Am Montag starten die Aktionstage gegen Sexismus und Homophobie an der Uni

Carolin Buchheim

Am Montagmittag wird vor dem Rektorat der Uni die Regenbogenfahne gehisst. Damit will die Uni zum Start der dritten "Aktionstage gegen Sexismus und Homophobie" ihre Solidarität mit schwulen, lesbischen, bisexuellen, transsexuellen, transgender, intersexuellen und queeren Menschen ausdrücken. Organisiert werden die Aktionstage vom SchwuLesBi-Referat des u-asta. Welches Programm das Referat organisiert hat, und warum die Uni "All Gender Bathrooms" braucht, erklärt die stellvertretende Referentin Annika Spahn:



Wie erleben Studierende in Freiburg Sexismus und Homophobie an der Uni? Man könnte ja annehmen, dass die Uni ein aufgeklärter Ort ist, an dem beides nicht vorkommt.


Annika Spahn:
Das könnte man tatsächlich. Wir erleben immer wieder, dass Menschen davon ausgehen, dass Sexismus und Homophobie an der Uni kein Problem sind.

In der Realität sieht das leider oft anders aus: Diskriminierung reicht von unüberlegten Äußerungen von Profs und Studierenden wie "Schwuchtel" als Schimpfwort, über Hassmails und Briefe, die aber glücklicherweise nicht die Regel sind, aber auch strukturelle Benachteiligungen. Hier scheint oft die Sensibilität für diese Themen auf der Strecke zu bleiben.

Allerdings fallen hier generelle Äußerungen schwer, weil für Freiburg keine expliziten Daten vorliegen, beispielsweise über Abbrecherquoten von queeren Studierenden.

Eine Fahne hängen ist ein guter Anfang. Welche konkreten Schritte könnte die Uni unternehmen, damit sich dort Menschen aller Geschlechter und Orientierungen wohl fühlen?

Wir haben im vergangenen Semester ein Forderungspapier erstellt, das wir dem Rektorat übergeben haben. Darin ging es unter anderem auch um All Gender Bathrooms - Toiletten, die für Menschen aller Geschlechter sind. Wir haben gerade angefangen, uns mit der Stabststelle Gender und Diversity des Rektorats zu vernetzen, um zu gucken, ob wir die vielleicht verwirklichen können. Das wäre wichtig, damit auch Menschen, die sich nicht als Mann oder Frau definieren, auch Toiletten haben. Binäre Toiletten sind außerdem Orte transphober Gewalt - weil  Transfrauen zum Beispiel auf Damenklos unerwünscht sein können.

Davon abgesehen geht es uns vor allem um Sichtbarkeit in Lehre und Forschung und Sensibilität gegenüber den Bedürfnissen der unterschiedlichen Studierenden. Homo-, Bi-, Inter- und Transsexualittät sollten an der Uni sichtbar sein, und zwar nicht nur im Sinne von "das gibt's auch", sondern  zum Beispiel auch als Thema von Seminaren und Veranstaltungen. Außerdem fordern wir ein ganz striktes Diskrimierungsverbot, und das Schaffen einer Stelle, bei der man sich beschweren kann, wenn man diskriminiert worden ist. Es erscheint uns auch sinnvoll, für Menschen, die psychologische Beratung anbieten, Fortbildungen anzubieten, damit sie queere Studierende besser beraten und sinnvoll an andere Stellen verweisen können.

Wir sind aber immer am Sammeln, die Ideen gehen uns so schnell nicht aus!

Welche Veranstaltungen sind für die Aktionstage geplant?

Wir machen eine große Flyeraktion, für die wir 20 verschiedene Flyer gestaltet haben, auf denen jemals ein Begriff erklärt wird. Das sind Worte, die man schon mal gehört hat, die man aber vielleicht noch nie erklärt bekommen hat. Transsexualität zum Beispiel, oder Homophobie. Wir erklären die Begriffe, und gegebenenfalls auch, warum man sie lieber nicht verwenden sollte.

Am Montag, Mittwoch und Donnerstag zeigen wir in der Mensa Rempartstraße die Ausstellung "Ach so ist das?!" der Zeichnerin Schradi. Sie sammelt Erlebnisse aus dem Leben von LGBTI-Menschen und macht daraus Comics. Das sind ganz unterschiedliche Geschichten, teilweise Diskriminierungserfahrungen, teilweise Lebensgeschichten. Das ist ein bisschen leichtere Lektüre, und es ist schön, das zu diesem Thema  auch mal zu sehen.

Am Mittwoch um 20 Uhr zeigen wir im Audimax den Film "Cüruk - The Pink Report", das ist eine Dokumentation der Filmemacherin Ulrike Böhnisch über schwule Wehrdienstverweigerer in der Türkei. Homosexualität ist einer der wenigen Gründe, wegen denen man in der Türkei den Wehrdienst verweigern kann. Um das nachzuweisen, muss man allerdings erniedrigende Untersuchungen über sich ergehen lassen oder Fotos einsenden, die einem beim Geschlechtsverkehr zeigen. Und wenn man sich geoutet hat, dann hat man in der Türkei zudem noch ein soziales Problem. Der Film thematisiert genau das - und auch homophobe Gewalt. Er läuft am Mittwoch um 20 Uhr im Audimax.

Am Donnerstag, 7. November,  gibt es dann noch einen Workshop mit dem Kunstwissenschaftler Dr. Josch Hoenes von der Uni Oldenburg. Das Thema ist queere Männlichkeit in der Kunst. Es wird dabei erstmal Input geben über Künstler, die ihn inspirieren, dann wird aber auch selbst gebastelt. Da ist es super, wenn man selbst Material mitbringt, Lieblingsstifte oder Bilder, die man mag.

Aktionstage gegen Sexismus und Homophobie

Die Aktionstage gegen Sexismus und Homophobie finden in diesem Jahr zum dritten Mal an der Uni Freiburg statt. 2007 rief der "Freie Zusammenschluß von Studentinnenschaften" (FZS) erstmals zu den Aktionstagen auf, sie finden als dezentrale Kampagne an verschiedenen Hochschulorten gleichzeitig statt; 2013 unter anderem an den Universitäten Göttingen, Regensburg, Würzburg und der Viadrina in Frankfurt/Oder.

SchwuLesBi-Referat

Das Referat für Schwule, Lesben, Bisexuelle und andere Menschen (SchwuLesBi) des u-asta engagiert sich für die Belange queerer Studierender. "Wir sind offen für jeden und alles - sogar für Hetero-Menschen", sagt die stellvertretende Referentin Annika. "Man darf zu uns kommen, wenn man Probleme hat, wenn man queere Veranstaltungen verwirklichen will oder wenn man einfach nur Gesellschaft will."

Das Referat trifft sich jeden Montag um 20 Uhr in der Rosa Hilfe, Adlerstraße 12.  Bei den Treffen werden nicht nur die diversen Informationsveranstaltungen und die Pink Partys geplant: "Nach der Arbeit ist immer noch Zeit zum gemütlichen Zusammensitzen."

Çürük - The Pink Report - Official Trailer

Quelle: YouTube




Mehr dazu:

Was: Eröffnung "Gesellschaft - Macht - Geschlecht: Aktionstage gegen Sexismus und Homophobie" mit Hissung der Regenbogenfahne und Sektempfang
Wann: Montag, 4. November 2013, 14 Uhr
Wo: Rektoratsgebäude, Fahnenbergplatz

Was: Ausstellung "Ach so ist das?!"
Wann: Montag, 4., Dienstag, 5. und Donnerstag, 7. November 2013
Wo: Mensa Rempartstraße

Was: Film: "Çürük - The Pink Report"
Wann: Mittwoch, 6. November 2013, 20 Uhr
Wo: Audimax

Was: Workshop „Trans* – Queer – Männlichkeiten. Praktiken Queeren Sehens“ von Dr. Josch Hoenes
Wann: Donnerstag, 7. November, 20 Uhr
Wo: KG I, HS 1221
Aufgepasst: "Wenn ihr Stifte oder Farben habt, mit denen ihr besonders gerne malt, zeichnet, kritzelt und experimentiert – bringt sie gerne mit! Gerne könnt ihr auch Lieblingsbilder von Euch mitbringen."     [Symbolbild: © luzitanija - Fotolia.com]

Foto-Galerie: Zwei Motive der Flyer-Aktion

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.