Staatsexamen

555 Lehramtsstudierende setzen sich mit offenem Brief für Durchschnittsnote ein

Anika Maldacker

Sie fordern die Durchschnittsnote anstelle von mündlichem Staatsexamen: Lehramtsstudierende aus ganz Baden-Württemberg. An dem offenen Brief, den 555 Studierende unterzeichnet haben, hat auch ein Freiburger Student mitgewirkt.

In einem offenen Brief fordern 555 Studierende aus Baden-Württemberg wegen der Corona-Pandemie die Möglichkeit, neben dem mündlichen Staatsexamen auch die Durchschnittsnote als Examensergebnis zu werten. Dem voraus ging, dass das erste Staatsexamen im März für Lehrämtler sowohl an den Universitäten, als auch an den Hochschulen abgesagt wurde. Wochenlang war unklar, ob und falls ja wann das Examen nachgeholt würde. Erst vergangene Woche hatte das Kultusministerium mitgeteilt, dass das erste Staatsexamen für das Lehramt landesweit ab dem 11. Mai nachgeholt werden kann.

fudder hat mit einem der Unterzeichner, dem Freiburger Lehramtsstudent Florian Diez, über die Kritik am Kultusministerium und die Forderungen der Unterzeichner gesprochen.

Welche Probleme seht ihr in der Regelung des Kultusministeriums, dass das erste Staatsexamen für Lehramtsstudierende im Land ab 11. Mai geschrieben werden kann?

Es gibt zwei Grundprobleme. Das eine ist, dass wir Studierende uns wegen der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie derzeit nicht adäquat auf die Prüfungen vorbereiten können. Die UB war mehrere Wochen geschlossen, nun ist sie nur eingeschränkt wieder geöffnet. Viele Studierende können sich daheim nur begrenzt vorbereiten. Studierende mit Kindern beispielsweise. Die Kitas sind zu und zu den Großeltern bringt man die Kinder derzeit auch eher nicht. Solche Studierende haben gar keine Chance sich vorzubereiten.

Darüber hinaus ist die derzeitige Situation auch psychisch belastend. Viele haben derzeit nicht die mentale Kapazität sich auf das Staatsexamen vorzubereiten. Andere Studierenden haben finanzielle Probleme, weil sie ihren Nebenjob verloren haben oder nicht mehr ausüben können oder die Eltern, die sie unterstützen, in Kurzarbeit sind. Das sind extreme psychische Belastungen. Wir sprechen über zukünftige Lehrkräfte, die systemrelevant sind. Es ist wichtig, dass die psychisch und körperlich fit sind.
Zur Person:

Florian Diez, 28 Jahre, studiert im 14. Semester Biologie, Geografie und Sport auf Gymnasiallehramt.

Und das zweite Problem?

Das sehen wir bei der Gesundheitsgefährdung. Viele Studierende und gerade auch ältere Prüferinnen und Prüfer setzen sich einer Gefahr aus bei der Prüfungssituation. Auch Studierende gehören teils zur Risikogruppe. Diese Leute sollten ihre Safer Space nicht verlassen müssen.

Welches Verhalten kritisiert ihr am Kultusministerium?

Wir kritisieren insbesondere die Kommunikation. Wir haben Verständnis, dass es für alle, auch im Kulturministerium, eine schwere Zeit ist. Aber die Art und Weise, wie kommuniziert wurde, finden wir problematisch. Vor fünf Wochen hieß es, dass die Prüfungen verschoben werden oder gerade nicht stattfinden können. Dann war fünf Wochen Sendepause. Auch die Landesstudierendenvertretung hatte zwischenzeitlich angefragt und keine Antwort bekommen. Am vergangenen Freitagnachmittag kam dann der Beschluss. Das haben nicht alle Universitäten mitbekommen.

Wir in Freiburg haben den Beschluss, dass das erste Staatsexamen ab 11. Mai durchgeführt wird, nur durch Kommilitonen aus Tübingen mitbekommen. An der Uni und PH wurde wohl niemand informiert – nicht mal das Rektorat. Die Prüfer haben es von uns erfahren. Zunächst hieß es, man solle sich bis 30. April entscheiden, ob man ab Mai oder erst im Herbst ins Staatsexamen geht. Die Frist wurde nun etwas gelockert. Wir müssen uns nun bis 6. Mai entscheiden, ob wir in diesem oder im nächsten Semester geprüft werden wollen. In der Mitteilung vom Kulturministerium hört es sich so an, als sei die Corona-Pandemie schon vorbei, aber keiner weiß, wie lange das alles noch dauern wird.

Wann werden die Prüfungen an der Uni und der PH in Freiburg stattfinden?

Frühestens ab 11. Mai und spätestens bis 30. Juli. Die Fakultäten können selbst entscheiden, wann sie prüfen. Aber ich habe bisher für meine Prüfungsfächer beispielsweise noch keinen Termin. Ich hätte in diesem Frühjahr in Biologie und Geografie Doppelexamen gemacht. Das hätte irgendwann zwischen Mitte April oder Mitte Mai stattfinden sollen. Ich habe mich noch nicht entschieden, ob ich jetzt oder im Herbst schreibe. Es ist auch schwierig das zu entscheiden, ohne zu wissen, wann man geprüft werden würde. Ich finde es nicht gut, mich entscheiden zu müssen, da niemand weiß, wie sich die Pandemie weiterentwickelt.

Viele Studierende werden sich vermutlich für einen Termin im Frühsommer entscheiden, das bedeutet in meinen Augen aber nicht, dass sie die Lösung des Kultusministeriums befürworten. Der Herbsttermin kommt für viele aus verschiedensten Gründen, Schwangerschaft, Arbeitsvertrag, finanzielle Situation, nicht in Frage.

Was fordert ihr vom Kultusministerium?

Wir fordern, dass es für alle die Option gibt, dass die Durchschnittsnote das Examensergebnis ist. Alle, die die Prüfung zum Beispiel zur Notenverbesserung ablegen wollen, sollen dazu freiwillig die Möglichkeit erhalten, unter der Einhaltung strenger Hygienevorschriften.

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