fudder wird 15

Andere Ideen, neue Formate: Die fudder-Redaktion blickt auf die eigene Geschichte zurück

Anika Maldacker & Gina Kutkat

Lokaljournalismus für junge Menschen: fudder.de wird in diesem Jahr 15 Jahre alt. Die Redakteurinnen Anika Maldacker und Gina Kutkat sprechen über diese turbulenten Jahre – und über die Zukunft.

Das digitale Jugend-Magazin fudder.de, das zum Badischen Verlag gehört, feiert in diesem Jahr seinen 15. Geburtstag. Die beiden fudder-Redakteurinnen Gina Kutkat und Anika Maldacker lassen im Gespräch die Geschichte von fudder und ihren Einstieg in die Redaktion Revue passieren.

Gina Kutkat: Anika, beim Blick ins Archiv ist mir aufgefallen, wie viele Mitarbeitende fudder hatte, und wo es sie hinverschlagen hat: Zeit, Süddeutsche, Tagesspiegel, Spiegel, einige sind festangestellt bei der Badischen Zeitung.

Anika Maldacker: Stimmt, einige unserer Alumni arbeiten nun für große Medienhäuser. Für sie war fudder oft die erste Station im Journalismus. Manche fingen als Praktikanten an oder haben neben dem Studium einen Nebenjob gesucht. Auch einige BZ-Redakteurinnen oder Redakteure haben bei fudder angefangen. Nachwuchsförderung ist ein großes Thema. Du bist ein gutes Beispiel dafür, Gina.

"In der WG haben wir im "Wo rockt’s"-Partys rausgesucht und mit witzigen fudder-Kolumnen habe ich mich vom Studium abgelenkt" Anika Maldacker
Gina Kutkat: Auf die Nachwuchsförderung sind wir stolz. Zurecht, wie ich finde. Was fudder für mich besonders macht: Es war immer ein Ort, an dem man tolle Menschen, kreative Ideen und etwas Unabhängigkeit finden konnte – und kann. Deswegen bin ich nach einem Volontariat bei der BZ auch wieder "back to the roots" gegangen und habe 2017 die Stelle als fudder-Redakteurin angenommen – zehn Jahre nach meinem Praktikum dort. Ein Jahr später kamst du dazu. Wie war dein Weg in die Redaktion?

Anika Maldacker: Ich habe 2015 bei der BZ mein Volontariat gemacht und bin 2018 fudder-Redakteurin geworden. Ich fand das spannend, weil ich fudder auch im Studium gelesen habe – in der WG haben wir im "Wo rockt’s"-Partys rausgesucht und mit witzigen fudder-Kolumnen habe ich mich vom Studium abgelenkt. Den ersten fudder-Artikel habe ich im Kinzigtal, wo ich herkomme, gelesen. Das war eine Konzert-Rezension einer schwedischen Band im Jazzhaus. Ich stand in der ersten Reihe und habe die Musiker angeschmachtet und die Autorin – Carolin Buchheim, die ich sehr schätze – hat sich in dem Text über uns amüsiert. Das war Ende 2006 und soweit ich weiß, hast du kurz danach dein Praktikum gemacht. Wie hast du die Gründerjahre miterlebt?

Gina Kutkat: Es herrschte Aufbruchstimmung. fudder hat Dinge anders gemacht, losgelöst von der klassischen Berichterstattung, aber trotzdem mit dem journalistischen Handwerk als Grundlage– gute Geschichten aus Freiburg, die zum "Stadtgespräch" wurden. Dieses Ressort gibt es heute noch. Wer bei fudder anfing, musste schreiben können und gute Ideen haben. "Ohne gute Ideen schreibt man keine guten Geschichten", sagte Markus Hofmann, fudder-Gründer und heute stellvertretender Chefredakteur und Digitalchef der Badischen Zeitung. Er und die anderen Redakteure feilten mit uns an Texten, schickten uns auf Reportagen und feierten mit uns im Waldsee. Teamgeist wurde und wird groß geschrieben. fudder wurde als Projekt der BZ 2006 ins Leben gerufen und richtete sich gezielt an junge Leute im Alter von etwa 17 bis 39 Jahren.
"Teamgeist wurde und wird groß geschrieben"Gina Kutkat
Anika Maldacker: Ein Jahr nach der Gründung, 2007, wurde das junge Projekt mit dem Online-Grimme-Award ausgezeichnet. Das war schon eine besondere Auszeichnung, für dieses sehr junge Projekt. Wie bist du auf fudder aufmerksam geworden?

Gina Kutkat: Als junger Mensch in Freiburg kam man automatisch mit fudder in Berührung. Vor allem bei Themen wie Nachtleben, Musik und Subkultur – das sind auch heute noch unsere Kernthemen. Die außergewöhnliche Herangehensweise, neue Formate und der Humor, den man zwischen den Zeilen las, waren für mich Grund, eine Bewerbung abzuschicken. Wofür steht fudder 2021?

Anika Maldacker: Ich würde gerne sagen, dass wir 15 Jahre nach der Gründung weiter für Nachtleben stehen, doch derzeit ist das leider nicht so. fudder liefert Neuigkeiten aus Freiburg – zu jungen Themen, dem Studierendenleben, wir versuchen, Freiburgs Flair einzufangen. Wir schreiben auch regelmäßig Texte für den Freiburg-Teil der BZ, die Zusammenarbeit ist gut und wertvoll. Wir lieben diese Stadt und das spiegelt sich in der Berichterstattung wider. Andere junge journalistische Webseiten wie Bento vom Spiegel oder Noizz vom Springer-Verlag wurden eingestellt. Warum glaubst du, gibt es uns noch?

Gina Kutkat: Weil wir seit vielen Jahren gute Arbeit machen, das darf man auch mal so sagen. fudder hat sich durch gute Themen und Recherchen einen Namen gemacht. Je nachdem, welche Redakteurinnen und Redakteure gerade fudder leiten, ändert sich auch ein bisschen die Thematik und der Duktus. Aber fudder war nie zu sehr Gossip, zu sehr trashig, sondern immer lokaljournalistisch unterwegs. Das unterscheidet uns von anderen Online-Magazinen – mit dem lokalen Bezug sind wir einzigartig. Trotzdem stehen auch wir vor Herausforderungen.

Anika Maldacker: Es ist schwieriger geworden, gute Nachwuchskräfte zu finden. Eine andere Baustelle ist, dass wir unser Angebot nicht kostenlos anbieten können. Für unser Bezahlmodell müssen wir uns auch rechtfertigen.

Gina Kutkat: Das ist unsere größte Herausforderung. Im Jahr 2016 hat fudder den Club der Freunde ins Leben gerufen – eine Art niederschwelliges Abo-Modell: Für 7,90 Euro im Monat können Mitglieder alle Inhalte von fudder und der BZ lesen, außerdem haben sie Vorteile bei Verlosungen und könne n an Aktionen teilnehmen, die wir redaktionell organisieren. Es gab Filmevents im Cinemaxx, wir waren beim EHC und in einer türkischen Bäckerei. Aktuell sind etwa 400 Leute im Club der Freunde. Er ist langsam gewachsen und hält sich wacker. Es ist spannend, wie das weitergeht.

Anika Maldacker: Stimmt! Jedenfalls sind wir unseren Leserinnen und Lesern und dem Badischen Verlag sehr dankbar, dass sie fudder weiter nutzen und unterstützen.

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