Auswärtsfahrt: Mit dem Sonderzug nach Hoffenheim

Hannah Allgaier

Gestern haben 3000 angereiste Fans den Last-Minute-Sieg des SC Freiburg in Hoffenheim gefeiert. Hannah war im Sonderzug dabei (mit Fotogalerie).



Hinfahrt


„Eine Zugfahrt, die ist lustig, eine Zugfahrt die ist schön!“
wird gegen zehn Uhr morgens auf dem Freiburger Hauptbahnhof gesungen. Passanten drehen sich überrascht um. „Was ist denn hier los?“ fragt ein älterer Mann. Lautes Lachen und Gegröle von dem Umherstehenden. „Na ist das nicht offensichtlich? Der SC spielt heute in Hoffenheim! Das dürfen wir uns natürlich nicht entgehen lassen."

Gegen zehn Uhr rollt der Sonderzug nach Hoffenheim in den Bahnhof ein. Die lauten Gesänge verstummen und das Gedränge um die besten Sitzplätze geht los. Wer eine – soweit überhaupt möglich – eher ruhige Hinfahrt erleben möchte, der steigt in den hinteren Teil des Zuges ein. Der Rest gesellt sich vorne zu den Ultras.

Nachdem alle Bierkästen gut verstaut sind, rollt der Fußballexpress um 10:19 Uhr los in Richtung Offenburg. Während der Zugfahrt schlendert man immer mal wieder durch die verschiedenen Abteile, quatscht eine Runde mit dem, trinkt ein Bierchen mit jenem. Gute Laune macht sich breit.

Allerdings gibt es einige Dämpfer, die selbst den bestgelaunten Fan auf den Boden der Tatsachen zurückbringen. In den vorderen drei Zugabteilen werden die Toiletten abgesperrt. Somit bleiben vier Zugtoiletten für 600 biertrinkende Fans. Erst bilden sich lange Schlangen, dann werden Notlösungen debattiert: Wie kann man am Besten aus dem Fenster pinkeln?

Wir rollen durch Karlsruhe. Natürlich werden sofort  „Karlsruh', Karlsruh' wir scheißen euch zu“-Gesänge angestimmt.

Auswärtsfahrtfeeling!


In Hoffenheim

Letzte Saison hielt der Sonderzug genau vor der Rhein-Neckar-Arena. Wegen Umbauten am Bahnhof in Sinsheim müssen wir Fans heute im beschaulichen Hoffenheim aussteigen. Und hier steppt der Bär: keine Menschenseele in Sicht.

Nach zweieinhalb Stunden Zugfahrt werden wir gutgelaunten Fans jetzt in verschiedene Busse verfrachtet. Die Laune ist sogar so gut, dass einer der Busfahrer Angst um seinen Bus bekommt: „Liebe SC-Fans. Ich versteh ja, dass ihr gut drauf seid. Aber ich habe echt Angst um meinen Bus. Könnt ihr bitte aufhören zu hüpfen?“ Lautes Gelächter.

Und dann geht’s los: Über alle Dörfer und Äcker rund um Hoffenheim gelangen wir nach 20 Minuten Busfahrt endlich an die Arena. Schweißgebadete Fans steigen aus den Bussen: Kein Fenster durfte geöffnet werden.

Im Stadion

„Als Frau hat man einfach immer die Arschkarte gezogen,“ beschwert sich ein Mädchen vor dem Eingang. Denn nur eine Security-Dame kontrolliert die Mädels. Auch im vergangenen Jahr war die Organisation einigermaßen holprig: damals musste man eineinhalb Stunden nach dem Spiel anstehen, um seinen Rucksack zurück zu bekommen.

Der Gästeblock lässt sich während dem Spiel nur mühsam zur Stimmungsmache antreiben: Vorsänger Michi hat heute alle Hände voll zu tun. Verboten wurden für dieses Spiel Megaphon und Fahnen, und auch eine Choreo wurde noch vor dem Spiel sabotiert.

Wir überspringen die eher schleppende Partie und steigen in der 90. Minute ein: Die Fans geben sich innerlich schon mit einem Punkt zufrieden, als eine Minute Nachspielzeit angezeigt wird. Die Arena ist schon ziemlich leer. Hoffenheimer Fans wissen wohl nicht, dass ein Fußballspiel 90 und nicht nur 80 Minuten geht. „Auf Wiedersehn, Auf Wiedersehn“ brüllen die Fans aus Freiburg, nachdem die Tribüne neben ihnen bereits vor der 90. Minute schon fast leer ist.

Und plötzlich steht Cissé alleine vor dem Hoffenheimer Torwart Daniel Haas. Sekunden der Stille im Fanblock, dann Freudenschreie: Er versenkt den Ball mit einem gewaltigen Wums! Die Fans liegen sich in den Armen. Das bedeutet vierter Platz in der Tabelle! Vor einem bestimmten schwäbischen und einem bestimmten bayrischen Verein!

Die Freiburger Jungs kommen kurz zum Block, Oliver Baumann stimmt ein „Humba, Humba“ an und alle sind glücklich. Die Fans, die noch etwas länger im Stadion sind, werden nochmal von der Mannschaft fürs Warten belohnt, als sie auslaufen kommen.

Rückfahrt

In allerbeste Laune wird die Heimfahrt angetreten: Die Stimmung ist einfach nur fröhlich und ausgelassen.

Besonders ausgelassen und laut wird in einem Abteil gefeiert, das alsbald von aufmerksamen Polizisten kontrolliert wird. „Hey, hier wird nicht geraucht! Haben wir euch jetzt schon hundertmal gesagt!". Die Personalien der erwischten Raucher werden aufgenommen, ihnen drohen 20 Euro Bußgeld. Einige Fans sind verwundert: auf der Hinfahrt wurden die Raucher noch toleriert. Nunja.

Trotzdem: Dank des Ergebnis war das eine Top-Auswärtsfahrt!

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