Neue Corona-Regeln

Ab Mittwoch gilt in Baden-Württemberg die Corona-Alarmstufe – was ändert sich?

Thomas Steiner, Konstantin Görlich & dpa

Die Zahl der auf baden-württembergischen Intensivstationen behandelten Covid-19-Patienten liegt auch am Dienstag über 390. Das hat Folgen, vor allem für Ungeimpfte.

Die Corona-Alarmstufe wird ausgerufen, wenn entweder in den Intensivbetten der Kliniken in Baden-Württemberg an zwei aufeinanderfolgenden Werktagen 390 oder mehr Covid-19-Patienten liegen oder wenn die sogenannte Hospitalisierungsinzidenz an fünf Werktagen in Folge den Wert von 12 erreicht oder überschreitet.

Am gestrigen Montag hatten 406 Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen des Landes gelegen. Am heutigen Dienstag sind es nun 424. Damit ist klar: Ab Mittwoch, 17. November, gilt die Corona-Alarmstufe in Baden-Württemberg.



Der Wert wird sich bis 16 Uhr, wenn das Landesgesundheitsamt beginnt, die Werte für seinen nachmittäglichen Bericht offiziell zu bestätigen, auch nicht mehr ändern – denn das Amt bezieht ihn aus dem täglichen Lagebericht des DIVI-Intensivregisters, der gegen 12.30 Uhr erscheint.

Die Regelungen der Alarmstufe werden erst wieder aufgehoben, wenn die Werte an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen unter den genannten Grenzen liegen. Dann gelten zunächst wieder die Regeln der Warnstufe.


Diese und weitere Datengrafiken zur Corona-Pandemie in Baden-Württemberg und aller Welt zeigen wir täglich aktuell im BZ-Dashboard.

Ungeimpfte dürfen nicht mehr in Freizeitparks, ins Kino oder zu Vereinsfeiern

Die Alarmstufe bringt vor allem weitere Einschränkungen für Menschen mit sich, die bisher nicht gegen Covid-19 geimpft sind. Ist dies nicht der Fall, so dürfen sich Ungeimpfte eines Haushalts privat nur noch mit einer einzigen weiteren ungeimpften Person treffen.

Bei öffentlichen Veranstaltungen wie Theater, Kino oder Vereinsfeiern gilt die 2G-Regel (Zutritt nur für Geimpfte und Genesene). Ungeimpfte sind damit generell ausgeschlossen. Dasselbe gilt für Freizeiteinrichtungen wie Freizeitparks oder Bäder, ebenso für Museen, Messen und Prostitutionsstätten.

In der bisher geltenden Warnstufe war hier jeweils der Zugang mit einem negativen PCR-Test noch möglich gewesen (3G-plus). In der Gastronomie gilt nun wie bei Sportstätten in geschlossenen Räumen 2G, im Freien 3G-plus. In Diskotheken, wo es besonders eng zugeht, gilt wie auch schon in der Warnstufe 2G.

Für Weihnachtsmärkte sieht die Corona-Verordnung in der Alarmstufe eine getrennte Regelung je nach den Ständen vor: Beim Zugang zu Ständen mit Warenverkauf gilt 3G, für Stände mit Lebensmitteln zum sofortigen Verzehr dagegen 2G.

Im Freizeit- und Amateursport gilt für Aktive: 2G für den Zutritt zu geschlossenen Räumen und 3G-plus für den Zutritt im Freien. Zuschauer sind auch im Freien nur nach der 2G-Regel zugelassen. In Hotels und anderen Beherbergungsbetrieben gilt nun die 3G-plus-Regel, der PCR-Test muss alle drei Tage wiederholt werden.

Ausnahmeregelungen

Ausgenommen von den Regeln sind aus medizinischen Gründen ungeimpfte Personen, Schwangere und Stillende sowie Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Sie müssen bei Zugangsbeschränkungen negative Antigen-Schnelltests oder einen Schülerausweis vorlegen.

Die Maskenpflicht wird in der Alarmstufe etwas verschärft: Schülerinnen und Schüler sind nun auch im Unterricht wieder zum Maskentragen verpflichtet. Die Regel des sogenannten Optionsmodells für Veranstaltungen, dass bei 2G die Zuschauer keine Maske tragen müssen, wurde bereits mit Warnstufe wieder aufgehoben. So müssen etwa die Zuschauer im Europa-Park-Stadion wieder Maske tragen. Auch die Servicekräfte in der Gastronomie müssen bereits seit der Warnstufe wieder Maske tragen.

Reichen die Regeln der Alarmstufe aus?

Wegen des rasanten Anstiegs der Corona-Zahlen und der Überlastung der Intensivstationen in den Kliniken denkt auch Baden-Württemberg über schärfere Gegenmaßnahmen nach. Auf die Frage, ob das Land womöglich Weihnachtsmärkte oder Großveranstaltungen wie Fußballspiele einschränken oder verbieten werde, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Montagabend der Deutschen Presse-Agentur: "Das müssen wir diese Woche besprechen." Der Koalitionspartner CDU dringt ebenfalls auf weitere Schritte und kritisiert die Corona-Politik der angehenden Ampel-Partner SPD, Grüne und FDP im Bund scharf.

Die Südwest-CDU forderte SPD, Grüne und FDP im Bund auf, die epidemische Lage von nationaler Tragweite auch über den 25. November hinaus aufrechtzuerhalten, "damit uns weiterhin das komplette Instrumentarium gegen die Covid-19-Pandemie zur Verfügung steht". Doch das schließen die designierten Ampel-Partner aus. Ausgangs- oder Reisebeschränkungen sowie generelle Schließungen von Schulen, Läden oder Gaststätten sollen nach dem Auslaufen der epidemischen Lage nicht mehr möglich sein. Die Länder sollen aber über Öffnungsklauseln auch künftig Kontakte beschränken und Freizeitveranstaltungen untersagen können.