fudder-Interview

Am Zentrum für populäre Kultur und Musik gibt es nun ein Musicallexikon

Lisa Petrich

"Das Phantom der Oper" oder "A Chorus Line": Das Zentrum für populäre Kultur und Musik hat ein Musicallexikon ins Leben gerufen. Darin sind schon 300 Stücke gelistet – es sollen aber noch viel mehr werden, sagt ZPKM-Direktor Michael Fischer.

Von "A Chorus Line" über "Das Phantom der Oper" zu "Ein Amerikaner in Paris": Das neue Musicallexikon des Zentrums für populäre Kultur und Musik (ZPKM) in Freiburg listet bereits 300 Musical-Aufführungen im deutschsprachigen Raum als Online-Enzyklopädie auf – weitere folgen. Michael Fischer, der Geschäftsführende Direktor des ZPKM, erzählt im Interview von den Ursprüngen des Lexikons und der Faszination an Musicalaufführungen.

Das Deutsche Musicalarchiv gibt es bereits seit 2010 am ZPKM. Neu seit diesem Monat ist das Online-Lexikon. Worin bestehen die Unterschiede?

Fischer: Das Archiv ist eine Materialsammlung, bestehend aus Programmheften, Flyern, Merchandise-Produkten, Tonträgern sowie Fotos von Fans. Aber auch Fachliteratur, Noten und andere Materialien wie Plakate zählen dazu. Das Musicallexikon hingegen ist ganz aktuell und dient als Online-Enzyklopädie. Damit versuchen wir, die einzelnen Werke zu erschließen und chronologisch zu ordnen. Im Fokus stehen dabei die Ur- und Erstaufführungen der jeweiligen Musicals im deutschsprachigen Raum. Das Musicallexikon stellt also keine Digitalisierung des Archivs dar, sondern ein Verbindungsglied zwischen unserem Archivbestand und herkömmlichen Musicalführern, wie sie auf dem Buchmarkt erhältlich sind. So wollen wir eine Brücke schlagen und die Informationen online zugänglich machen. Jeder kann das Musicallexikon nutzen, ohne sich anmelden oder dafür zahlen zu müssen.

Was macht das neue Musicallexikon so interessant, vielleicht gerade auch für junge Menschen?

Fischer: Das Lexikon hat verschiedene Zielgruppen. Dort finden Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen – dazu zählen natürlich auch die Studierenden – strukturierte und verlässliche Informationen zu Musical-Aufführungen im deutschsprachigen Raum seit 1945. Aber auch für Musical-Fans kann das Lexikon sehr interessant sein, genauso für Akteure und Akteurinnen aus der Theaterbranche. Da das Lexikon an der Universität angesiedelt ist, sind die Inhalte wissenschaftlich präzise dargestellt. Wir wollen die Enzyklopädie aber insgesamt für verschiedene Interessenten und Interessentinnen ansprechend gestalten.

"Gerade bei jungen Menschen bildet sich heutzutage auch eine neue Form der Rezeption ab"

Woher kommt diese Begeisterung der Menschen für Musicals?

Fischer: In den 1980er Jahren gab es in Deutschland einen Musical-Boom. Zahlreiche internationale Erfolge wie beispielsweise Cats lösten große Begeisterung bei den Menschen aus. Die traditionelle Operette war zu dieser Zeit bereits zu "altmodisch" für große Teile des Publikums, während sich das Musical moderner in Inhalt und Inszenierung zeigte – von der Musik und den peppigen Arrangements ganz zu schweigen. Das Musical Star Light Express in Bochum gibt es zum Beispiel seit 1988 – kein anderes Stück der Theatergeschichte wurde über so eine lange Zeit ununterbrochen aufgeführt. Das zeigt die große Faszination, die von solchen Werken ausgeht. Gerade bei jungen Menschen bildet sich heutzutage auch eine neue Form der Rezeption ab, indem touristische Ziele mit Theaterbesuchen verknüpft werden: Bei einer Reise nach Hamburg beispielsweise wird oft auch ein Musical-Besuch eingeplant. Diese Show-Erlebnisse begeistern die Menschen nach wie vor.

Wie geht es weiter? Wird es in Zukunft ähnliche Projekte am ZPKM geben?

Fischer: Wir haben am ZPKM drei große Sammlungen, die wiederum drei Online-Projekten entsprechen, nämlich das historisch-kritische Liederlexikon, das Songlexikon und nun auch das Musicallexikon. Bisher stehen also erst einmal keine neuen Online-Projekte an, wir werden an den bestehenden Sammlungen weiterarbeiten und sie ergänzen. Auch Digitalisierungsprojekte sind geplant. Das Musicallexikon versteht sich als work-in-progress, bisher haben wir circa 300 Musicals online erschlossen. Schätzungsweise gibt es allerdings insgesamt 1500 Stücke, die wir berücksichtigen wollen. Über Rückmeldungen und Informationen von Nutzern und Nutzerinnen unseres Angebots sind wir sehr dankbar.