Beatsteaks im Zäpfle Club: Remis der guten Laune

Daniel Weber & Janos Ruf

Ausverkauft! Für das Konzert der Beatsteaks am Samstagabend in der Rothausarena gab es schon seit Wochen keine Tickets mehr. Kein Wunder, denn die Berliner Herren gehören zu den besten Live-Dienstleistern des Landes. fudder-Autor Daniel und Fotograf Janos waren dabei.



Freiburg gegen Berlin. Am Samstagnachmittag ging diese Begegnung im ehemaligen Dreisamstadion, jetzigen Badenova Stadion und baldigen Mage-Solar-Stadion, unentschieden aus. 2:2 bei Elf gegen Elf. Mit einem Freiburger Tor in allerletzter Minute, das das Stadion in ein Tollhaus verwandelte. Am selben Abend ging es ein paar Kilometer weiter in der Neuen Messe, genauer gesagt in der Rothaus Arena und noch genauer gesagt im Zäpfle Club ebenso euphorisch zu. 3000 Freiburger standen fünf Berlinern gegenüber und am Ende stand erneut ein Remis. Wiederum mit einer spektakulären Szene der Freiburger zum Schluss.

Rund zwei Stunden hatten die Beatsteaks gespielt, mit einer Marathonversion von „Hello Joe“ beendeten die Berliner Sympathen ihre Zugabe, als eine Meute vor der Bühne nach Tanzen, Springen und Pogen damit anfing, im Kreis zu laufen. „Leute, wenn, dann machen wa ditt richtich“, meinte Frontmann Arnim "in feinstem Berliner Sprech" und organisierte einen riesigen Circle Pit ums Mischpult. So etwas hat die Rothaus Arena ziemlich sicher noch nie gesehen. Als sich die Band im Anschluss verneigte, bekam sich Bassist Torsten deshalb vor Freude fast nicht mehr ein, zeigte mit dem Finger ins Publikum, imitierte mit kreisenden Bewegungen den Riesenrundlauf und machte anschließend den Scheibenwischer: Ihr seid doch bekloppt. Das Publikum hatte derweil die Hände oben und klatschte Applausarien für das begeisternde Konzert, das soeben zu Ende gegangen war.

War es aber gar nicht. Als die Lichter schon an waren und die Masse Richtung Ausgang strömte, rannten die Beatsteaks nochmal auf die Bühne, spielten zwei ganz alte Nummern aus ihren Anfangstagen. Wer denn den Text kenne, fragte Arnim beim ersten Stück und holte einen beleibten Fan auf die Bühne, der oberkörperfrei den Auftritt seines Lebens hinlegte, von der Band bejubelt und vom Publikum beim Stagediving wagemutig aufgefangen wurde.

Was ein Konzert. Was eine Band.
1995 gründeten sich die Beatsteaks, zwei Jahre später kam ihr erstes Album heraus. Seit dem Jahrtausendwechsel bestehen sie in der Besetzung mit den beiden Gründern Bernd Kurtzke an der Lead-Gitarre und Peter Baumann an der Rhythmus Gitarre, dazu Arnim Teutoburg-Weiß an Mikrofon und Gitarre sowie Torsten Scholz am Bass und Thomas Götz an den Drums. Ihr aktuelles siebtes Album „Boombox“ stieg zu Jahresbeginn auf Platz Eins in die Charts ein. Die Karriere der fünf Berliner beruht aber vor allem auf ihren Live-Qualitäten. Angefangen auf kleinen Brettern spielen sie inzwischen die größten Bühnen des Landes.

Anerkennendes Schulterklopfen aus dem Kollegium empfangen sie schon seit Jahren, sie waren Supportacts von Bad Relgion, den Toten Hosen oder den Ärzten, von denen sie im Song „Unrockbar“ auch schon eine eigene Zeile geschenkt bekommen haben. In Freiburg waren sie der erste Act, der den vor einem Jahr neu geschaffenen Zäpfle-Club in der Rothaus-Arena ausverkaufte, und das schon vor Wochen. The Death Set aus den USA eröffneten als Vorgruppe den Abend.

"Zum letzten Mal waren wir 2007 in eurer schönen Stadt“, sagte Arnim zu Beginn des Konzertes (auf dem ZMF; Anm. d. Verf.) und fortan begannen die Berliner, Freiburg mit neuen Erinnerungen zu fluten. Mit „Atomic Love“ begann die Show, in der sich die Band durch ihre gesamte Diskografie spielte: Zwischen Punkrock und Pop, Abriss und Aufbau, gefühlvoll und in die Fresse"

Immer wieder schmetterte das Publikum dabei Beatsteaks-Sprechchöre wie im Stadion auf die Bühne. Bei „Let Me In“ ging die ganze Halle auf die Knie und sprang auf Arnims Einzählen wieder hoch. Er wandelte auch eine Beginner-Zeile von Eizi Eiz/Jan Delay ab („Seid doch mal eeehrlich...), Pink Floyds „Another Brick In The Wall“ fand Verwendung und „In Bloom“ von Nirvana wurde gleich ganz gespielt.

„Geht’s euch gut?“, fragte Arnim und entschuldigte sich gleich, das sei keine Klischeefrage. Es sei das wichtigste. Und es ging allen gut. Nachdem das Bühnenbild zu Beginn eine Hochhauskolonne zeigte, fiel die Leinwand beim Song „To Be Strong“ hinunter und machte Platz für eine riesige Vinylscheibe. „Beatsteaks Boombox“ stand darauf. Später fiel dann auch diese Leinwand und es standen nur noch rot umleuchtet die Buchstaben „BTSTKS“ im Hintergrund. „Danke, dass ihr alle für uns fünf Typen gekommen seid“, sagte Arnim. „Bis wir uns das nächste Mal sehen, wird es nicht mehr so lange dauern“, meinte er abschließend. Der Abend endete hernach mit einem 10:10. In guter Laune.

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