megaphon, dass sie das zweifelhaft finde. Ansätze, die Veranstaltung aufzulösen, zeigt die Polizei nicht.



Corona-Kritiker Samuel Eckert rät den Zuschauern, wie Gandhi und Jesus gewaltfrei zu bleiben. "Bewaffnet euch mit Information." Wolfgang Greulich sagt, man müsse anders wählen – dann bekäme man hier endlich ein anderes System. "Wir haben Merkels perfiden Plan verstanden", sagt Ralf Ludwig unter Zustimmung der Zuschauer. Eine Erläuterung bleibt aus.

Die Polizei ist mit dem Verlauf am Ende zufrieden, Bodo Schiffmann mit dem Zuspruch: "Recht beachtlich für so eine kurzfristige Ankündigung." Nach dem Gastspiel in Freiburg zieht die umstrittene Roadshow weiter nach Lindau.