Interview

Am Freiburger Montessori-Schulhaus gibt’ bald auch das Abitur

Stephanie Streif

Lehrerin Kerstin Wenning hat sich mit Erfolg für die Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe stark gemacht. Im BZ-Interview stellt sie das Konzert vor.

Bislang konnten Schülerinnen und Schüler das Evangelische Montessori-Schulhaus in Freiburg nur bis zur 10. Klasse besuchen. Ab nächstem Schuljahr wird es dort auch eine Oberstufe geben, die nach drei Jahren Abitur macht. Eine, die sich für die gymnasiale Oberstufe an ihrer Schule eingesetzt hat, ist Lehrerin Kerstin Wenning. Stephanie Streif hat sie interviewt.

BZ: Warum gibt es erst zehn Jahre nach Gründung des Montessori-Schulhauses Freiburg die gymnasiale Oberstufe?
Wenning: Anfangs war das Schulhaus eine Realschule. Erst vor sechs Jahren wurde daraus eine Gemeinschaftsschule, für deren Gründerinnen und Gründer die gymnasiale Oberstufe allerdings von Anfang an Teil eines Gesamtkonzeptes war. Das Abitur vervollständigt die pädagogische Vision der Gemeinschaftsschule, schließlich will sie individuelle Bildungswege ermöglichen, sie sollte darum alle Abschlüsse anbieten. Unsere ältesten Gemeinschaftsschüler sind jetzt in der zehnten Klasse. Ihnen wollten wir jetzt die Möglichkeit bieten, ihr Abitur auch an ihrer Schule zu machen.
Info:

Am Mittwoch, 10. Februar, ab 20 Uhr findet ein Infoabend zur gymnasialen Oberstufe statt. Anmeldung per Mail an: GymOS@em-schule.de

BZ: Haben Sie ausreichend Platz?
Wenning: Wir werden neue Räume brauchen. Gestartet wird mit hübschen Holzpavillons, die hinter der Schule auf das Gelände gestellt werden. Damit gewinnen wir zunächst zwei neue Räume, die wir in der Übergangsphase nutzen werden. Es ist aber ein Anbau geplant, der sich an das Schulhaus anschließen soll und den nötigen Platz für die Oberstufenschülerinnen und -schüler bieten wird. Uns ist es wichtig, dass der Geist der Gemeinschaftsschule sich auch in ihrem Gebäude ausdrückt. Wir sind ein Schulhaus, in dem alle gemeinsam lernen.
BZ: Wird in einer Montessori-Schule anders Abi gemacht?
Wenning: Unser großes Ziel ist es, die Gesamtpersönlichkeit zu fördern und dazu beizutragen, dass unsere Lernenden die Schule als mündige Bürger verlassen. Deshalb legen wir großen Wert auf individualisiertes und selbstverantwortliches Lernen. Diesem pädagogischen Konzept wird auch unsere dreijährige gymnasiale Oberstufe folgen. Natürlich sind wir auch an ein Rahmencurriculum und an formelle Abitursverordnungen gebunden. Heißt: Auch bei uns wird es ein Kurssystem geben, innerhalb dessen abiturrelevante Leistungen erbracht werden. Die Oberstufenreform kam uns zupass, denn sie ist nicht mehr so eng gefasst und ermöglicht individuellere Bildungswege.
Kerstin Wenning (33)

ist seit 2015 Lehrerin am Evangelischen Montessori-Schulhaus in Freiburg.