Abdallah Automobile (36)

David Weigend

Neulich sagte ein Kumpel ganz ohne Ironie, man solle doch mal ins Gewerbegebiet Hochdorf fahren, einfach nur, um ein wenig Basarluft zu schnuppern. An nebligen Tagen fühle man sich dort ans Los Angeles aus "Bladerunner" erinnert. Bei unserem Besuch war es eher sonnig.



Dereinst bedienten Arbeiter im Fortschrittwerk an der Bebelstraße Sägemaschinen, die unter schneidendem Lärm Bürotischplatten ausspuckten. Inzwischen ist die Fabrik geschlossen, die Produktion der Büromöbel geht in Brandenburg vonstatten. Natürlich ist das Gewerbegebiet Hochdorf immer noch eine Oase der working class. Im Imbiss "Zum Andi" stillen Brummifahrer ihren Hunger mit Schaschlik und Pils. Gesiezt wird hier keiner.



Ebensowenig auf dem Gelände von Abdallah Automobile. Hier geht es um zwei Dinge: Autos und Geld. Fouad Abdallah und seine 30 Kollegen, größtenteils aus dem Libanon, kaufen alte oder schrottreife Karren, reparieren und tunen sie, um sie dann wieder zu verkaufen. "Beziehungen zu deutschen Firmen und Privatanbietern", das sei sein Kapital, sagt Abdallah. Er spricht akzentfreies Deutsch, war früher Sportjournalist und hat das Lächeln von einem, der weiß, wie der Hase läuft.

An der Basarluft ist schon was dran. Auf einer Motorhaube zählt ein Kunde mit Motoröl an den Händen die 200er-Scheine ab.



Ein Mechaniker fragt mich zur Begrüßung, wieviel meine Kamera wert sei. Ich stelle die Gegenfrage: "Was für ein Auto fährst du?" Er macht eine ausufernde Armbewegung, die soviel heißen soll wie: "Alle, die hier rumstehen." Bevor ich fragen kann, wieviele das sind, kommt noch einer, der mich wieder nach der Kamera fragt.

Hätte Jörg Fauser einen Schauplatz seiner Romane nach Südbaden verlegt, wäre seine Wahl aufs Gewerbegebiet Hochdorf gefallen.