Neu in Freiburg

Badisch für Anfänger: Eine Anpassungshilfe für Zugezogene

Josephine Bewerunge

Freiburg ist eine beliebte Stadt, aber es gibt auch ein paar Dinge, an die man sich gewöhnen muss: Den Dialekt, das Shoppingangebot und das Nachtleben etwa. fudder-Autorin Josephine Bewerunge hat Tipps für Neulinge.

Freiburg lockt mit seinem Charme nicht nur Studierende aus dem Badener Umland an – auch von fern pilgern zahlreiche Abenteuerlustige in den Südwesten der Republik. Doch der Kulturschock ist erstmal groß, wenn man merkt, dass Deutschland nicht gleich Deutschland ist. fudder verrät dir, wie Du dich so schnell wie möglich anpassen kannst.


Die erste und wichtigste Lektion lautet: Bringe niemals Baden und Schwaben durcheinander! Damit outet man sich nämlich nicht nur als Zugezogene(r), man riskiert auch noch eine handfeste Maulschell (Ohrfeige). Nein, in Freiburg spricht man kein Schwäbisch und ja, für ungeübte Ohren klingen die Dialekte trotzdem ähnlich.
fudder-Autorin Josephine Bewerunge kommt ursprünglich aus Berlin, hat zwischendurch in Rom und Stockholm gelebt und studiert seit 2016 in Freiburg Germanistik und Philosophie. Am meisten interessiert sie gute Literatur, Mode, Essen und Fremdsprachen.

Um Fehler zu vermeiden und die Authentizität zu wahren, sollte man deswegen einfach ein beherztes "gell" ans Satzende hängen, damit macht man nicht viel falsch. Außerdem wird entgegen der eigenen Intuition meistens die erste Silbe betont, zum Beispiel in Wörtern wie "Balkon" oder "BH".

Je umweltfreundlicher, desto besser

Apropos BH: Glaube nicht, dass man in Freiburg nicht shoppen kann! Gut, auf einen Zara warten immer noch alle vergeblich, aber eigentlich gilt in Freiburg ja sowieso: Je umweltfreundlicher, desto besser. Etliche Flohmärkte warten darauf, entdeckt zu werden, zudem gibt es viele Second-Hand-Shops wie die Spinnwebe in Weingarten oder Läden mit nachhaltiger Mode wie der Zündstoff im Sedanviertel und die Kleiderei im Stühlinger. Die Freiburger sind bekannt für ihre Bescheidenheit, Marken-Statements und Bling-Bling sieht man also eher selten. Wer es trotzdem teurer mag, shoppt im Breuninger auf der KaJo.

Ähnlich verhält es sich mit dem Essen. Die Supermärkte sind vergleichsweise teuer, deswegen lohnt sich ein Gang auf den Markt. Den gibt es übrigens nicht nur auf dem von Touristen überlaufenen Münsterplatz, sondern eigentlich in jedem Stadtviertel. Wenn es mal schnell gehen soll, musst du leider die bittere Pille schlucken und akzeptieren, dass der Döner in Freiburg doppelt so viel kostet wie in der Heimat. Aber erstens isst man hier sowieso eher Yufka als Döner und zweitens ist die Freude umso größer, wenn man andernorts wieder auf normale Preise trifft.

Freiburg ist klein, aber fein

Sparen kannst du stattdessen beim Feiern gehen – schon allein, weil das Angebot nicht sehr groß ist. Das hiesige Clubsterben ist ein allgegenwärtiges Problem und macht deutlich, wie lieb den Freiburgern ihre Nachtruhe ist. Zum Glück gibt es zahlreiche gemütliche Bars und Kneipen und hin und wieder einen ordentlichen Rave.

Die klassische WG-Party steigert sich hier auch gerne mal zur Wohnheimparty, die Wochen im Voraus geplant wird. Da stellt sich nur noch die Frage: Was sollen wir trinken? Verabschiede dich von der Berliner Luft und sag hallo zu Joster – der süßsaure Likör aus Johannisbeeren ist für viele das Sinnbild einer spritzigen Partynacht. Legendär sind auch die Weinfeste im Freiburger Umland, die im Frühjahr die Wochenenden verschönern. Je nach Trinklaune empfiehlt es sich hier eventuell, das Fahrrad zuhause stehen zu lassen und stattdessen die Bahn zu nehmen.

Die Stadt hat viel zu bieten

Freiburg ist klein, aber fein – trotzdem fällt einem als Großstädter manchmal die Decke auf den Kopf. Deswegen sollte man unbedingt die Möglichkeiten nutzen, die sich durch die Lage am Dreiländereck bieten. Wer sich nach eine urbaneren Atmosphäre sehnt, ist in einer knappen Stunde in Basel, Frankreich-Liebhaber können in der gleichen Zeit einen Tagestrip ins Elsass unternehmen. Außerdem lädt der Schwarzwald zum Wandern ein und der Feldberg zum Skifahren, welche andere Stadt kann das schon bieten?

Sollten diese Tipps trotz bester Bemühungen keinen Erfolg zeigen, hilft nur noch eins: Schließe die Augen, nimm all deinen Mut zusammen und wage den Sprung ins kalte Wasser – in diesem Fall das Bächle. Dann besteht zumindest die Hoffnung, dass deine Kinder als waschechte Freiburger auf die Welt kommen.

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