Lieblingslektüre

Acht Bücher, die wir mit in die Ferien nehmen wollen

fudder-Redaktion

Was lest ihr gerade? Kennt ihr ein gutes Buch? Der Sommer naht und wir alle sehnen uns nach einer spannenden Lektüre, in der wir stundenlang versinken können. Die fudder-Redaktion hat garantiert den richtigen Lesestoff für euch!



Anika Maldacker empfiehlt "Kim Jiyoung, geboren 1982" von Cho Nam-Joo

Von einem Tag auf den anderen tickt Kim Jiyoung aus Seoul nicht mehr richtig: Sie spricht plötzlich in der Rolle ihrer Mutter zu ihrem Ehemann, gar den Schwiegereltern. Ihr Psychiater rollt die Gründe auf – und dabei tritt der Lebenslauf einer gewöhnlichen, 1982 geborenen Frau aus Südkorea zutage. Kim Jiyoung ist ein Mädchen, dessen jüngerer Bruder immer etwas mehr Vorzüge als sie und ihre Schwester bekam. Oder dessen Vater zuerst bei ihr die Schuld sucht, als sie von einem Unbekannten belästigt wird. Sie ist die Uni-Absolventin, die trotz Fleiß und tadellosem Lebenslauf viel schwieriger einen Job findet, als ihre männlichen Kommilitonen. Und sie ist die junge Ehefrau, die sich schweren Herzens dafür entscheidet, für die Kinderbetreuung den Job aufzugeben. Der Roman ist mit mehr als zwei Millionen verkaufter Exemplare ein weltweiter Überraschungserfolg geworden. In Südkorea hat er sogar Proteste ausgelöst. Das Leben, das Cho Nam-Joo beschreibt, ist nicht außergewöhnlich. Aber selten hat jemand so nüchtern und unverstellt erzählt, wie es ist, in einem westlichen Land, in einer scheinbar auf Gleichberechtigung bedachten Gesellschaft, eine Frau zu sein.
Cho Nam-Joo: Kim Jiyoung, geboren 1982. Kiepenheuer & Witsch, Februar 2021, 208 Seiten, 18 Euro, 14,99 (E-Book).



Florian Schmieder empfiehlt "Ein ganzes Leben" von Robert Seethaler

Robert Seethaler hat mit diesem Roman gezeigt, dass man ein ganzes Leben in all seinen Facetten berührend in unter 200 Seiten erzählen kann. Mit vier Jahren kommt Andreas Egger Anfang des 20. Jahrhunderts als Waise in das Bergdorf seiner Verwandten, das er mit Ausnahme des Zweiten Weltkriegs bis zu seinem Lebensende nicht mehr verlassen wird. Von seiner neuen Familie missachtet, wird er mehr und mehr zum Außenseiter. Und während sich die Welt um ihn herum wandelt und das Tal immer moderner wird, lebt Egger, wie der Autor ihn durchgehend nennt, sein einfaches Leben. Diese stoische Gelassenheit ist es auch, die beim Lesen das ein oder andere mal hadern lässt, warum Egger aufgrund einiger Schicksalsschläge nicht einmal an Wut oder Aufgabe denkt. Vielmehr scheint er danach zu handeln, Dingen, die er nicht ändern kann, auch nicht nachzutrauern. Dies vermittelt ein unfassbares Gefühl der Zufriedenheit und zeigt, wie dankbar man auch für solch ein pures, einfaches Leben sein kann.
Robert Seethaler: Ein ganzes Leben. Goldmann Verlag, Januar 2016, 192 Seiten, 11 Euro (Taschenbuch)



Gina Kutkat empfiehlt "Das achte Leben (Für Brilka)" von Nino Haratischwili

Zur Zeit sehnen wir uns doch alle: An den Strand, auf den Berg oder in den Liegestuhl. Dort, ganz weit weg von Corona-Zahlen und Delta-Varianten möchte ich ein Buch lesen, in dem ich versinken kann. Dafür gibt es keinen besseren Kandidaten als "Das achte Leben". Nino Haratischwili hat am Beispiel von sechs Generationen außergewöhnlicher Frauen ein wuchtiges Familienepos geschaffen. Es gibt viele Dramen, Katastrophen, Wunder und Liebesgeschichten – und alles spielt in dem faszinierenden Georgien. Der Bogen spannt sich vom Georgien am Vorabend des Ersten Weltkriegs bis ins Deutschland zu Anfang des neuen Jahrtausends. Herzstück des Romans ist übrigens ein Schokoladenrezept, das so verlockend und bezaubernd geschrieben wird, dass man am liebsten selbst probieren möchte. Wie Wörter einen in den Bann ziehen können, dafür ist "Das achte Leben" das beste Beispiel.
Nino Haratischwili: Das achte Leben. Ullstein Taschenbuch, September 2017, 1280 Seiten, 18 Euro.



David Pister empfiehlt "Die einzige Geschichte" von Julian Barnes

Ein Roman, dessen Zeit, Ort und soziales Milieu unerheblich scheinen – zumindest für Paul. Der 19-Jährige verliebt sich in die fast dreißig Jahre ältere und zu allem Überfluss verheiratete Susan. Die Liebe zu ihr, geschildert und kommentiert aus der Perspektive des gealterten Protagonisten, ist Gegenstand der Geschichte. Allen gesellschaftlichen und moralischen Konventionen trotzend, scheint die Beziehung ein prototypisches Bild der romantischen Liebe widerzuspiegeln. Susan, die von ihrem Mann geschlagen wird, zieht mit Paul in ein kleines Haus. Alles könnte perfekt sein … doch nicht nur der Altersunterschied lässt die Liebenden auseinanderdriften. Der Erzähler entfernt sich Stück für Stück von sich selbst. Julian Barnes dekonstruiert die Idee der romantischen Liebe auf eine geschickte, anfangs sarkastisch anmutende Weise. Eine gefühlsvolle Bestandsaufnahme einer tragischen Liebesbeziehung. Am Ende hat man alle Höhen und Tiefen mitgefühlt und was bleibt, ist die Frage nach der eigenen, einzigen Geschichte.
Julian Barnes: Die einzige Geschichte. Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Roman. (Originalverlag: Kiepenheuer & Witsch), btb Verlag, München, 2020. 304 Seiten, 11 Euro (Taschenbuch).



Clara Müller empfiehlt "Becoming" von Michelle Obama

Michelle Obama ist weltbekannt, jeder weiß, wer sie ist. Doch sie hat noch viel mehr über sich zu erzählen. Die erste afro-amerikanische First Lady teilt in ihrer Autobiographie "Becoming" ihre Geschichte: Aufgewachsen in einfachen Verhältnissen in der South Side von Chicago geht sie anschließend ihren eigenen Weg, wird Anwältin, Mutter und First Lady. Unverblümt und authentisch schreibt sie über die kleinen und großen Momente in ihrem Leben. Über die Schwierigkeit, als schwarze Frau Fuß zu fassen, über ihren Weg zu einem Studium in Harvard, die Zerrissenheit zwischen Karriere und Familie und über ihre große Liebe Barack. Sie berichtet offen und ehrlich über die Zeit im Weißen Haus und gewährt Einblicke hinter die Kulissen.
"Becoming" ist die Lebensgeschichte einer starken Frau, die mit Einsatz, Mut und Entschlossenheit nie aufgehört hat zu "werden" und ihrer eigenen Stimme zu folgen. In ihrer Geschichte steckt für jeden und jede Inspiration!
Michelle Obama: Becoming. Aus dem Englischen übersetzt von Harriet Fricke, Tanja Handels, Elke Link, Andrea O’Brien, Jan Schönherr, Henriette Zeltner-Shane. Goldmann Verlag. November 2018. 544 Seiten. 26 Euro (gebundene Ausgabe), 18 Euro (Taschenbuch)



Maya Schulz empfiehlt "Flüchtig" von Hubert Achleitner

Der erste Roman des österreichischen "Alpenrock"-Musikers Hubert Achleitner, besser bekannt als Hubert von Goisern, liest sich genau wie sein Titel: "Flüchtig". Damit ist er perfekt geeignet für eine kurzweilige Sommerlektüre. In dieser Zeit spielt auch der Roman – im Sommer. Im Zentrum der Handlung stehen die 55-jährige Maria, verschwunden, und ihr Ehemann Herwig, auf der Suche nach ihr. Es scheint festzustehen, dass sich Maria offensichtlich aus freien Stücken davongemacht hat. Doch was hat sie dazu bewegt, nach fast dreißig Jahren Ehe die Flucht zu ergreifen und warum führt ihr Weg sie ausgerechnet nach Griechenland? Hubert Achleitner zeichnet seine Figuren wunderlich und durchaus eigenartig, doch ganz bestimmt nicht oberflächlich. In "Flüchtig" treffen sich Roadtrip-Romantik und grauer Alltag, es begegnen sich Personen, die unterschiedlicher kaum sein könnten, auf der emotionalen Suche nach sich selbst.
Hubert Achleitner: Flüchtig. Paul Zsolnay Verlag. Mai 2020. 304 Seiten. 23 Euro (Gebundene Ausgabe), 12 Euro (Taschenbuch).



Jennifer Fuchs empfiehlt "Das Café am Rande der Welt" von John Strelecky

Der Bestseller von dem Autor John Strelecky handelt von dem gestressten Werbemanager John, der zwar sehr gutes Geld verdient, aber wirklich glücklich ist er in seinem Leben nicht. Als er sich verfährt, landet er zufällig in einer ländlichen Gegend, wo es nur ein unscheinbares Café gibt. Er kehrt dort ein, ohne zu Wissen das dies seine Lebenseinstellung für immer verändern wird. Auf der Speisekarte wird er mit tiefgründigen Fragen nach dem Sinn seines Lebens konfrontiert. John kommt ins Grübeln. Dabei entstehen philosophische Gespräche mit der Kellnerin Casey, dem Koch Mike und Anne, einer früheren Karrierefrau. "Das Café am Rande der Welt" ist locker und lebendig geschrieben. Trotzdem hat die Geschichte einen philosophischen Ansatz, der unser Konsumverhalten und die Arbeitswelt in Frage stellt. Falls euch die Geschichte genau so packt wie mich, gibt es auch noch zwei Fortsetzungen: 2015 erschien das Buch " Wiedersehen im Café am Rande der Welt"; 2019 wurde "Auszeit im Café am Rande der Welt" veröffentlicht.
John Strelecky: Das Café am Rande der Welt. dtv. Februar 2007. 128 Seiten. 9 Euro (Taschenbuch).



Selma Leipold empfiehlt "Dämonentochter - Verbotener Kuss" von Jennifer Armentrout

In Jennifer Armentrouts Fantasybuch "Dämonentochter" treffen Kämpfe mit Dämonen, griechische Mythologie und eine hinreißende Liebesgeschichte aufeinander. Wem also bei reinen Fantasybüchern die Liebesgeschichte fehlt und andersherum ist bei diesem Werk an der richtigen Adresse! Hauptperson Alex lässt sich zum Kampf gegen Dämonen ausbilden, um den Tod ihrer Mutter zu rächen. Armentrout bringt einen mit ihrem Schreibstil immer wieder zum Lachen und fesselt einen stundenlang ans Buch. Ein absolutes Must-read!
Jennifer L. Armentrout: Dämonentochter - Verbotener Kuss. Penguin Random House. März 2014. 448 Seiten. 8,99 Euro (Taschenbuch).

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