Das kotzt mich an

7 Sätze, die eine Flugbegleiterin auf die Palme bringen

Melissa Kleindienst

Sie müssen gut aussehen, jung sein und Saft durch die Gegend schieben? Flugbegleiterinnen werden mit vielen Vorurteilen konfrontiert. Melissa Kleindienst hat die nervigsten gesammelt.

"Stewardess – Ein reiner Frauenjob"

Das Klischee: Die Männer im Cockpit, die Frauen in der Kabine. Meiner Erfahrung nach stimmt es leider, dass mehr Frauen in der Kabine arbeiten als im Cockpit. Das ist aber keinesfalls so gewollt.
Ich persönlich verstehe nicht, warum sich nicht mehr Männer für den Beruf des Flugbegleiters entscheiden. Wichtig sind Fähigkeiten wie Kommunikationsstärke und Teamfähigkeit, nicht welchem Geschlecht man angehört.
fudder-Serie: Das kotzt mich an

"Je jünger desto besser!"

Dieser Mythos stimmt nicht. Das Mindestalter liegt auch bei Lufthansa (logischerweise) bei 18 Jahren. Das bedeutet keinesfalls, dass alle Airlines nur nach Flugbegleiter*Innen bis 25 suchen. Man sollte auch in schwierigen Situationen Ruhe, Sicherheit und Autorität ausstrahlen. Menschen mit mehr Lebenserfahrung fällt das oft leichter. In meinem Lehrgang war zwischen 18-45 Jahren alles vertreten.

"Man wird fürs Urlaub machen bezahlt"

Von außen sieht das oft so aus. Cocktails schlürfen am Strand von Singapur, Feiern gehen in Shanghai, da entsteht das Bild von bezahltem Urlaub. Ich lag nach meinen 4 Tagen in Shanghai erstmal eine Woche mit 40 Grad Fieber im Bett. Oft war ich nach einem Flug oft fast 30 Stunden am Stück wach, um keinen Jetlag zu bekommen. Dazu kommt die Zeitverschiebung, die Temperaturunterschiede und dauerhaft ohne wirklichen Rhythmus zu leben. Es ist kein leicht verdientes Geld und es ist auch kein einfacher Job. Es ist ein Privileg, die Möglichkeit zu haben, so viele Orte zu sehen und so viel erleben zu können, aber man zahlt einen Preis dafür. Aus meiner Erfahrung könnte ich es nicht mal im Ansatz mit Urlaub machen vergleichen.

"Alle haben was miteinander"

In diesem Mythos steckt (meiner Erfahrung nach) ein kleines bisschen Wahrheit. Viele Paare lernen sich auf der Arbeit kennen, das ist nichts Ungewöhnliches. Allerdings bietet der ungewöhnliche Arbeitsalltag von Crew-Mitgliedern mehr Gelegenheiten für Affären oder Seitensprünge als viele andere Berufe. Manche nutzen das leider auch aus.

"Saftschubse – Im Zentrum der Arbeit steht der Service?"

Nein. Im Zentrum der Arbeit steht die Sicherheit für Passagiere und Crew. Obwohl der Service zeitlich den Großteil des Alltags von Flugbegleiter*innen ausmacht, liegt der entscheidende Punkt darin, in Notfallsituationen entsprechend reagieren zu können.

"Einstellungskriterien: hübsch und dünn"

Man muss körperlich fit genug sein, um ein Flugzeug zu evakuieren – das ist das Entscheidende. Auf das ein oder andere Kilo zu viel oder zu wenig kommt es nicht an. Was die Attraktivität angeht: Als Flugbegleiter*in sollte man in erster Linie Sicherheit ausstrahlen. Hierbei geht es vor allem darum, gepflegt und wach auszusehen, nicht darum wer die längsten Beine hat oder die höchsten Absätze hat.

Was das Make-Up angeht: In meiner Probezeit habe ich noch sehr darauf geachtet, roten Lippenstift und rote Fingernägel zu tragen, das wurde schon gern gesehen. Ich habe mich damit immer etwas verkleidet gefühlt und bin nach meiner Probezeit auf Klarlack und Labello umgestiegen, so habe ich mich viel wohler gefühlt.

"Man muss viele Sprachen sprechen können"

Das unterscheidet sich natürlich von Airline zu Airline. Wichtig ist, dass man die "Muttersprache" der Airline spricht, im Falle der Lufthansa ist das Deutsch. Zusätzlich ist Englisch als Weltsprache unabdinglich, ich spreche "nur" diese zwei Sprachen und wurde bei der Lufthansa eingestellt, es stimmt also nicht Airline-übergreifend, dass man 3 oder mehr Sprachen sprechen muss.

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