"Ab jetzt spielen wir Champions-League!"

Aljoscha Harmsen

Uni-Rektor Wolfgang Jäger grinst von einem Ohr bis zum anderen: "Es ist geschafft, unsere Uni ist exzellent!" Für Jäger ist der Elite-Titel der Höhepunkt seines zwölfjährigen Rektorats. Und für die Universität eine lukrative Angelegenheit. Wer auf welche Weise von der Exzellenz profitieren soll, erklärt Aljoscha [mit Foto-Galerie von der fröhlichen Verkündung].



In der zweiten Runde der Exzellenzinitiative hat es also doch geklappt: In den kommenden fünf Jahren gibt es etwa 132 Millionen Euro Fördermittel für die Uni Freiburg. Außer Freiburg hat der Bewilligungsausschuss der Exzellenzinitiative in der zweiten Runde fünf weitere Hochschulen in die Eliteliga befördert: Die FU Berlin sowie die Universitäten aus  Aachen, Göttingen, Heidelberg und Konstanz. Sie bilden mit den drei Elite-Universitäten aus der ersten Runde der Exzellenzinitiative (TU München, LMU München, TH Karlrsruhe) die Elite der deutschen Hochschulen.

"Kein Grund, größenwahnsinnig zu werden", sagt der Rektor zu der Ernennung. "Denn dies ist erst der Anfang. Wir haben Konzepte, die umgesetzt werden müssen. Es ist entscheidend, wie die Bilanz der nächsten fünf Jahre ausfällt. Aber wir spielen jetzt in der Champions League!" Bei seiner knapp zehnminütigen Rede erntet Jäger viel Beifall. Zu hören ist Jäger, zu sehen nicht: Ein Kamerateam der ARD verstellt den meisten Zuschauern die Sicht auf den Redner.

Jäger denkt in großen Dimensionen. Während seiner Rede betont er mehrmals, dass die Uni Freiburg international in die Reihe der Top-Unis will, Kontakt zu Top-Wissenschaftlern aufbauen und Top-Nachwuchswissenschaftler ausbilden werde.



Nach seiner Rede schüttelt Oberbürgermeister Dieter Salomon (Foto rechts) dem Rektor (links) noch etwa eine Minute (!) lang die Hand, was Jäger veranlasst, das gute Verhältnis von Uni und Stadt nachträglich besonders zu loben. Überhaupt wurde heute viel gelobt: zum Beispiel die Mitarbeiter des Fraunhofer Instituts, des Max-Planck-Instituts und ganz besonders Michael Reth.

Reth ist Professor des Max-Planck-Instituts für Immunbiologie und für das Exzellenzcluster verantwortlich, der dieses Mal die Gutachter der Exzellenzinitiative überzeugt hat. Das Cluster war bei der ersten Runde der Grund, warum das Exzellenz-Kuchenstück an Freiburg vorbeigegangen ist.



"Zentrum für biologische Signalforschung" (bioss) heißt das Cluster. Hierbei werden die molekularen Grundlagen und Prinzipien biologischer Signalverarbeitung untersucht. Ein tieferer Einblick in diese Prozesse soll dazu beitragen, Krankheiten besser zu verstehen, die durch gestörte Signalwege hervorgerufen werden. Dieses Projekt gibt es laut Jäger in dieser Form nur in Freiburg.

Von den Fördermitteln, die der Elitetitel bringt, sollen viele profitieren: Es sollen unter anderem Forschungsfreiräume für die eigenen Wissenschaftler entstehen. Die Kommunikation zwischen den Disziplinen soll gefördert und eine internationale Lehr- und Forschungsgemeinschaft etabliert werden. Aber: "Wir müssen genauso in die Lehre, wie in die Forschung investieren", betont Jäger auf der Pressekonferenz.



Auf die Frage, was die Studenten davon haben, und wie die Mittel verteilt werden, gibt es wenig Handfestes. Der greifbarste Effekt für die Studenten wird sein, dass "wenn alles gut geht, es schon im Sommersemester 2008 neue Gastwissenschaftler gibt. Von denen wird die Lehre profitieren", sagt Karl-Reinhard Volz, Prorektor für Angelegenheiten der Studierenden und des Studiums.

"Wir bemühen uns, dass die Studierenden so viel wie möglich davon mitbekommen." Außerdem träume er davon, ein neues Hörsaalgebäude zu errichten, um der allgemeinen Raumknappheit der Uni entgegenzuwirken. "Außerdem werden sich für Studenten ganz andere Austauschmöglichkeiten mit internationalen Universitäten ergeben."

"Wie wir die zusätzlichen Mittel aufteilen, können wir noch nicht sagen. Da kann sich noch manches verschieben", antwortet Jäger auf die Frage nach der Verteilung der Gelder zwischen Lehre und Forschung. "Für die Lehre stehen vorrangig die Studiengebühren zur Verfügung. Diese müssen ersteinmal umgesetzt werden."

Die Frage, ob Doktoranden in Zukunft besser bezahlt werden, umgeht Jäger: "Die Rahmenbedingungen für deren Gehälter setzen nicht wir. Darum können wir darauf keinen Einfluss nehmen. Wir können aber mit den Förderungsmitteln durchaus mehr wissenschaftliche Hilfskräfte einstellen als vorher." Volz ergänzt: "Die beste Bezahlung für einen Doktoranden ist eine hochkarätige Doktorarbeit."



Zum Abschluss der Pressekonferenz wird Jäger noch ein wenig sentimental: "Ich merke, dass ganz Freiburg mit uns gezittert hat. Noch nie war die Uni so gut in ihr Umfeld eingebettet, und noch nie wurde die Bedeutung der Universität für die Stadt und für die Region so deutlich gesehen. Der Erfolg unserer Exzellenz-Ernennung wird von den Freiburgern wie ein Sieg des SC Freiburg gefeiert." 

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