Interview

"Die Leute sagen immer: Adolf Seger im Freiburger Strandbad – das ist ein ungeschriebenes Gesetz"

Jens Kitzler

Seit Jahrzehnten verbringt der Ringer und Olympiamedaillengewinner Adolf Seger die Sommer braun gebrannt an der Tischtennisplatte im Strandbad – und in diesem Jahr?

BZ: Hallo, Herr Seger, am Mittwoch öffnen die Bäder, aber für Sie sieht es nicht gut aus: Einlass nur mit Reservierung via Internet, beschränkte Aufenthaltsdauer, Sicherheitsabstand – und sogar die Tischtennisplatten sind nur beschränkt nutzbar. Was machen Sie nun?

Seger: Einen schlechten Eindruck (lacht). Ja, ich muss jetzt rausfinden, wie das laufen soll. Die aus meiner Tischtennis-Gruppe haben mich schon alle angerufen und gesagt: "Dich kennen sie, du musst rausfinden, was sich machen lässt." Ich habe natürlich schon versucht anzurufen, aber – "April, April" im Juni – bis heute waren die Bäder ja gar nicht offen.
Adolf Seger, 1945 in Freiburg geboren, holte als Ringer 1972 und 1976 die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen und gewann mehrere Welt- und Europameisterschaften. Die Freiburger kennen ihn auch als Postboten und durch jahrzehntelanges soziales Engagement.

BZ: Was glauben Sie, wie sich Ihr Sommer und die Tischtennis-Saison noch retten lassen könnten?
Seger: Ich rufe sofort Bäder-Geschäftsführer Oliver Heintz an und lote aus, was machbar ist. Ob unser jährliches Benefiz-Tischtennisturnier stattfinden kann, auch wenn das schwierig wird. Und natürlich, ob unsere Tischtennisgruppe irgendwie bestehen bleiben kann. Vielleicht, indem wir einen Meldebogen abgeben, in dem steht, welche Leute dazugehören, und die dann beim Einlass ihren Ausweis zeigen … ich weiß es auch nicht.

BZ: Ihr Ziel ist es aber nach wie vor, jeden Tag da zu sein und Tischtennis zu spielen?
Seger: Wenn es schön warm ist, ja. Das ist immer mein Platz gewesen. Die Leute sagen immer "Adolf Seger im Strandbad, das ist ein ungeschriebenes Gesetz." Schon die anderen Sportgruppen, bei denen ich mitmache, sind ja wegen Corona vier, fünf Wochen ausgefallen, das war wirklich grausig für mich. Ich muss jeden Tag Sport machen. Ich kann nicht nichts machen.