Geld

Bafög: Das müssen Schüler und Studierende wissen

Dora Schöls

Wer bekommt Bafög? Wie viel Geld gibt es vom Staat und wann sollte man den Bafög-Antrag stellen? Hier sind die wichtigsten Fragen rund ums Bafög – und die Antworten.

Dank des Bundesausbildungsförderungsgesetzes – kurz Bafög – bekommen Studierende und Schüler eine staatliche Unterstützung zu ihrer Ausbildung, wenn sie diese nicht selbst finanzieren können. Im Jahr 2018 wurden laut Bundesbildungsministerium 726.732 Schüler und Studierende gefördert, der Bund gab dafür 2,7 Milliarden Euro. Doch wer bekommt Bafög, wie viel Geld gibt es und wann sollte man den Antrag stellen? Die wichtigsten Fragen und Antworten rund ums Bafög.


Wer kann Bafög bekommen?

Bekannt ist die Förderung hauptsächlich für Studierende – aber auch Schüler und Schülerinnen können für ihren weiterführenden oder berufsqualifizierenden Abschluss Bafög bekommen. Grundsätzlich gilt: Wer Bafög bekommen will, darf bei Ausbildungsbeginn höchstens 29 Jahre alt sein, beim Master 34 Jahre. Es gibt aber Ausnahmen von der Altersgrenze, etwa bei Absolventen des zweiten Bildungsweges, wenn eine weitere Ausbildung für den angestrebten Beruf erforderlich ist oder wenn man das Studium aus familiären Gründen nicht früher antreten konnte. Und: Auch ausländische Studierende mit Bleibeperspektive oder einem Daueraufenthaltsrecht sowie EU-Bürger können eine Förderung bekommen.

Wie viel Geld gibt es?

Maximal 853 Euro im Monat. Wer bei den Eltern wohnt, bekommt höchstens 583 Euro monatlich. Ab Herbst 2020 steigt der Höchstbetrag auf 861 Euro, beziehungsweise 592 Euro für die, die bei ihren Eltern leben. Die tatsächliche Höhe der Förderung ist aber individuell, weil sie vom Einkommen der Eltern oder des Ehepartners abhängt – die sind erst einmal unterhaltspflichtig. Vom Einkommen der Eltern können aber Freibeträge abgezogen werden, je nach Familienstand und Anzahl der Geschwister. Auch das eigene Vermögen des Antragstellers spielt eine Rolle: Hat er mehr als 7500 Euro (ab Herbst 8200 Euro), wird sein Vermögen darüber hinaus auf die Studienmonate verteilt und mindert den Bafög-Anspruch. Studierende Eltern können einen Zuschlag von 140 Euro (ab Herbst 150 Euro) für jedes Kind beantragen.

Wo muss ich Bafög beantragen?

Beim zuständigen Amt für Ausbildungsförderung. Für Schüler sitzt dieses in der Stadt- oder Kreisverwaltung, für Studierende im Studierendenwerk der Hochschule. Hier gibt es auch Beratung zum Thema. "In Freiburg bekommt man die Antragsformulare beim Studierendenwerk und an den Service-Points in den Mensen", sagt Dorothea Merkel vom Amt für Ausbildungsförderung des Studierendenwerks Freiburg (SWFR). Das SWFR ist für die Hochschulen in Freiburg, Offenburg, Kehl, Furtwangen, Villingen-Schwenningen und Lörrach zuständig.

Wann sollte ich den Bafög-Antrag stellen?

Geld erhält man erst ab dem Monat der Antragsstellung, Bafög kann nicht rückwirkend gezahlt werden. Man sollte den Antrag also rechtzeitig stellen, "denn zwischen Beantragung und Auszahlung können mehrere Wochen liegen", erklärt Merkel. Um bei der Frist auf der sicheren Seite zu sein, kann man vor dem eigentlichen Antrag einen formlosen einreichen, in dem man erklärt, dass man Bafög beantragen möchte. In der Regel gewährt das Amt die Förderung für ein Jahr – vor Ablauf des Jahres muss ein Folgeantrag gestellt werden. Bei diesem müssen dann erneut alle Unterlagen eingereicht werden, außer den Infos zum Werdegang.

Welche Unterlagen sind fürs Bafög nötig?

Angeben muss man auf einem Formblatt Informationen zur Wohn- und Familiensituation und zum schulischen und beruflichen Werdegang. Das Amt will wissen, wie viel man während der Ausbildung sonst noch an Geld bekommt und wie viel Miete man zahlt. Außerdem muss man Nachweise über sein Vermögen einreichen, etwa Kontoauszüge, und den Steuerbescheid der Eltern des vorvergangenen Kalenderjahres. Auszubildende müssen eine Bescheinigung der Ausbildungsstätte abgeben. Welche Formblätter man genau braucht, hängt von der jeweiligen Lebenssituation ab. Dorothea Merkel empfiehlt, sich beim Antrag Unterstützung beim Bafög-Amt zu holen, da das Ausfüllen der Formblätter Tücken mit sich bringen könne.

Was, wenn ich Bafög-Unterlagen vergesse?

Fehlende Unterlagen können nachgereicht werden. Wenn im Antrag etwas fehlt, fordert der Sachbearbeiter die Unterlagen nach, die man dann innerhalb einer Frist abgeben muss – sonst wird der Antrag abgelehnt. Aber: Auch trotz Ablehnung kann man noch Unterlagen nachreichen, dann kann die Förderung ab diesem Zeitpunkt genehmigt werden. Theoretisch geht das sogar rückwirkend – "wenn der Antragsteller nicht zu verantworten hat, dass die Unterlagen verspätet eingereicht worden sind", sagt Merkel.

Darf ich zusätzlich zum Bafög jobben?

Ja, das geht. Wenn man im Bewilligungszeitraum, also normalerweise in einem Jahr, nicht mehr als 5421,84 Euro verdient, verringert sich die Bafög-Förderung dadurch nicht.

Muss ich, wenn ich Bafög bekomme, Leistungen an der Uni nachweisen?

Ja, zum fünften Fachsemester muss man seine Fortschritte belegen. Das geht über einen Nachweis der für den Studiengang üblichen ECTS-Leistungspunkte, ein Zeugnis über eine bestandene Zwischenprüfung oder eine Bescheinigung der Ausbildungsstätte. Dabei muss man aber nicht überdurchschnittlich gut sein: "Um weiter gefördert zu werden, genügen durchschnittliche Studienfortschritte", so Merkel. Wenn man im vierten Semester krank war oder eine wichtige Prüfung nicht bestanden hat, kann man beantragen, dass der Leistungsnachweis verschoben wird.

Wie lange gibt es Bafög-Förderung?

Grundsätzlich gibt es Bafög nur für die Erstausbildung. Darunter fallen Schulabschluss, Ausbildung und Studium – also auch der Master, der an einen Bachelor anschließt. In der Regel gibt es nur für die Regelstudienzeit Förderung. Unter Umständen kann auch darüber hinaus Bafög gewährt werden. Dazu zählen zum Beispiel ein Auslandsaufenthalt, eine Krankheit, eine Tätigkeit in einem Hochschulgremium, die Erziehung eines Kindes, die Pflege Angehöriger, Nichtbestehen der Abschlussprüfung oder eine Behinderung. "Wer keine besonderen Gründe vorweisen kann, kann Hilfe zum Studienabschluss beantragen", ergänzt Merkel – also ein zinsloses Darlehen.

Wie viel Bafög muss ich zurückzahlen?

Schüler und Schülerinnen müssen nichts von ihrer Förderung zurückzahlen. Studierende hingegen schon, nämlich die Hälfte. Die Hälfte der Förderung ist ein Zuschuss, die andere ein unverzinsliches Darlehen. Davon müssen aber maximal 10 010 Euro zurückgezahlt werden. Wann die Rückzahlung beginnt, hängt nicht vom tatsächlichen Ende des Studiums ab, sondern von der Förderungshöchstdauer: Fünf Jahre nach ihrem Ende muss man in der Regel beginnen, das Darlehen – einkommensabhängig – zurückzuzahlen. Geringverdiener können von der Rückzahlung freigestellt werden. "Die Höhe der Raten liegt üblicherweise bei 130 Euro pro Monat", so Merkel.

Gilt Bafög auch für das Ausland?

Sowohl Studienaufenthalte als auch Praktika im Ausland können gefördert werden. Allerdings ist hierfür ein gesonderter Antrag bei speziellen Bafög-Ämtern nötig. Einfach das Inlands-Bafög mitzunehmen, geht nicht. In den EU-Mitgliedsstaaten und der Schweiz kann auch ein ganzes Studium gefördert werden, in anderen Staaten ist die Förderdauer zunächst auf ein Jahr begrenzt. "Grundsätzlich muss für die Auslandsförderung die Verbundenheit zur deutschen Gesellschaft nachgewiesen werden, zum Beispiel durch einen ständigen Wohnsitz in Deutschland", ergänzt Merkel.

Was ist noch wichtig zu beachten?

Innerhalb der ersten beiden Semester ist ein einmaliger Fach- oder Ausbildungswechsel ohne Angabe von Gründen möglich. Und: Auch eine geringe Förderung bringt weitere Vorteile mit sich, denn man kann sich etwa von den Rundfunkgebühren befreien lassen.
Mehr Infos gibt’s hier: http://www.bafög.de und http://www.swfr.de