Alt gegen neu: Nneka im ZMF-Spiegelzelt

Manuel Lorenz & Dominic Rock

Eigentlich garantiert Nneka, nickende Köpfe, bouncende Körper, über dem Kopf befindliche Arme. Die alte Nneka. Denn es gibt eine neue, die gestern mit ihrem neuen Album ‚Soul is Heavy’ ins ZMF-Spiegelzelt kam. fudder-Redakteur Manuel hat alt und neu gegeneinander abgewogen.



Gestatten, die neue Nneka. Sie kommt auf die Bühne, als sei sie gerade aufgestanden: Schlabbershirt, Kapuzenpulli, Schlabberhose, Chucks. Ihre widerspenstigen Haare hat sie zu einem Dutt hochgesteckt. Unprätentiös, unglamourös – beinahe möchte man sagen: unmotiviert. Sie bleibt ganz bei sich, dort oben, auf der Bühne. Bei sich und ihren Problemen und Sorgen. Ihre Augen sind geschlossen. Einmal verkriecht sie sich sogar, sitzt wie ein Häufchen Elend in der Ecke und weint. „I want to encourage you, to support you, to motivate you, with love.“ Dann setzt die Band ein und begleitet Nneka zum Popsong ‚Shining Star’.

Die neue Nneka ist nämlich vor allem auch poppiger, charttauglicher. Die Zuschauer unterhalten sich, gehen sich ein Bier holen, gähnen. Vielleicht muss es draußen aber auch erst richtig dunkel werden, damit drinnen Stimmung aufkommt. Die neue Nneka lässt ihre Band auch erst bei der Zugabe zeigen, was sie wirklich drauf hat. ‚Focus’ gerät zur super extended Jam-Session samt Rapper, der anscheinend nur für diesen Song in den Tourbus gestiegen ist. Nett, aber eigentlich überflüssig, hatte Nneka doch schon zuvor bewiesen, dass sie selbst eine formidable Rapperin ist – im energiegeladenen Titelsong ihres neuen Albums ‚Soul is Heavy’.

Zwischendurch taucht immer wieder die alte Nneka auf. Sie insistiert, mahnt, klagt, predigt. Sie übt mit dem Publikum einen Teil des Mitsing-Songs ‚V.I.P.’ ein, in dem sie die Korruption und den Machtmissbrauch in ihrem Heimatland Nigeria thematisiert. In Kassel war das Publikum nicht im Takt – „out of the centre“. ‚Centre’ spricht sie ‚senta’ aus, mit jenem charmanten Nneka-Akzent, der sie so sympathisch macht. Der Song: kraftvoller Afrobeat. Das Publikum: zum ersten Mal entfesselt.

Nneka nutzt die Welle und surft weiter nach Jamaika. Zu ‚Africans’ bounced das Spiegelzelt, als wäre der Mundenhof Klein-Kingston. Reggae kann Nneka richtig gut. Sie schafft es sogar, ‚Sweet Dreams’ von Eurythmics und ‚Seven Nation Army’ von den White Stripes rot-gelb-grün anzumalen und den beiden Nummern siffige Dreadlocks zu verpassen. Kein Wunder, dass Damian Marley sie 2010 auf seine US-Tournee mitgenommen hat.

Auch die alten Nummern ‚Suffri’ und ‚Heartbeat’ zünden. Und so rettet die alte Nneka der neuen den Abend.

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Foto-Galerie: Dominic Rock

 
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