Indierock

Am Freitag spielt die Hamburger Band Abramowicz im Räng Teng Teng

Christian Braun

Feinster Indierock aus der Hafenstadt: Die Hamburger Band Abramowicz ist am Freitag im Räng Teng Teng zu Gast. Im Gepäck haben die fünf Musiker eingängigen Rock mit Einflüssen aus Indie und Punk, der die Geschichten der Hafenstadt erzählt.

Im Herzen sind sie Kinder der amerikanischen Rocktradition, die ins falsche Musikzeitalter hineingeboren sind: Die Hamburger Band Abramowicz macht melodischen Indierock, der die Geschichten einer Großstadt am Hafen erzählt und seine Ursprünge im Punkrock hat. Seit 2010 steht Frontman und Sänger Sören Warkentin mit seinen Bandkollegen Nils Warkentin, Sascha Blohm, Niki Loew und Finn Grunewald als Abramowicz auf der Bühne.

Den Bandnamen hat sich ein Freund der Brüder Nils und Sören Warkentin ausgedacht, als die beiden in ihrer Stammkneipe die Band gegründet haben.

Wegen seiner komplizierten Schreibweise wird der Name der Band aber ständig falsch geschrieben. "Wir haben wahrscheinlich nie damit gerechnet, dass jemand unsere Mucke hören möchte, also mussten wir uns auch nicht viele Gedanken darüber machen, ob sich jemand den Namen und die Schreibweise länger als zwei Stunden merken kann", erklärt Sören. Ob richtige Schreibweise oder nicht - ein ausgefallener Name ist für die Band auch eher Nebensache, vielmehr geht es den Hamburgern darum, was sie inhaltlich mit ihrer Musik ausdrücken.
"Wir sind alle riesen Fans von Bruce Springsteen" Sören Warkentin

Und das ist eine ganz Menge: Die Hamburger schreiben all ihre Songs selbst und profitieren dabei von den unterschiedlichen musikalischen Einflüssen der einzelnen Bandmitglieder, die privat ganz verschiedene Musikrichtungen hören. In einem Punkt sind sie sich aber einig: "Wir sind alle riesen Fans von Bruce Springsteen", schwärmt Sören. "Ich bin der Meinung, dass es keine Band gab und vielleicht auch nicht mehr geben wird, die auf der Bühne so eine Power entwickelt hat wie Springsteens E Street Band in den Siebziger und Achtziger Jahren", sagt er.

Die Springsteen-Faszination lässt sich auch in der Musik von Abramowicz wiederfinden. Dafür gibt es auch Anerkennung aus der Musikwelt: Jörkk Mechenbier, der Frontman der Band "Love A" lobt die Band für ihren unverwechselbaren Boss-Flair: Auf der Bühne erinnere die Band an den "Oberboss" Springsteen, was nicht nur an der charakteristisch rauchigen Stimme von Frontsänger Sören sondern auch an ihrer einnehmenden Bühnenpräsenz liege, wie Mechenbier auf der Homepage von Abramowicz schreibt.

Geschichten aus dem alltäglichen Leben

Die Inspiration für ihre Musik findet die Band dabei nicht nur bei den Größen des amerikanischen Rock der Achtziger, sondern fast überall. "Man muss sich nur die Mühe geben genauer hinzuschauen", erklärt Sören. Und auch was die Texte ihrer Songs angeht, ist die Formel denkbar einfach: Die Band erzählt in ihren Liedern weniger abstrakte und abgehobene Problematiken, sondern vielmehr Geschichten aus dem alltäglichen Leben, die die Hörerinnen und Hörer nachempfinden können, ohne sie selbst erlebt zu haben – darin liegt für Sören die Kraft eines guten Textes.



Nach zwei veröffentlichten EPs ist "The Modern Times" das erste Album der Band. Die im April 2019 veröffentlichte Platte erzählt Alltagsgeschichten vom Leben und Lieben, von Veränderungen, Erinnerung und dem kopflosen Vergessen. Gleichzeitig gelingt der Band, dass jeder Song seine ganz eigene Dynamik entfalten kann, ohne aus dem großen Ensemble des Albums herauszufallen. Musikalisch trifft hier einer eher rauer Sound auf eingängige Melodien und lässt dabei auch immer wieder die Punkrock-Roots der Band durchschimmern. Der Titel "The Modern Times" geht auf eine Songzeile in dem Lied "Wild Rover" zurück, wo es heißt: "Welcome to the Modern Times –Are you happy, are you satisfied?".

Alles kann sich wiederholen

Was sich auf den ersten Blick nach einem nostalgischen Blick in die Vergangenheit anhört, ist vielmehr die Beobachtung, dass sich alles wiederholen kann: "Uns geht es nicht darum, dass früher alles besser war, sondern darum, dass das Rad sich dreht", erzählt Sören. Und wie es sich dreht, zeigt schon das Albumcover. Dort ist ein weinendes Mädchen vor einem Radio aus den Achtzigerjahren zu sehen – ein altes Foto aus dem Familienalbum von Gitarrist Sascha, das seine Schwester zeigt. Als Albumcover der aktuellen Platte bekommt das alte Bild plötzlich wieder eine neue Geschichte in der Gegenwart – diese Ambivalenz hat die Band fasziniert.

Wer wissen will, wie sich das Album live anhört und welche Geschichten die Platte noch so erzählt, der sollte am Freitag unbedingt im Räng vorbeischauen.
Was: Abramowicz - Welcome to the Modern Times Tour 2019
Wann: Freitag, der 13. Dezember 19 Uhr
Wo: The Great Räng Teng Teng
Tickets: 10.80 Euro

Facebook: Abramowicz in Freiburg