Eröffnung

Abstands-App und virtuelles Anstehen: Alle Infos zum Start der Sommersaison im Europa-Park

Karl Kovacs & Klaus Fischer

Zwei Monate später als geplant startet der Europa-Park am Freitag in die Sommersaison in der Pandemie – mit Vorverkauf und einer Abstands-App. Wir erklären, was Besucher jetzt wissen müssen.

Bei einer Video-Pressekonferenz erklärte Park-Chef Roland Mack am Dienstag, was sich für den Park nach der Saisoneröffnung am Freitag, 29. Mai 2020, ändert. Die Hygiene- und Abstandsregeln werden von den Gesundheitsämtern überwacht. Eintrittskarten müssten, anders als sonst, vorab online reserviert werden. So könnten die Parks Besucherströme besser lenken. Außerdem werden in den Attraktionen Schutzmasken Pflicht sein.


Die Sicherheitsstandards
Die Besucher werden in dieser Saison den etwas anderen Park erleben, einen Park, der Hygiene- und Sicherheitsstandards unter dem Einfluss der Corona-Krise neu definiert, neu definieren muss. Im Eingangsbereich wird ein Video auf die Hygienevorschriften und Abstandsregeln aufmerksam machen. Außerdem werden die Besucher im Park an vielen Ecken und Enden Parkmitarbeitern mit Desinfektionsmitteln begegnen.

"Wir möchten mit unseren Gästen lernen, mit der Situation umzugehen." Roland Mack, Parkchef
"Die Gesundheit unserer Besucher hat für uns erste Priorität. Aber auch wir befinden uns in einer Lernphase, in der wir Erfahrungen machen müssen, wie wir mit unserem Produkt unter diesen Bedingungen umgehen müssen. Ich bin mir sicher, dass wir auch nachjustieren müssen", erklärte Parkchef Roland Mack. Wiewohl die Behörden dem Europa-Park die Freigabe gegeben hätten, auf seinem Gelände von der Größe von 133 Fußballfeldern etwa 30.000 Besucher zuzulassen, werde der Park in den ersten beiden Wochen nur maximal 10.000 Besuchern pro Tag mit Onlineticket Einlass gewähren. Mack: "Wir möchten mit unseren Gästen lernen, mit der Situation umzugehen."



Das Ticketing
Auch technisch bedeutet die Eröffnung eine Herausforderung. Weil nur eine begrenze Zahl an Gästen den Park pro Tag betreten darf, gibt es eine gravierende Neuerung bei den Tickets. Das Unternehmen setzt ein sogenanntes Online-Ticketing ein. Das heißt: Wer den Park besuchen möchte, muss sich vorab für den gewünschten Besuchstag ein Ticket reservieren. Erfahrungen damit haben die Verantwortlichen beim Badepark Rulantica gesammelt – dort funktioniert das Ticketing ausschließlich auf diesem Weg.

Die Abstands-App
Eine weitere Neuerung ist eine App (die BZ hat berichtet), mit der Besucher die Sicherheitsabstände einhalten sollen. Michael Mack: "Wir haben die Europa-Park-App um einen Distance Radar erweitert. Die Leute können auf spielerische Weise überprüfen, ob sie die Abstände während ihres Besuchs eingehalten haben." Fürs Einhalten der Abstände soll es kleine Belohnungen in Form von Fahrten ohne vorheriges Anstehen und andere Kleinigkeiten geben. Zur technischen Umsetzung sagt der Park noch nicht viel. Die Entwicklung sei noch nicht ganz abgeschlossen, heißt es auf Anfrage der BZ. Fest steht, wie es auf der Internetseite des Parks heißt, dass für die Applikation der sogenannte Bluetooth LE (Low Energy) Standard genutzt wird. Über die Signalstärke wird die Distanz zu anderen Smartphones gemessen. Jedes Smartphone, auf welchem die App installiert ist, sendet gleichzeitig und scannt die Umgebung nach anderen Geräten. Familien und Gruppen können die Handys koppeln und so zeigen, dass sie zusammengehören. Wer die Regeln nicht einhält, werde aber nicht bestraft oder gar aus dem Park geworfen. Die Benutzeroberfläche soll die Form eines Tachos haben. Darauf wird die Gesamtbewertung des Abstandhaltens in drei Gruppen eingeteilt. Rot bedeutet, der Nutzer hat den Tag über die Abstandsregeln deutlich missachtet, gelb steht für verbesserungswürdiges Verhalten, grün für vorbildliches Verhalten.

Über die App sollen sich Besucher außerdem über mögliche Kontakte zu infizierten Personen informieren können. Damit könne für die Behörden eine Zurückverfolgung der Infektionsketten ermöglicht werden. Ob diese Funktion umgesetzt wird, steht allerdings noch nicht fest. "Die dafür notwendigen technischen und datenschutzrechtlichen Voraussetzungen werden derzeit geprüft", schreibt der Park.

Das virtuelle Anstehen
Eine dritte technische Neuerung wird vor allem Besucher freuen, die nicht gern in langen Schlangen vor den Attraktionen anstehen wollen. Durch Virtual Queuing (virtuelles Anstehen), das ebenfalls über die Park-App laufen wird, sollen laut Michael Mack Gäste nach der Registrierung für ein Fahrgeschäft informiert werden, wenn sie demnächst an der Reihe sind. In der Zwischenzeit können sie sich die Zeit mit einem Bummel durch den Park vertreiben.

Die Entwicklungen, so Michael Mack, will das Unternehmen auch außerhalb des Europa-Parks vertreiben.

Das Krisenmanagement
Etwa zehn Millionen Euro Umsatzverlust habe der Europa-Park bereits in der ersten Woche des Corona-Lockdowns gemacht, als der Park Anfang März die ersten Großveranstaltungen absagen musste, erklärte Parkchef Roland Mack am Dienstagmorgen in der Livestream-Pressekonferenz in der Kulisse des griechischen Themenbereichs und unter strahlend blauem Himmel. Der Hintergrund bietet den Kontrast: Nur leere Boote der Poseidon-Attraktion ziehen einsam ihre Bahnen und nehmen ein Bad im Wellenkanal.

Eine Szene mit Symbolkraft: Während Unternehmerfamilie und Mitarbeiter noch an ihren Wunden lecken, wird zugleich auch Zuversicht demonstriert, Lust auf Urlaub und Emotionen geweckt. Unterdessen lässt Mack keine Zweifel zu, dass schwierige Zeiten hinter dem Unternehmen liegen. Da war zunächst die amtlich verordnete Schließung des gerade erst eröffneten Spaßbades Rulantica Mitte März. Ein Termin für eine Wiedereröffnung bleibt weiter ungewiss.

Dann kam die Kurzarbeit für mehr als 2000 dauerhaft Beschäftigte, für die der Park das Kurzarbeitergeld noch einmal um 20 Prozent des Gehalts aufstockt (Roland Mack: "Motivierte Mitarbeiter sind unser wichtigstes Kapital. In der von ihnen nicht verschuldeten Krise lassen wie sie nicht hängen."). Mit rund 100 Millionen Euro beziffert der Parkchef letztlich den Umsatzverlust bis zur Saisoneröffnung an diesem Freitag.

Auf den drohenden Millionenverlust habe der Park schon früh reagiert. Geplante Investitionen in Höhe von rund 40 Millionen seien ad hoc gestoppt worden. Von den Großprojekten seien nur die Attraktionen Piraten in Batavia und die Außenerweiterung von Rulantica weiter verfolgt worden. Als unternehmerisches Ziel gibt der Parkchef für das Corona-Jahr 2020 eine "schwarze Null" vor. Roland Mack: "Wir haben durch den späten Saisonstart schon zig Millionen Eigenkapital verbrannt. Das darf nicht so weitergehen." Und doch bleiben für den Park die Bedingungen schwierig vor dem Hintergrund einer Öffnung mit vielen Einschränkungen, "um die Gesundheit unserer Besucher und unserer Mitarbeiter zu schützen" (Roland Mack). Das drückt auf die täglichen Besucherzahlen.

Die Mitarbeitenden
Im Vollbetrieb arbeiten mehr als 4000 Mitarbeiter im Park. Nicht alle von ihnen werden zum Saisonstart an ihren Arbeitsplatz zurückkehren, erklärte Jürgen Mack, der Chef für Finanzen und Personal im Unternehmen. Für die vielen Saisonarbeitskräfte wird die Zeit der Arbeitslosigkeit noch andauern. Andere, insbesondere diejenigen, die in Kurzarbeit waren, werden ihre Arbeit wieder aufnehmen können, einige von ihnen in einer Art rollierendem System, "um möglichst viele Mitarbeiter wieder zurückzuholen" (Jürgen Mack). Von dieser "Rückholaktion" noch unberührt bleibt derweil ein Großteil der Mitarbeiter des Spaßbades. "Wir sind in ständigem Kontakt mit den Behörden und hoffen, dass wir auch für die Wiedereröffnung von Rulantica bald eine Lösung und einen Termin haben", sagte Jürgen Mack.

Dass derzeit auch nur etwa 60 der sonst 300 Künstler im Park am Wochenende die Besucher unterhalten, betont Thomas Mack. Zum Teil könnten sie aus ihren Heimatländern noch nicht einreisen, zum Teil werde es in den nächsten Wochen auch nicht die gewohnten Shows im Park geben.

Die Neuheiten
Für den Beginn der Sommerferien kündigt der Europa-Park die Wiedereröffnung von Batavia an. Die Attraktion war beim Großbrand vor zwei Jahren vollkommen zerstört worden. Die Geschichte, die die Gäste auf ihrer Fahrt erleben werden, sei zwar in weiten Teilen neu geschrieben worden, allerdings würden Kenner der alten Batavia viele Szenen und auch Figuren in der neuen Batavia wiederfinden oder wiedererkennen. So waren etwa sieben Piratenfiguren vor zwei Jahren den Flammen entkommen und werden in einem Survivor-Boot in einer neuen Szene eingebaut.

Vollkommen neu gestaltet präsentiere sich der Anstehbereich der Achterbahn Blue Fire, der sich inzwischen nicht mehr Gazprom-, sondern Nordstream-Halle nennt. Inzwischen hat der Europa-Park auch einen eigenen Radiosender. "Das Europa-Radio" hat sein gläsernes Studio im französischen Themenbereich. Noch im Aufbau ist eine neue Virtual-Reality-Attraktion mit dem Namen Yullbe, die neben dem Rulantica-Hotel Krønasår entstehen soll. Auch von einem neuen Restaurant war die Rede.