Dietenbach-Skatepark

Als Frau im Skatepark: Ein Selbstversuch

Lucia Bramert

Der Dietenbach-Skatepark ist einer der beliebtesten Skate-Spots in Freiburg. Mädchen und Frauen sieht man dort allerdings selten. Wie ist das so, als Frau im Skatepark unterwegs zu sein? Fudder-Autorin Lucia hat sich ihr Brett geschnappt und es ausprobiert.

Schon aus einiger Entfernung hört man das unmissverständliche Klacken, Quietschen und dumpfe Aufschlagen von Holz auf Asphalt. Es ist Freitagmittag gegen 13 Uhr, als ich mit meinem Fahrrad am Dietenbach-Skatepark ankomme. Ich bin etwas nervös – es ist das erste Mal, dass ich allein herkomme. Im Park ist weniger los als gedacht, was vermutlich an der Uhrzeit liegt, und ich bin erleichtert. Ich suche mir einen Platz am Rand, wo ich meinen Rucksack abstelle und erstmal einen großen Schluck Wasser trinke. Dabei lasse ich unauffällig meinen Blick schweifen.

Es zeigt sich ein vertrautes Bild: Menschen auf Skateboards, BMX-Fahrrädern, Scootern (früher hieß das noch City-Roller) und Inlinern rollen kreuz und quer durcheinander oder sitzen in kleinen Grüppchen an den Seiten zusammen. Es sind einige jüngere Kinder da und vereinzelt ältere Männer – man erkennt sie für gewöhnlich am Helm, der sonst so gar nicht in den lässigen Skater-Look der Jugendlichen und jungen Erwachsenen reinzupassen scheint. Sie alle vereint die Lust am Rollen, Springen, Austoben. Was mir bewusst wird, während ich mich so umschaue: Sie sind außerdem fast alle männlich. Als Frau bin ich in der Unterzahl. Eine Außenseiterin.

Schauen die zu mir rüber?

Ich lege die Flasche beiseite, ziehe mir Knie- und Handschoner an und rolle los. Ein paar Runden drehe ich auf dem glatten Belag, genieße das gleitende, fließende Gefühl, das mich sehr an’s Wellenreiten erinnert, und die warmen Sonnenstrahlen auf der Haut.

Aber irgendwie fühle ich mich beobachtet. Schauen die zu mir rüber? Liegt das an den Schonern? An meiner Kleidung? Daran, dass ich nicht so gut bin? Oder schauen die, weil ich eine Frau bin?

Das Skateboarden ist lange kein Nischensport mehr und mitten in der Mainstream-Sportwelt angekommen. Letztes Jahr hätte es sogar erstmals Olympische Disziplin werden sollen. Dennoch bleibt der Frauenanteil gering, die Preisgelder für Frauen sind oftmals deutlich unter denen der Männer und Sponsorenverträge für Frauen viel seltener. Zudem gibt es viel weniger weibliche Vorbilder für Mädchen, die Lust auf Skaten haben. Frauen sind in der Skatekultur wenig sichtbar. Wenn, dann nur, wenn sich gut mit ihnen werben lässt: als attraktive, stereotype "Skater-Girls".

Ein Lächeln macht mir Mut

Ich entdecke eine andere junge Frau, die selbstsicher im Park unterwegs ist. Unsere Blicke treffen sich und wir tauschen ein Lächeln aus. Das motiviert mich. Allmählich werde ich entspannter, vergesse die anderen um mich rum und traue mich, mehr Raum einzunehmen. Seit ein paar Monaten habe ich ein eigenes Board. Bisher war ich eher auf Parkplätzen und Seitenstraßen unterwegs, im Park bin ich Neuling. Aber es gefällt mir. Beim Üben des Drop-Ins – so nennt man das Einfahren von oben in eine Quarterpipe (eine kleine, nach innen gewölbte Rampe) – komme ich ins Gespräch mit zwei Jungs, die so wirken, als wären sie öfter hier. Sie geben mir Tipps, wie ich mein Gewicht verlagern soll und machen mir Mut. Als ich mich schließlich traue, wird mit den Boards geklopft – ein Zeichen von Anerkennung.

Jede und jeder fängt mal klein an. Um gut zu skaten, braucht man Ausdauer, Mut, Kreativität und eine hohe Frustrationstoleranz. Und andere Skater*innen, die motivieren, zu Neuem inspirieren und anspornen. Und das – das habe ich gerade selbst erlebt – findet man im Dietenbach-Skatepark, wenn man danach sucht.

Das Gefühl, anders zu sein, ist vor allem in mir

Als ich mich nach ein paar Stunden erschöpft wieder auf mein Rad schwinge und den Heimweg antrete, fühle ich mich gut und bin froh, hergekommen zu sein. Ich stelle fest: Dieses Gefühl von "anders sein", das ist vor allem in meinem Kopf. Am Ende ist es nämlich egal, welches Geschlecht man hat.

Dabei kann ich Anfängerinnen gut verstehen, die sich erstmal fehl am Platz fühlen. Im Skatepark dominieren die guten Skater und die sind eben vor allem männlich. Aber das sollte kein Grund sein, sich als Frau zu verstecken. Wenn Frauen im Park sichtbarer werden, dann ermutigt das andere, den Sport auszuprobieren. Skaten macht viel Spaß. Ich werde wiederkommen, so viel steht fest!

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