Porträt

Außergewöhnliches Hobby: Julian Shroff fotografiert nachts den Sternenhimmel

Maya Schulz

Der 22-jährige Julian Shroff hat ein besonderes Hobby: Der gebürtige Freiburger ist Astro-Fotograf. Wie der Student zur Astrofotografie kam, was er Anfängern empfiehlt und was am Freiburger Sternenhimmel derzeit los ist.

Wenn es eine klare Nacht ist und die meisten Menschen entweder vor dem Fernseher entspannen oder schon schlafen, geht es für Julian erst richtig los. Dann ist der richtige Zeitpunkt, um nach den Sternen zu greifen. Mit seiner insgesamt 60 bis 80 Kilogramm schweren Ausrüstung macht er sich auf den Weg ins Freie, um die Sterne zu fotografieren. Tagsüber lernt der Lehramtsstudent Chinesisch und Englisch, sein Hobby ist eine spannende Abwechslung für ihn: "Für mich gibt es keine größere Entspannung. Es ist ein perfekter Ausgleich, wenn man normalerweise viel in der Uni – oder wie in diesem Semester vor dem Computer – sitzen und lernen muss. Astrofotografie ist Alltagsablenkung und Faszination zugleich für mich. Wie Angeln, nur cooler."


Mit 19 Jahren verbrachte Julian ein Jahr als Au-Pair in China, wo er seine Begeisterung für Landschaftsfotografie entwickelte. Und dann war es nur noch ein kleiner Schritt für Julian zur Astrofotografie, aber ein großer Schritt für die "Sternfreunde Breisgau", einem Verein, dem die Sternwarte auf dem Schauinsland gehört und deren Equipment Julian als Vereinsmitglied mitnutzen darf. "Ich denke es gibt drei Arten von Menschen in Bezug auf Weltraumfotografie. Die einen sehen ein Bild und finden es nicht interessant, die anderen sehen ein Bild, finden es cool, denken aber nicht weiter darüber nach. Dann gibt es noch solche, die sehen ein Bild, sind fasziniert und ab diesem Zeitpunkt für den Rest ihres Lebens pleite. Zur letzten Gruppe gehöre ich", so beschreibt Julian sein kostspieliges Hobby.

Für Astrofotografen war der geringe Flugverkehr ein Glück

Auch über ein Studium der Astronomie hat er schon nachgedacht. Das beinhaltet dann aber doch zu viel Physik. "Astrofotografie ist ja viel mehr Kunst als Wissenschaft. Das Faszinierende daran ist für mich, dass das menschliche Auge am Nachthimmel im Grunde nichts sieht – nur Schwarz, mit hellen Punkten darauf. Man weiß zwar, dass es dort mehr gibt, aber das menschliche Auge ist einfach nicht gut genug, um es sehen zu können. Dieses ’Verborgene’ daran ist das, was die Astrofotografie für mich noch spannender macht als Landschaftsfotografie."

Grundvoraussetzung für gute Bilder sind klare, wolkenlose Nächte. Diesbezüglich hatte die Covid-19-Pandemie zumindest eine positive Auswirkung: aufgrund des geringeren Flugverkehrs hat sich die Lichtverschmutzung am Himmel verringert, die sonst eine große Herausforderung für Astrofotografen ist. Zur Vorbereitung verwendet Julian das Programm "Stellarium", eine Sternenkarte, mit deren Hilfe man sich einen Überblick über die aktuelle Konstellation der Sterne, Galaxien und Nebel verschaffen kann. Beim Sternegucken ist auch die kostenlose App "Star Tracker" hilfreich, um herauszufinden, wie Sterne oder Planeten heißen, die man live am Himmel sieht. Astrofotografie ist übrigens ein Winterhobby. Nicht, weil es dann noch angenehmer ist, nachts einige Stunden draußen in der Kälte zu verbringen, sondern weil der Winter natürlich viel mehr Stunden Dunkelheit bietet als der Sommer, wenn es nur rund zwei Stunden absolut dunkel ist. Wenn er im Winter loszieht, um zu fotografieren, verbringt Julian die Zeit, in der die Kamera Bilder macht, nachdem er sie ausgerichtet und alles eingestellt hat, meistens im warmen Auto. Bevor er einen Führerschein hatte lautete sein Motto allerdings: warm anziehen und Liegestützen machen.

Youtube-Videos und Internetforen haben Julian geholfen

Momentan fotografiert Julian mit einer normalen Spiegelreflexkamera und einem Linsenteleskop. Zu Beginn seiner Fotografenlaufbahn war sein Equipment noch viel überschaubarer und es reichten Batterien, um das Teleskop und die gesamte Montierung mit Strom zu versorgen. Da seine Ausrüstung jedoch immer größer wurde, ist hierfür inzwischen eine Autobatterie nötig. Mit einem weniger studentischen Budget würde Julian sich gerne eine richtige Astrokamera kaufen, die schon speziell gekühlt ist, damit das Bild rauscharmer und von höherer Qualität ist. Sein Wissen über Astrofotografie hat Julian sich mit Hilfe von Youtube-Videos und Internetforen angeeignet, seine Kamera zur Selfmade-Astrokamera "modifiziert".

In den unendlichen Weiten des Weltalls gibt es natürlich Strukturen, für die Julians Objektive nicht ausreichen, es ist jedoch auch schon mit einer kleinen Ausrüstung jede Menge möglich.

Auf seinem Instagram-Account crazed_conceptions teilt Julian regelmäßig seine fotografischen Highlights. Das Bild, auf das er am stolzesten ist, ist ein einmaliger Schnappschuss: ein Komet, der an zwei Galaxien, unter anderem Julians Lieblingsgalaxie, der "Zigarrengalaxie", vorbeifliegt, was in dieser Konstellation nur eine einzige Nacht lang zu sehen war. Seit drei Monaten betreibt Julian außerdem einen Youtube-Kanal, auf dem er englische Videos rund um das Thema Astrofotografie und seine Ausrüstung hochlädt. Er ist der Meinung, dass es noch viel zu wenig junge Menschen gibt, die Astrofotografie machen, daher möchte er den ein oder anderen auf diese Weise motivieren. Wer also jetzt in die Kunst der Astrofotografie eintauchen will und ein Problem hat, der ist für Tipps und Anregungen auf seinem Youtube-Kanal genau richtig. Anfängern rät Julian außerdem, ohne Top-Ausrüstung einfach loszulegen. Mit dem Handy kann man heute zum Teil Fotos machen, die qualitativ besser sind als sein erstes, mit Systemkamera aufgenommenes Landschaftsbild in China. Daher: "Nimm die Kamera, die du hast, zur Not dein Handy. Probier dich aus und wenn es dir Spaß macht: fang an zu sparen!"

Mit dem Kometen Neowise findet gerade ein besonderes Spektakel statt

Aktuell findet ein besonderes Spektakel am Sternenhimmel statt. Noch bis Ende Juli ist der Komet C/2020 F3 (bekannter als "Neowise", benannt nach dem Teleskop, das ihn entdeckt hat) zu sehen. Es handelt sich dabei um den ersten Kometen seit 1997, der in der nördlichen Hemisphäre mit bloßem Auge sichtbar ist. "Im Gegensatz zu Sternschnuppen, die meist eine Größe von unter einem Zentimeter haben, sind Kometen quasi Eisberge, die durchs Weltall fliegen." Der Komet zieht im Laufe der Nacht relativ tief am Himmel von Nordwesten nach Nordosten. "Am besten ist der Komet um etwa 23 Uhr zu sehen und ein guter Spot ist der Schlossberg. Ansonsten: je dunkler es ist, desto besser sieht man den Sternenhimmel. Fernglas nicht vergessen!"
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