Der Sonntag

Deutsch-französischer Comic-Band

Aurélie Guetz hat einen deutsch-französischen Comic veröffentlicht über Katzen aus Freiburg

Otto Schnekenburger

Die deutsch-französische Freundschaft lebt – in einem Comic um zwei Katzen. Von einer Freiburgerin stammen die Werke, die Kindern beim Erlernen anderen Sprache helfen.

"J’habite maintenant à Freiburg en Allemagne" (Ich wohne jetzt in Freiburg in Deutschland) verkündet der orange-weiße Kater Kazh (bretonisch für Katze) gleich zu Beginn des zweiten Bandes von Aurélie Guetz. Die deutsche Familien Fröhlich, die das ausgesetzte Tier in Band 1 auf ihrem Bretagne-Urlaub aufgenommen hat, ist zurück im Breisgau. Und es ist klar, dass Kazh jetzt noch besser Deutsch lernen wird, zumal er hier die schwarz-weiße bilinguale Katzenschönheit Myrtille (Heidelbeere), die ihm in der Bretagne schon in einem Traum begegnet ist, wiedersehen wird.




Aurélie Guetz unterrichtet Französisch in Bötzingen an einer Grund-, Werk- und Realschule am Kaiserstuhl und hatte dort mit ihren Schülern eigene Geschichten als Lernstoff entwickelt, die auf das Interesse des österreichischen Bernest-Verlages stießen. In dieser Zusammenarbeit entstanden die Abenteuer von Kazh, der erste dickere und sprachlich anspruchsvollere, der in der Bretagne spielt, erschien im Sommer 2017.

Zwei Jahre später nun Band zwei, den nicht ganz so üppigen Französisch-Anteilen an deutschen Schulen entsprechend etwas leichter gehalten und mit Freiburg und dem Schwarzwald als Schauplatz. Ständig wechseln die Dialoge in den Sprechblasen zwischen den beiden Sprachen, die Kinder können sich so die Fremdsprache unterhaltsam erschließen, am Ende der Kapitel finden sich jeweils die Übersetzungen.

Aurélie Boetz hat eine Biografie, angesichts deren sich so ein Projekt für sie regelrecht aufdrängte. Sie ist in Grenoble geboren, lebte erst in der Auvergne und zog als Vierjährige mit ihren Eltern ins deutsche Villingen-Schwenningen, wo sie große Gefühle für Landschaft und Menschen sowie ihre Zweisprachigkeit entwickelte. Später studierte sie an verschiedenen deutschen Hochschulen jeweils mit Stipendien Germanistik, unterrichtete erst im Elsass Deutsch, mittlerweile in Freiburg lebend in Bötzingen Französisch und ist mit dem Deutschen Romin Hartmann liiert.

Hartmann, selbst Lehrer und seinerseits frankophil, übernahm die Übersetzung und das Lektorat der Kazh-Bände. Außerdem hat Aurélie Guetz selbst eine Katze und die heißt . . . Myrtille. "Ja, die Leidenschaft, mit der Myrtille im Buch für die deutsch-französische Freundschaft und auch für ein gemeinsames Europa eintritt, da steckt schon viel von mir drin", sagt die Autorin.
BZ-Archiv (2018): Unterricht mit Kater Kazh

Aurélie Guetz hat sich nicht auf die beiden Bücher beschränkt. Auf ihrer Webseite (http://www.aurelyshanami.com)gibt es zusätzliches pädagogisches Material, die Vokabeln sind eingesprochen, Videos sollen noch folgen. Im zweiten Band der Reihe hilft den Lesern zudem ein Farbcode beim Verstehen. Guetz hat ihre Geschichten je nach den Emotionen der Beteiligten mit farbigen Hintergründen unterlegt, etwa mit rot für wütend oder gelb für fröhlich.

Kazh wird noch (natürlich) in ein Freiburger Bächle fallen und auf dem Münsterplatz danebengreifen. Zur Tofuwurst, kein Fall für einen bretonischen Kater. Egal. Bald schon wieder ist er mit Freiburg versöhnt, wenn er zu den Klängen der Freiburger Cumbia- und Reggae-Band El Flecha Negra mit Myrtille tanzt.
Die Abenteuer von Kazh, Band 1 (Meine deutsch-französische Familie), 16 Euro, Band 2, Kazh wird zweisprachig, 9 Euro, Bernest-Verlag