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Auf dem Stühlinger Bauernmarkt gibt es seltene Obst- und Gemüsesorten

Wolfgang Weismann

Der Stühlinger Bauernmarkt sticht heraus unter den Freiburger Wochenmärkten. Jeden Mittwoch und Samstag gibt es regionale Saisonware, auch in Bio-Qualität. Wer genauer schaut, entdeckt besondere Köstlichkeiten, wie bunte Karotten oder riesige Tomaten.

Purple Haze

Für Florian Binder (32), Verkäufer am Stand des Lindenbrunnenhofs aus Forchheim, stammen "10 bis 15 Prozent der Treibhausgase" aus der Landwirtschaft. Bei seinem Biohof gehe es um die Natur, "wenn die Natur gesund ist, sind auch die Menschen gesund", erklärt er überzeugt. Dabei soll nicht nur die Anbauweise zurück zu natürlicheren Methoden, auch die Sorten müssten wieder zurück zum Ursprung, findet Florian. Sein Paradebeispiel ist die lilafarbene Karotte Purple Haze. "Das ist eine Rückzüchtung", erklärt er. Die aus Holland stammende Rübe, die wir heute eigentlich nur in der Farbe Gelb kennen, sei eigentlich immer lila gewesen. Das Erbmaterial sei verschwunden, die an Methoden wie aus dem Kinohit Jurassic Park erinnernden Verfahren des Wiedererschaffens alter Spezies habe aber einen handfesten Grund: "Wir haben eine Ertragsreduzierung", die geringere Ausbeute bei der Ernte würde aber durch mehr Geschmack und mehr Mineralstoffe in dem Wurzelgemüse wettgemacht.

Ananas-Tomaten

Mehr auf die Größe kommt es Andreas Lupberger (33) vom Lupberger-Hof bei einer bestimmten Sorte seiner Tomaten an. "Das sind sogenannte Ananas-Tomaten, geschrieben wie die Ananas." Diese sei eine milde Sorte, die durch ihre tolle Farbigkeit besticht. Sie hat wenige Kerne und auch weniger Flüssigkeit, "eben sehr fleischig", meint der freundliche Verkäufer. Manche Kunden kämen extra wegen dieser Sorte auf seinen Hof nach Schallstadt, sagt Andreas. Und das ganz Besondere: "Sie müssen sie quer aufschneiden, dann kommt die Marmorierung gut raus", erklärt er, nachdem der Autor ihm ein eher mittelgroßes Exemplar abgekauft hat und später nur bestätigen kann.

Mini-Aubergine

Am Stand von Andreas Gerber gibt es Auberginen. Besonders? Erst bei genauem Hingucken fallen die dünnen Stängelchen zwischen den normalen rundbauchigen Früchten auf. Lucia (67) und Volker (68) aus dem Stühlinger klinken sich kurzerhand ins Gespräch ein. Also sie hätte die Mini-Auberginen als solche erkannt, lacht Lucia, probiert habe sie diese jedoch noch nie. Und wenn man von einer nicht satt würde "dann kauft man halt zwei oder drei oder vier", sagt Volker. Am liebsten hätten sie Auberginen gedünstet oder im Backofen zubereitet, meint das Paar.

Seltene Äpfel

Beim Südhof gibt es seit 1985 "alles Bio", so die Werbetafel. Besonders stolz ist Verkäuferin Christine Strampfer auf ihr Apfelangebot, je noch Saison habe sie bis zu 20 Sorten, gerade jetzt im September und Oktober sei Hochsaison, was das kernige Obst begrifft. Die kleinste Sorte, aber auch eine der Feinsten sei "Summer Crisp", ein Miniobst, das sie auch gerne als "Kinderapfel" anbiete, da er wenig Säure und ein ganz feines Aroma hat. Die geringe Größe schrecke die Kunden zunächst etwas ab, weshalb er "unberechtigterweise seltener verkauft" werde. Aber wer erst mal reinbeiße, beißt bestimmt nicht in einen sauren Apfel, wie das Sprichwort orakelt. Wenn man eine andere Sorte, die "Del Jonka" googele, dann käme man direkt auf die Seite des Südhofes, so selten sei diese knackig-saftige Sorte mit der "Grundfarbe Gelb und der Deckfarbe Rot", wie sie die Kennerin beschreibt. Anita (73) aus Freiburg-Haslach kauft einen Apfel und kann bestätigen: "schmeckt saugut!"