Interview

Am Donnerstag spielt die Astro-Band Nova im Planetarium

David Pister

Das Trio Nova hat sich der musikalischen Umsetzung von Weltall, Raum, Zeit und Science-Fiction verschrieben. Die Obervatory Tour startet kommenden Donnerstag im Freiburger Planetarium. Ein Interview mit Bandleader Christian Zatta.

Christian, eure Observatory Tour findet ausschließlich in Planetarien statt. Wie seid ihr auf diesen ungewöhnlichen Veranstaltungsort gekommen?

Christian Zatta: Unsere Musik ist von Astronomie und Science-Fiction inspiriert. Als wir 2019 in Russland auf großer Tour waren, haben wir uns Gedanken gemacht und uns gefragt: Wie präsentieren wir unsere Musik in den nächsten Jahren? Wir sind auf die Idee gekommen, unsere Musik an die Orte zu bringen, an denen sich die Leute treffen, die sich mit uns diese Leidenschaft teilen. In der Schweiz, in Österreich und Süddeutschland haben wir vor allem in Sternwarten gespielt. Aber auch in einem Planetarium. Unsere Visuals, die die Musik illustrieren sollen, sahen großartig aus auf der 360-Grad-Projektionsfläche. Das war eine super Art, auch der Wissenschaftsvermittlung. Wir konnten Menschen für Astronomie begeistern, die von sich aus kein Interesse für diese Thematik hatten.

Wie würdest du eure Musik beschreiben?

Das ist eine Frage, die immer aufkommt und sehr schwer zu beantworten ist. Unsere Musik ist eine Mischung aus Jazz und Progressive Rock. Improvisationen sind ein großer Bestandteil unserer Musik. Also eine sehr jazzige Attitude, obwohl die Ästhetik keinen typischen Jazz darstellt. Wir verwenden Klangeffekte, wie Reverb und Delays, die moderner sind. Unser Sound ist nicht so dry und direkt, wie man aus traditionellem Jazz kennt.

"Lustigerweise war die Musik von Wolfgang Amadeus Mozart ein großer Einfluss für das neue Album."

Seit wann spielt ihr zusammen und wie habt ihr euch kennengelernt?

Das Trio existiert seit 2018. Als Nova haben wir 2018 das erste Album aufgenommen. 2020 haben wir unser neues Album aufgenommen und spielen jetzt die verspätete Album-Tour. Grundsätzlich kennen wir uns alle direkt oder indirekt von der Hochschule in Luzern. Wir haben alle dort studiert.
Zur Person:
Christian Zatta ist in Lugano aufgewachsen und lebt inzwischen in Zürich. Der 28-Jährige ist Gitarrist und Komponist der Band NOVA. Am 18. November wird NOVA im Planetarium Freiburg ein Konzert performen. Auf die 360° Kuppel werden Visuals projiziert, die die Geschichten der Musik illustrieren sollen und ein einzigartiges Erlebnis versprechen.

Was sind deine musikalischen Einflüsse?

Oh, das sind sehr viele. Ich bin Fan von Tigran Manasian, ein Pianist aus Armenien, der eigentlich mit einem Schweizer Schlagzeuger zusammenspielt. Von dem US-amerikanischen Saxophonisten Ben Wendel bin ich auch begeistert. Ich höre außerdem sehr viel klassische Musik. Lustigerweise war die Musik von Wolfgang Amadeus Mozart ein großer Einfluss für das neue Album, da ich mich intensiv mit Melodien beschäftigt habe. Im Bereich Melodien gibt es keinen Besseren als ihn. Ansonsten prägen mich die Hauptfiguren der Jazzgeschichte, wie Charlie Parker, Chick Corea oder Keith Jarrett. Das sind alles Inspirationsquellen. Ich könnte noch viel mehr aufzählen, aber ich glaube das reicht.
Info: Visuals sind alle visuellen Informationen, die übermittelt werden – also Bilder, Videos oder Animationen. Bei vielen Bands spielen Visuals eher eine untergeordnete Rolle, bei Nova sind sie Teil des Konzepts.

Du spielst E-Gitarre bei Nova– welche Aufgaben übernimmst du außerdem?

Ich bin der Komponist. Ich komme mit Ideen zur Band und dann entwickeln wir diese Ideen weiter. Wieder zu Hause entwerfe ich neue Ideen, Demos oder Sheets, an denen wir wieder zusammenarbeiten. Der Prozess des Arrangierens geschieht hinterher als gemeinsame Arbeit.

"Science-Fiction war schon immer ein großer Teil meines Lebens."

Woher kommt das Interesse an den Themen Astronomie und Science-Fiction?

Science-Fiction war schon immer ein großer Teil meines Lebens. Ich bin mit Star-Trek aufgewachsen. Mein Vater war auch schon Star-Trek-Fan. Ich habe alle Episoden hundertmal gesehen. Vor einigen Jahren habe ich angefangen, einige der historischen Science-Fiction-Geschichten von Isaac Asimov oder Daniel Keyes zu lesen. Diese Geschichten versuche ich mit der Band, in Musik zu übersetzen. Einige der Tracks sind Titel der Science-Fiction-Romane. Es gibt Lieder, die erzählen eine ganz konkrete Science-Fiction-Geschichte, andere dagegen sind von astronomischen Phänomenen inspiriert und transportieren eher eine Stimmung.

Warum sind die Visuals ein so großer Teil eurer Live-Performance?

Es war immer ein Traum von mir, in einer Band zu spielen, die mit Visuals performt. Die ersten Visuals für "The Intergalactic Traveller" waren noch nicht selbst entwickelt, sondern zusammengeschnitten aus Cartoons und Dokumentationen aus den 50er-Jahren, die kein Copyright hatte. Damals musste unser Bassist immer auf eine Taste drücken, um die Visuals für das nächste Lied zu starten. Für die kommende Tour wurden die Visuals mit Hilfe von einer externen Person extra für die Lieder des Albums entwickelt.

Worum geht es im neuen Album "Anatomy of Bliss"?

Es ist nicht, wie unser erstes Album ein Konzeptalbum, dennoch zieht sich ein roter Faden durch das Album. Es geht in jedem Lied um die Ambivalenz von Zufriedenheit. In dem Album gehen wir der genauen Bestimmung von "Bliss", also einer fast heiligen Wonne, auf den Grund. Diese völlige Zufriedenheit ist in der Realität unmöglich, sondern existiert nur in der Vorstellung oder der Erinnerung.

" Das Zusammenspielen genießen wir."

Was sind eure Ziele als Band?

Wir wollen ein viertes Bandmitglied finden. Eine Person, die mit uns auf die Tour geht und sich um die Visuals kümmert. Für diese Tour ist es einfach: Wir schicken die Visuals an die Planetarien und dort werden sie ausprobiert und später einfach abgespielt. Wenn wir aber auf herkömmlichen Bühnen unterwegs sind, müssen wir das ganze Equipment an Beamer, Leinwand und so weiter selbst mitnehmen. Einer von uns muss sich um den Aufbau kümmern, was den Soundcheck erschwert. In Zukunft sollen die Visuals noch weiter ausgebaut werden mit mehreren Projektionsflächen und einer interaktiven Live-Performance.

Am 18. November spielt ihr im Planetarium in Freiburg. Bist du schon aufgeregt?

Na sicher! Endlich können wir wieder mit Nova auftreten. Ich bin gespannt auf die neue Situation im Planetarium und ob alles mit den Visuals funktioniert. Da habe ich eher Angst, wenn es um die technische Fragen geht. Das Zusammenspielen genießen wir. Das funktioniert einfach (lacht).
Was: "The Observatory Tour" – Konzert von Nova
Wann: Donnerstag, 18. November 2021, 19.30 Uhr
Wo: Planetarium Freiburg, Bismarckallee 7G, 79098 Freiburg
Eintritt: 18 Euro, Ermäßigt 15 Euro