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Auszubildende Juliane Hog: Wie geht’s und wie geht’s jetzt weiter?

Anika Maldacker

Wie verbringen die Menschen in Freiburg die Krise? Was macht es mit ihnen und wie lenken sie sich ab? fudder fragt bei Studierenden, Sportlern und Selbstständigen nach. Folge 10: Juliane Hog macht eine Ausbildung als Augenoptikerin.

Juliane Hog, 22, aus St. Märgen, macht eine Ausbildung als Augenoptikerin bei Fielmann in Freiburg. Im Juni und Juli hat sie ihre mündlichen und praktischen Abschlussprüfungen abgeschlossen.

Juliane, wie geht’s dir?

Mir geht es gut. Ich kann glücklich und zufrieden sein, meine Familie ist gesund. Ich bin außerdem Optimistin und versuche, mir nicht zu viele Sorgen darüber zu machen, was alles in Zeiten der Coronapandemie passieren kann. Ich hab eine tolle Familie, habe es schön, wo ich wohne, habe einen guten Arbeitsplatz. Ich kann mich also nicht beschweren.

Wie hast du den Lockdown erlebt?

Das war anfangs herausfordernd. Ich kann mich noch gut an den letzten Arbeitstag Ende März erinnern. Da war klar, dass ich meine Kolleginnen und Kollegen vielleicht nicht so bald wiedersehen würde. Wir haben uns verabschiedet – aber auf ungewisse Zeit. Ich wusste ja auch nicht, ob jeder diese Zeit gut übersteht. Das war ein komisches und unangenehmes Gefühl.

Wie hast du die letzten Monate verbracht?

Im Lockdown war ich im Homeoffice, so wie alle anderen Auszubildenden meines Arbeitgebers auch. Wir wurden super mit Aufgaben versorgt. Wir Azubis aus dem dritten Lehrjahr durften uns auf die schriftlichen Prüfungen vorbereiten. Unser Arbeitgeber hat auch tolle Online-Kurse für uns ausgerichtet und uns sehr gut betreut.

Hast du das Gefühl, dass dir wegen Corona etwas in deiner Ausbildung abhanden gekommen ist?

In meiner Ausbildung wechseln sich die praktische Ausbildung in der Niederlassung und der Theorieunterricht an der Berufsschule ab. Auf Grund der Corona-Situation ist vor den Prüfungen ein großer Block des Unterrichts weggefallen. Es gab zwar Online-Unterricht, aber der war am Anfang natürlich noch nicht so richtig etabliert. Unsere Lehrer haben sich große Mühe gegeben, für uns da zu sein, aber natürlich ist es etwas anderes, als vor Ort in der Schule intensiv zu üben. In der Praxis merkt man es weniger. Bei meinem Arbeitgeber arbeiten wir schon ganz früh in allen Bereichen mit. Da hatte ich schon eine gute Basis.

Wie bist du mit dem Homeoffice zurechtgekommen?

Es hat mir schon gefehlt, regelmäßig zur Arbeit zu gehen. Mir war klar, dass ich die Zeit im Homeoffice gut nutzen muss, um mich richtig auf die Prüfungen vorzubereiten. Es war ja anfangs ungewiss, ob die praktischen Prüfungen überhaupt stattfinden würden – ohne die hätte ich ja nur einen halben Abschluss in der Hand gehabt. Da war wahnsinnig viel Ungewissheit, und das war anstrengend. Ich habe versucht, einen regelmäßigen Tagesablauf beizubehalten, aber es war natürlich nicht der gewohnte Alltag.

Wie bist du mit der Krise zurechtgekommen?

Am schwierigsten war für mich, meine Großeltern nicht mehr sehen zu können. Es war schnell klar für mich, dass ich sie nicht mehr besuchen würde, weil ich bei meiner Arbeit natürlich viel Kundenkontakt habe und kein Risiko eingehen wollte. Fünf bis sechs Wochen habe ich sie dann nicht gesehen. Mein Opa war im Frühjahr noch im Krankenhaus – da macht man sich schon Gedanken.

Hast du dich unsicher gefühlt, weil du zunächst noch Kundenkontakt ausgesetzt warst?

Ich habe mir anfangs weniger Sorgen um mich gemacht, sondern mehr um meine Mitmenschen. Irgendwann überträgt sich dann die Unsicherheit auch auf einen selbst. In meinem Beruf kann man nicht immer Abstand zu seinen Kunden halten, deswegen ist es umso wichtiger, dass man zusammenarbeitet und Rücksicht nimmt, egal, ob man sich viel oder wenig sorgt. Wir haben im Geschäft sehr schnell Hygieneregeln aufgestellt. Das hat nicht nur den Kunden Sicherheit gegeben, sondern ist auch für uns als Mitarbeiter beruhigend.

Was hast du in der Zeit gelernt?

Ich habe manchmal das Gefühl, dass unsere Gesellschaft immer egoistischer wird. Aber im Lockdown haben sicherlich viele gemerkt, dass man mit Egoismus eben nicht so weit kommt. Es reicht nicht, sich nur um sich selbst zu kümmern.

Was beunruhigt dich?

Mich sorgt es, dass viele gegen den Mundschutz oder die Abstandsregeln wettern. Wir haben ja diese Regeln, damit die Ausbreitung verlangsamt wird und wir uns gegenseitig schützen. Auch bei uns im Geschäft gibt es immer wieder Kunden, die alle Hygieneregeln ignorieren wollen. Ich finde, wir müssen doch auch Verantwortung für andere übernehmen. Für uns Optiker ist es auch nicht unbedingt spaßig, mit Mundschutz zu beraten und immer wieder unsere Hände und die anprobierten Brillen zu desinfizieren. Aber unter den gegebenen Umständen geht es eben nicht nur um den eigenen Spaß.

Wie geht’s jetzt weiter?

Ab Oktober beginne ich bei Fielmann die Qualifizierung zur Augenoptikermeisterin. Das funktioniert dann in einem dualen System. Da gehe ich ab und an nach Dormagen, an die Akademie der Augenoptik, und arbeite aber weiter bei Fielmann. Das wird spannend.