Urlaub in der Stadt

9 Orte und Dinge in Freiburg, mit denen Du dich wie im spanischen Salamanca fühlst

Claudia Förster Ribet

Aktuell lockt es wohl nur wenige in den Urlaub nach Spanien. Deshalb muss man aber nicht auf spanisches Lebensgefühl verzichten. Hier kommt ein Salamanca-Freiburg-Vergleich, der Urlaubsgefühle auslöst.

Heimat der ältesten Universität Spaniens, Herz Kastiliens und Herberge des reinsten Spanisch der Welt: Außerhalb Spaniens ist Salamanca, gelegen auf halbem Wege zwischen Madrid und Portugal, kaum bekannt, obwohl sie als eine der schönsten und geschichtsreichsten Städte des Landes gilt. Bis man die Stadt aber wieder sorgenfrei besichtigen kann, dürfte es wohl noch ein bisschen dauern. In der Zwischenzeit lässt sich ein bisschen Salamanca-Flair auch in Freiburg schnuppern – unsere Autorin Claudia Förster Ribet, die seit einem Jahr in Salamanca lebt, verrät, wo und wie.

1. Sagen und Legenden

Sagen und Legenden

Ein Schatz, versteckt unter einer der hunderten steinernen Muscheln an der Fassade der Casa de las Conchas (deutsch: Haus der Muscheln). Ein Brunnen, in dem sich das Gesicht eines während einer Familienfehde geköpften Sohnes spiegelt. Und eine Höhle, in der der Teufel höchstpersönlich seine schwarze Magie an sieben Auserwählte weitergab – Salamanca ist voller sagenumwobener Orte und Mythen. Viele davon drehen sich um die Universität, die mit 800 Jahren zu den ältesten der Welt gehört. So soll jeder neue Student, der an der imposanten, kathedralenartigen Fassade der alten Universität die Ranita de la Suerte (deutsch: Glücksfröschlein) entdeckt, Glück und Erfolg im Studium haben.

Eine interessante Wendung der Geschichte, wo der sogenannte Glücksfrosch, mittlerweile Wahrzeichen der Stadt, doch eigentlich eine Kröte ist: Auf einem Totenkopf sitzend sollte die Kröte, Symbol für das Laster der Sexualität, die Studenten ursprünglich davor warnen, die vielen Prostituierten Salamancas zu besuchen – denn dann würden sie Geschlechtskrankheiten wie die Syphilis in den Tod treiben… Bei einer nächtlichen Legenden-Tour mit einem Charro, wie sich die Einheimischen nennen, erstrahlt die tagsüber so filigrane Schönheit Salamanca in einem ganz anderen, düsteren Licht.

Für eine Gänsehaut muss man aber nicht unbedingt in die spanische Meseta reisen, denn auch die Schwarzwaldhauptstadt hat an schaurigen Geschichten einiges zu bieten: In Freiburg findet man zum Beispiel am Martinstor Hinweise auf frühere Hexenjagden, und im Uniseum kann man sich anschauen, wie die Fehltritte früherer Studenten im Karzer ausgesessen werden mussten. Wer eine dicke Haut hat und tiefer in die Welt der Sagen und Legenden Freiburgs tauchen möchte, kann bei Historix eine der nächtlichen Gruseltouren buchen: Bei den Ghost-Walks führen einen kostümierte Schauspieler nachts durch die Stadt und erzählen einem an den Original-Schauplätzen von Gespenstern oder sogar von echten Fällen, die sich vor Jahrhunderten in Freiburg zugetragen haben. Ein guter Auftakt für Salamancas Stadtlegenden!

2. Magnet Markthalle

Magnet markthalle

Die Spanier wissen, wie man gut isst – und wie wichtig hochwertige Lebensmittel dafür sind. Zum Einmaleins der spanischen Küche gehört es deshalb, lokal und persönlich einkaufen zu gehen: Beim Gemüsehändler von nebenan, der Barrio-Metzgerei oder der Fischverkäuferin de toda la vida. All das vereint die salmantinische Markthalle mit ihrem Bahnhofshallen-Ambiente und den bunten Art-Decó-Fenstern.

Ein kurzes Pläuschchen mit dem Olivenverkäufer halten, bei der alten Obsthändlerin ein bisschen Petersilie geschenkt bekommen und danach ein Wein-Käse-Aperitif zu sich nehmen – so lässt es sich einkaufen! Ein ähnliches Ambiente findet man in der Freiburger Markthalle, wo man, ganz a la española, frischen Fisch und saftiges Obst kaufen kann oder einen guten Vino zum Aperitif genießen kann.
Markthalle Freiburg, Mo-Do 8-18 Uhr, Fr-Sa 8-20 Uhr, markthalle-freiburg.de

3. Goldener Zauber

Goldener Zauber

Das Wahrzeichen von Salamanca ist die Plaza Mayor (deutsch: Hauptplatz), die selbst seinen Namensvetter in Madrid in den Schatten stellt. Der riesige quadratische Platz mit den vielen Restaurants und Cafés bildet das Herz der Stadt. Umrahmt von imposanten Fassaden mit wunderschönen Arkaden, und bestückt mit Medaillons spanischer Könige und salmantinischer Prominenten, ist die Plaza Mayor wie ein Geschichtsbuch der neueren Geschichte Salamancas. Wenn es zu dämmern beginnt und die Salmantiner nach der Siesta aus ihren Löchern kriechen, um dem spanischen Nachtleben zu frönen, verzaubert die Plaza Mayor mit ihrem goldleuchtenden Sandstein. Kein Wunder, dass dieses architektonische Meisterwerk mehrfach zur Filmkulisse wurde: Der US-amerikanische Spielfilm 8 Blickwinkel (original: Vantage Point) inszeniert einen fiktiven Anschlag auf den US-Präsidenten auf der Plaza Mayor, der aus der Sicht von acht Zeugen erlebt und somit nach und nach aufgeklärt wird.



Realistischer ist der kürzlich erschienene spanische Film Mientras dure la guerra (deutsch: Solange der Krieg dauert, englische Version While at War) des renommierten Regisseurs Alejandro Amenábar (bekannt zum Beispiel für The Tourist mit Johnny Depp und Angelina Jolie). In diesem Bürgerkriegsdrama verfilmt Amenábar den Protest des bekannten Schriftstellers und salmantinischen Uni-Rektors Miguel de Unamuno, der zu Beginn der Franco-Diktatur versuchte, Widerstand zu leisten. Mientras dure la guerra zeigt also nicht nur zahlreiche original salmantinischen Schauplätze, sondern klärt auch noch auf überaus interessante Weise über die spanische Geschichte auf.



4. Stadtoasen

Stadtoasen

Versteckt hinter der imposanten Kathedrale, auf den Überbleibseln der alten Stadtmauer, befindet sich der Lieblingsort vieler Charros: Der Huerto de Calixto y Melibea. Benannt nach den famosen Liebenden aus dem literarischen Klassiker La Celestina (deutsch: die Kupplerin) macht dieser verwunschene Garten seinem Namen alle Ehre: Unter weinbewachsenen Arkaden und dem paradieshaften Vogelgezwitscher lässt es sich wunderbar romantisch die schmalen Wege entlangschlendern und einsame Bänke und Brunnen entdecken. Weil die Stadt sehr wenig Grün hat, ist der Huerto de Calixto y Melibea ein wunderbarer Rückzugsort vom geschäftigen Trubel der Stadt – mit Blick auf die jahrhundertealte Kathedrale inklusive. Einen ganz ähnlichen Ort gibt es auch in Freiburg: Vom Stadtgarten am Schlossberg aus hat man einen wunderbaren Blick auf das Münster, und zwischen einem idyllischen See und blühenden Stauden und Büschen lässt sich das manchmal mediterrane, fast salmantinische Klima wunderbar genießen.

5. Graffiti-Kunst

Graffiti Kunst

In der sonst sehr konservativen, tiefkastilischen und stierkampf-liebenden Traditionsstadt Salamanca muss man die Augen offenhalten, um ein bisschen alternativen Wind zu finden. Doch wer nach Vegan-Bars, Second-Hand-Mode und Street Art dürstet, wird im Barrio del Oeste (deutsch: Viertel des Westens) fündig. Dieses Viertel ist wie ein Mikrokosmos, der einem Graffiti-Art-Festival entsprungen ist: Überall wurden Wände, Garagentore oder Bäume in großartige Kunstprojekte verwandelt, die beweisen, dass Graffiti mehr sein kann als Vandalismus. In Freiburg sind ähnliche Projekte etwas schwieriger zu finden, doch es gibt sie: Wer mit der Stadtbahnlinie 1 aus Littenweiler Richtung Innenstadt fährt, erspäht nahe der Haltestelle Schwabentor zum Beispiel einen Innenhof voller inspirierender Graffiti-Kunst; und auch entlang der Dreisam findet sich das ein oder andere Kunstwerk.

6. Jamón Ibérico

jamon Iberico

Wenn der Rest Spaniens Salamanca hört, wird diese kleine, etwas abgelegene Stadt mit zwei Dingen assoziiert: Der Universität und dem Ibérico-Schinken. Die Provinz Salamanca liegt 800 Meter über dem Meeresspiegel in einer Hochebene, in der weit und breit nichts als trockene Felder mit einer speziellen Art von Eichen, den Encinas, zu sehen sind. Doch diese etwas triste, verdörrte Heimat des Don Quijote eignet sich perfekt für das Halten der schwarzhäutigen- und füßigen Schweinerasse Ibérico. Die Pata Negra (deutsch: schwarze Pfote), die aus dieser Schweinerasse produziert wird, ist einer der hochwertigsten und beliebtesten Schinken des Landes, weitaus renommierter als jeder Serrano.

Das höchstmögliche Qualitätsmerkmal eines spanischen Schinkens ist, wenn er nicht nur von einem 100 Prozent Ibérico-rassigem Schwein stammt, sondern sich dieses auch noch zeitlebens ausschließlich von Eicheln ernährt hat. Für einen Pata Negra de Bellota (deutsch: schwarze Pfote aus Eicheln) sind die Spanier gerne bereit, tief in die Tasche zu greifen. Immerhin stammt dieser Schinken meistens von traditionsreichen, lokalen Familienunternehmen der salmantinischen Provinz, bei denen die Tiere gesund und natürlich ernährt werden und genügend Auslauf haben.

In Deutschland wird als spanischer Schinken leider meist nur Serrano angeboten. Doch interessierte Gourmets finden einen Pata Negra auch in Freiburg, und zwar in dem spanischen Tapas-Restaurant La Pepa in der Innenstadt. Serviert wird die spanische Spezialität mit typischem, tomatenberiebenem Brot. Und auch davon abgesehen findet man bei La Pepa authentisches und hochwertiges spanisches Essen. Als Tapas-Starterpack am besten eine Platte Ibérico-Schinken, ein paar Patatas Bravas, Pimientos de Padrón und einen vollmundigen Tempranillo bestellen – dieses Menü versetzt einen direkt acht Breitengrade nach Süden!
Tapas-Restaurant La Pepa, Moltke, Mo-Sa 11.30-24 Uhr, So 17-24 Uhr, lapepa.de

7. Antiquitäten & Altstadtgässchen

Antiquitäten

Bei einem Spaziergang durch Salamancas Altstadt kann man sich in kleinen Gassen verlieren, verblichene Inschriften aus Ochsenblut, Paprikapulver und Rotwein an den Wänden zu entziffern versuchen und sich ausmalen, wie die Stimmung wohl war, als die Entdeckung Amerikas gerade hochaktuell war. Man kann in jahrhundertealten Buchläden nach alten Versionen des Don Quijote suchen oder in den vielen Antiquitätenläden nach kleinen Schätzen stöbern.

Eine der schönsten Gassen Salamancas, zwischen dem Haus des Universitätsrektors und der neuen Kathedrale, ist von der wohl bekanntesten Weinstauden Spaniens überdacht: Miguel de Unamuno, renommierter Schriftsteller und als dreifacher Uni-Rektor einst Bewohner der wunderschönen Rektoren-Residenz, widmete dieser Rebe das bekannte Gedicht "La parra de mi balcón" (deutsch: die Rebe auf meinem Balkon).

Die Konviktstraße, das sicher süßeste Gässchen Freiburgs, versetzt einen fast unter diese Parra Charra in Salamanca: Man kann unter Weinranken flanieren, die Kathedrale erspähen, verrostete Einzelstücke in den Antiquitätenläden erstöbern und in den alten Kneipen einen guten Rotwein genießen.

8. Faschismus-Spuren

Faschismus

802 Jahre Universidad de Salamanca, 563 Jahre Universität Freiburg: Es ist kaum vorstellbar, was die beiden altehrwürdigen Lehrstätten in all den Jahrhunderten erlebt haben müssen. Ein Gefühl für die zeitlichen Dimensionen bekommt man in Salamanca, wenn man die Geschichte von Kolumbus hört: Nach jahrelanger Suche nach Unterstützern seines Projekts, eine neue Seeroute nach Indien zu finden, kam er im Winter 1486 – als die salmantinische Uni bereits 250 Jahre auf dem Buckel hatte – nach Salamanca. Hier diskutierte er sein Anliegen mit Gelehrten der Universität und traf auf die spanische Königin Isabel I., die sich schließlich entschied, seine Expedition zu finanzieren. Salamanca wird deshalb auch gerne als die Wiegestätte der Entdeckung Amerikas gesehen.

Doch auch die neuere Geschichte der ältesten spanischen Universität ist interessant und, genau wie die der Uni Freiburg, vom Faschismus gebrandmarkt. Es lohnt sich, sich mit der Haltung der Universitäten gegenüber dem Nazi-Regime in Deutschland und der Franco-Diktatur in Spanien auseinanderzusetzen. In Salamanca stößt man dabei auf Miguel de Unamuno, der zu Zeiten des spanischen Bürgerkriegs Rektor der Universität war und kurz vor seiner Amtsenthebung durch Franco versuchte, Widerstand gegen dessen faschistische Ideen zu leisten (siehe oben).

An der Uni Freiburg ist in Verbindung mit den Nazis der Philosoph Martin Heidegger prominent, weil er mit seinen Thesen der Nazi-Ideologie unterstützte. Salamanca war während der faschistischen Diktatur (1936 – 1975) sehr regimetreu, was man noch heute an der politisch sehr rechten, teils offen faschistischen Einstellung der Stadt spürt. Ein Überbleibsel findet man auf der Plaza Mayor: Bis vor drei Jahren (!) war das Abbild des Diktators Francisco Franco in die Reihe der Medaillons spanischer Könige eingereiht. Auch in Freiburg gibt es überall Spuren des Faschismus, allen voran am Platz der Alten Synagoge. Aber auch die Uni ist noch immer gekennzeichnet: An der Fassade des KG I sieht man noch immer die Furchen des Nazi-Mottos "Dem ewigen Deutschtum", wenngleich die goldene Farbe der Lettern entfernt wurde.

9. Köstlicher Cortado

Cortado

Im Allgemeinen sind wir Deutschen recht offen, was diverse Zubereitungsarten unseres heißgeliebten schwarzgerösteten Lebenselixiers angeht. Doch Kaffee gibt es nicht nur à la italiana, als Espresso, Cappuccino oder Macchiato, wie wir gerne zu glauben meinen. Ganz im Gegenteil: Eine ganz elementare Variante, die in Spanien DER Kaffee ist, ist in Deutschland praktisch nie zu finden: Der Cortado (deutsch: abgeschnitten, beschnitten).

Ein Cortado ist ein Espresso, der mit einem Schuss Milch und Milchschaum "abgeschnitten" wird – mit mehr Milch als bei einem Espresso Macchiato, aber weit weniger als bei einem Cappuccino. Trotz der Unbekanntheit dieses Kaffees gibt es in Freiburg ein Café, das Cortado serviert: Bei Barista Davide kann man den spanischen Kaffee an den Mosaiktischchen in der Sonne genießen und Leute beobachten – ganz wie in Salamanca nach der Siesta.
Café Barista Davide, Universitätsstr. 15, Mo-Sa 8.30-17 Uhr, Sa 10-18 Uhr, baristadavide.com