Weingut Mißbach Ebringen

Auf Umwegen zum Weingut: Drei Freiburger arbeiten jetzt als Rebhelfer

Vera Tolksdorf

Viele Weingüter arbeiten seit Corona verstärkt mit Aushilfen aus der Region – auch das Weingut Mißbach in Ebringen. fudder-Autorin Vera Tolksdorf hat sich in die Reben begeben und einen Studenten, eine Erzieherin und einen Sport-Ökonom getroffen.

Es ist kurz nach 8 Uhr, in den Weinbergen über Ebringen. Heften steht auf der Tagesordnung: "Du räumst einfach die Triebe ein bisschen auf", erklärt Uwe und zeigt, was er meint: Er steckt die Ranken, die aus dem Drahtrahmen der Rebe gewachsen sind, zwischen den Drähten fest und heftet die zwei Drähte dann mit einer kleinen Klammer zusammen. "Aber lass’ dir das gleich auch nochmal von Nico erklären, der war schon letztes Jahr dabei."

Wie knapp 20 andere arbeiten Nico und Uwe auf dem Weingut Mißbach bei Freiburg als Aushilfen. Sie sind dort auf Umwegen gelandet. Corona hat eine Rolle gespielt: Durch Arbeitsausfälle oder den Wunsch, auch offline mal wieder Menschen zu sehen, rauszukommen. So war es etwa bei Salome: Die 31-Jährige ist freiberufliche Erlebnispädagogin, durch Corona wurden viele ihrer Aufträge ins Internet verschoben. "Und das ist gar nicht meins, ich liebe es, draußen zu sein, mit meinen Händen zu arbeiten", erzählt sie. Deswegen hat sie sich in diesem Frühjahr sofort beim Weingut gemeldet, als sie gehört hat, dass wieder Helferinnen und Helfer gesucht werden.

40 Leute haben sich gemeldet

Wie viele Weingüter hatten die Mißbachs 2020 aus der Not heraus angefangen, mit ungelernten Aushilfen aus der Region zu arbeiten: Wegen der Pandemie waren zwei feste Kräfte aus Rumänien im Frühjahr abgereist. "Wir haben uns bei dieser Plattform angemeldet ’Das Land hilft’", erinnert sich Petra Mißbach, die das Weingut gemeinsam mit ihrem Mann Ralf leitet. "Und ich weiß noch, dass ich gedacht habe: um Gottes Willen, hoffentlich finden sich fünf Leute." Gemeldet haben sich fast 40.
"Hört sich vielleicht blöd an, aber ich trinke halt auch einfach gerne Wein." Aushilfe Uwe
Einige von ihnen sind dem Weingut auch in diesem Jahr erhalten geblieben, so wie Nico. Der 31-Jährige hat im vergangenen Jahr seinen Master in Physik abgeschlossen. Dann kam Corona und er fing an, bei den Mißbachs zu arbeiten, um ein bisschen Geld zu verdienen und zu überlegen, wie es für ihn jetzt weitergehen soll. Das ganze Weinjahr hat er so schon kennengelernt. So kann er die Jahre auch vergleichen: "In diesem Jahr sind die Reben erst ganz lange kaum und dann in sehr kurzer Zeit sehr schnell gewachsen", erklärt er. "Da sind wir kaum hinterhergekommen."

Solche Leute, die auch länger dabeibleiben und dadurch Zusammenhänge verstehen, sind sehr wichtig, erklärt Petra Mißbach. Denn so kann viel Wissen bereits innerhalb der Gruppe weitergegeben werden.

Unterschiedliche Leute kommen zusammen

Die Gespräche bei der Arbeit drehen sich aber natürlich nicht nur um den Wein. "Dadurch, dass man meist zu zweit durch die Reben geht, kann man sich mit allen mal unterhalten", erzählt Uwe. Das sei besonders spannend, weil hier so viele unterschiedliche Leute zusammenkommen. Der 39-Jährige ist Sportökonom, hauptsächlich im Wintersportbereich. Saisonal bedingt und durch Corona noch verstärkt hat er deswegen Zeit, ein bis zwei Tage die Woche auf dem Weingut zu arbeiten. Ein bisschen fürs Geld und ein bisschen "damit ich mich nicht auf meinem Bürostuhl rumquälen muss".

Die Mißbachs profitieren von den Aushilfen aber nicht nur durch die Arbeit in den Reben. "Es geht natürlich auch darum, das Weingut der Region zu öffnen und dadurch bekannter zu werden", sagt Petra Mißbach. Gleichzeitig lernen die Aushilfen das Produkt besser kennen und wertschätzen. Das ist auch für Uwe ein wichtiger Punkt. "Hört sich vielleicht blöd an, aber ich trinke halt auch einfach gerne Wein", sagt er und grinst.
Info: Besonders im September und Oktober suchen die Weingüter wieder verstärkt nach Menschen, die sie bei der Weinlese unterstützen. Auf der Plattform "Das Land hilft" können Helfer:innen sowie Landwirte nach dem passenden Angebot suchen.

Mehr zum Thema: