Studium

An der Uni Freiburg gibt es ab Wintersemester einen binationalen Ethik-Master

Johannes Ioannu

Wie steht der Mensch zur Umwelt? Wie soll unser Fleisch verarbeitet werden? Solche ethischen Fragestellungen beschäftigen die Gesellschaft. An der Uni Freiburg startet im Wintersemester ein binationaler, interdisziplinärer Ethik-Masterstudiengang.

Fridays for Future, Künstliche Intelligenz, Corona-Warnapps oder ganz aktuell menschen- und tiergemäße Wirtschaftsweise in der Fleischindustrie; in vielen Bereichen unserer Gesellschaft sind ethische Fragestellungen momentan von höchster Relevanz. Damit verbunden ist auch ein enormer Bedarf nach kompetenter, ethischer Argumentation. Der neue binationale Masterstudiengang "Interdisciplinary Ethics" soll genau darauf reagieren.

Zum Wintersemester 2020/21 startet an den Universitäten Freiburg und Strasbourg der neu konzipierte Masterstudiengang "Interdisciplinary Ethics". Insgesamt vier Semester soll dieser nach Regelstudienzeit dauern und nach erfolgreichem Beenden durch einen doppelten Masterabschluss die Studierenden sowohl auf regionaler als auch internationaler Ebene dazu befähigen, in der Ethikforschung, Ethik- und Politikberatung oder der Kommunikation ethischer Diskurse in unterschiedlichen Berufsfeldern zu arbeiten.


"Es geht um ethische Argumentationskompetenzen quer über verschiedene Disziplinen und Felder hinweg", erklärt Prof. Dr. Klaus Baumann, Programmbeauftragter des neuen Masterstudiengangs an der Universität Freiburg. Selbst ethische Diskurse zu führen, verstehbar und differenziert in beruflichen wie öffentlichen Diskussionen zu ethischen Fragestellungen zu argumentieren; dazu soll der neue Studiengang die Studierenden qualifizieren. "Unsere Ethikabsolventen sollen auch kompetente Kritiker und Zeitgenossen bleiben, die sich sozusagen nicht auf tumbe Populismusdiskurse im Sinne einer Übersimplifizierung schwieriger Fragen einlassen, sondern argumentationsfähig auch in der Öffentlichkeit kommunizieren können."

In internationalen Seminaren kommen die Studierenden zusammen

Um diese Kompetenzen zu erwerben, werden die Studierenden im Studium mit unterschiedlichen Argumentationslinien und -schulen in den verschiedenen Feldern der Ethik vertraut gemacht. "Ethik ist nicht einfach nur ein Bereich. Auch in der Ethik gibt es verschiedene Argumentationsweisen und somit Richtungen", sagt Baumann. Um den Austausch zwischen diesen Bereichen zu gewährleisten sollen während des Studiums sogenannte "Internationale Seminare" stattfinden. Wie genau der Studiengang dann im Wintersemester stattfindet, ob als Präsenzstudium oder digital, wird von den jeweiligen Corona-Regeln abhängen.

Diese Seminare, für die zwei Studientage pro Semester reserviert werden, sollen dazu da sein, Kompetenzen zu diskutieren und weiterzuentwickeln. Alle Studierende des Masters "Interdisciplinary Ethics" kommen dafür zusammen und haben die Möglichkeit die verschiedenen Felder, in denen sie ihre Interessen entwickeln oder entwickeln wollen, zum Gegenstand dieser Seminare zu machen. Damit auch möglichst viele Bereiche der Ethik abgedeckt sind, sind neben der Theologischen Fakultät auch das interdisziplinäre Ethikzentrum, die Medizinethik, die Wirtschafts- und Verhaltenswissenschaftliche Fakultät und die Juristische Fakultät mit Expert*innen in Sachen Ethik vertreten.

"Universität heißt auch, dass die unterschiedlichsten Fächer zusammenkommen." Professor Baumann

Außerdem sei man immer bereit für neue Kooperationspartner*innen. "Wir sind sehr offen zu allen, die die Hand heben, zu sagen: Wunderbar, machen sie mit! Das ist genau das, was wir wollen", sagt Baumann. "Universität heißt auch, dass die unterschiedlichsten Fächer zusammenkommen. Ich glaube, dass solche Formate auch in der Zukunft immer wichtiger werden."

Auch internationale Studierende sollen angesprochen werden

Neben den Veranstaltungen im Semester und den Internationalen Seminaren sollen die Studierenden zudem während ihres Studiums ein Forschungspraktikum zwischen dem ersten und zweiten Semester absolvieren. "Es ist vorgesehen, dass die Studierenden in Verbindung mit einem Mentor ein Forschungspraktikum in dem Feld durchführen können, in dem sie arbeiten wollen", erläutert Baumann. "Wer sich zum Beispiel in einem Wirtschaftsbetrieb, entweder profit oder non-profit, spezialisieren will, der wird dort in einem Unternehmen einen Shadowing-Partner bekommen und mit diesem auch ethische Fragen der alltäglichen Arbeit besprechen. Dafür haben wir auch schon Formate entwickelt."

Neben der Interdisziplinarität ist der neue Master auch interkulturell angelegt um auch internationale Studierende anziehen. Menschen aus unterschiedlichen Kulturen sollen mit ethischen Ansichten anderer Kulturen im Studium konfrontiert werden. "Wie geht ethischer Diskurs, der nicht einfach sagt, unsere Form von Ethos ist die Dominante?", sagt Baumann. Durch den Austausch zwischen Studierenden unterschiedlicher Kulturen im Studium, können Kompetenzen erworben werden, die für zukünftige ethische Diskurse gebraucht werden. Interkultureller Austausch sei gerade in der Ethik entscheidend; vor allem in einer globalisierten Welt wie der unseren, sagt Baumann. Eine solche interkulturelle Orientierung fördert dementsprechend auch die Achtung und Toleranz vor anderen Denkkulturen. "Wir wollen, dass Interkulturalität ein fester Bestandteil wird. Also nicht nur der Wissenschaftskulturen, sondern auch der Kulturen allgemein. Dieses Dreieck, in dem wir hier leben, ruft daher geradezu nach interkultureller Begegnung und Kompetenz."

Gute Englisch-, Französisch- und Deutschkenntnisse gefordert

Soviel der neue Masterstudiengang den Studierenden bietet; er verlangt auch einiges von ihnen. Durch die binationale Ausrichtung sind gute Sprachkenntnisse des Englischen, Französischen und Deutschen Voraussetzung für angehende Studierende. Diese werden im Studium durch Sprachkurse, die die Studierenden während des Semesters belegen, weiter vertieft. Auch die Veranstaltungen im Semester sind mehrsprachig, die meisten Kurse am Anfang des Studiums auf Englisch. Die Internationalen Seminare hingegen sind dreisprachig. "Was sicher wahr ist, ist dass die Sprachanforderungen eine gewisse Hürde darstellen", gibt Baumann zu, "aber ich glaube, es gibt Leute, die auch im Hinblick auf ihre berufliche Karriere, auf internationalen Ebenen mitwirken wollen."

Neben den Sprachanforderungen ist natürlich auch der erfolgreiche Abschluss eines Bachelorstudiums Grundlage für die Bewerbung. Dabei sollen die Studierenden während ihres Bachelors etwa 30 ECTS-Punkte in ethikrelevanten Veranstaltungen belegt haben.
Info:

Der neue Masterstudiengang starte im Wintersemester 2020/21. Die Anmeldephase für Interessierte läuft jetzt. Bewerbungsschluss ist der 15. Juli.

Informationen: Masterstudiengang "Interdisciplinary Ethics" & Eucor & Uni Strasbourg

Eine weitere Hürde ist vermutlich auch die einhergehende Mobilität, die den Studierenden abverlangt wird. So findet das erste Semester in Strasbourg, das zweite in Freiburg und das dritte an beiden Standorten statt. In dieser Zeit können auch Lehrveranstaltungen aus dem gesamten Verbund des European Campus belegt werden, was neben Freiburg und Strasbourg auch die Universitäten Basel, Haute-Alsace wie auch das Karlsruher Institut für Technologie (kurz KIT) miteinschließt. Im vierten und letzten Semester – zumindest nach Regelstudienzeit – entscheiden die Studierenden, ob sie ihre Masterarbeit während des Semesters in Freiburg oder in Strasbourg schreiben wollen. Mobilität ist also eine wichtige Grundlage, um den Master in "Interdisciplinary Ethics" zu machen. Dennoch stehen angehende Studierende dieses Studiengangs natürlich nicht komplett ohne Hilfe dabei da. "Es gibt Finanzmittel dafür im Erasmus- und Eurcor-Programm", erläutert er.


Es ist ein anspruchsvolles Programm, das der neue Masterstudiengang "Interdisciplinary Ethics" vorsieht. Auf der einen Seite wird den angehenden Studierenden viel geboten und neue Perspektiven werden eröffnet. Auf der anderen Seite wird aber auch viel verlangt. Baumann sagt, dass aber vielleicht gerade das auch diesen Studiengang ausmacht: "Es ist zwar anspruchsvoll, aber ich glaube, es ist auch ein Alleinstellungsmerkmal. Ein solches Programm im Rahmen eines interdisziplinären Ethikmaster gibt es meines Wissens bisher in ganz Europa noch nicht und wir trauen den Studierenden echt was zu."