Theater

5 Fragen an die Theatergruppe Arts Liberated zum Stück "Solaris"

Nora Ederer

Zu wem werden wir, wenn wir monatelang in einer Raumkapsel durchs Weltall schweben? Dieser Frage geht die englischsprachige Theatergruppe Arts Liberated in ihrem neuen Stück "Solaris" nach. Premiere ist am Freitag. fudder hat mit den Regisseuren gesprochen.

Fenja Jahn (24), Lukas Wiehler (24) und Paul Isselstein (21) studieren eigentlich Liberal Arts and Sciences in Freiburg. Doch seit Monaten dreht sich bei ihnen alles nur noch um eins: Theater. Die drei wollen einen Science-Fiction-Roman auf die Bühne bringen, genauer "Solaris" von Stanislaw Lem. Jetzt stehen sie mit ihrer Gruppe Arts Liberated kurz vor der Premiere. fudder hat für fünf Fragen in ihrem Raumschiff Platz genommen.


Wie seid ihr auf die Idee gekommen "Solaris" zu inszenieren?

Paul: Wir haben an der Uni einen Kurs zum Kalten Krieg besucht, in dem wir uns den Film "Solaris" von Andrei Tarkowski aus dem Jahr 1972 angesehen haben. Darin reist ein Psychologe auf den Planeten Solaris, um einen wissenschaftlichen Report zu schreiben und wird dabei von seiner Vergangenheit eingeholt. So kamen wir auf die Idee, die Geschichte dieses Semester mit unserer Theatergruppe aufzuführen.

Lukas: Auf den ersten Blick wirkt die Geschichte für das Theater aber so gut wie unadaptierbar.

Fenja: Genau, "Solaris" ist ja ein Science-Fiction-Film. In den Szenen am Anfang gibt es zum Beispiel viele spektakuläre Naturaufnahmen. Die können wir in unserem Theaterstück natürlich nicht bieten. Und unser Bühnenbild kann eine Raumstation auch nicht so detailgetreu und technisiert darstellen wie ein Filmset.

Wieso sollte man sich eure Aufführung trotzdem anschauen?

Paul: Weil es in "Solaris" eigentlich gar nicht so sehr um Science Fiction geht. Die Raumstation bildet lediglich das Setting. Viel wichtiger sind die Fragen, die die Geschichte aufwirft, etwa: Was bezeichnen wir als menschlich, was nicht? Was ist real? Was hält Rationalität aus? Und wie sehr darf man sich seinen Illusionen hingeben?

Fenja: Mir ist aufgefallen, dass sich eine Raumstation eigentlich besonders gut eignet, um über solch existentielle Fragen zu philosophieren. Das Weltall ist ja ein Raum, der ganz anders funktioniert als unsere Erde. Es ist sozusagen der Ort der größtmöglichsten Abstraktion. So kann man sich ganz und gar auf sein Menschsein konzentrieren – ohne dabei von seiner Umwelt abgelenkt zu werden. Da stellt sich vielleicht ganz von allein die Frage: Menschsein – was bedeutet das überhaupt?

Lukas: Unser Bühnenbild wirkt im Vergleich zum Film vielleicht minimalistisch, trotzdem vermittelt es das kühle und technisierte Gefühl einer Raumstation: Wir haben grelles, kühles Licht. Wir haben alle Requisiten in einem künstlichen Mintgrün gestrichen. Und wir haben schwebende Holzrahmen gebaut, die die verschiedenen Räume auf der Forschungsstation voneinander trennen. Das Science-Fiction-Feeling kommt in unserer Inszenierung also auf keinen Fall zu kurz. Und allein das ist schon eine Besonderheit. Weltraumgeschichten gibt es im Theater sonst nämlich eher selten.

Worum geht es in der Geschichte von "Solaris"?

Paul: Im Zentrum des Geschehens steht die Psychologin Kris Kelvin. Im Original ist sie männlich, bei uns wird sie von einer Frau gespielt. Kelvin wird in einer Sonde zu einer Raumstation geschickt, die um den fiktiven Planeten Solaris kreist. Dort soll sie kontrollieren, was die zwei Wissenschaftler treiben, die schon vor Jahren dorthin geschickt wurden, um Solaris zu erforschen.

Fenja: Die beiden Wissenschaftler heißen Snaut und Sartorius und haben schon lange nichts mehr von sich hören lassen. So wissen ihre Kollegen auf der Erde nicht, was der Status quo ihrer Forschung über Solaris ist.

Lukas: Doch als Kelvin auf der Station ankommt, fällt ihr gleich auf, dass irgendetwas nicht stimmt. Snaut und Sartorius verhalten sich äußerst seltsam und da taucht auch noch Kelvins Exfrau Hari auf. All das kann sich Kelvin nicht erklären. Denn was sie auf Solaris erlebt, ergibt wissenschaftlich gesehen überhaupt keinen Sinn. So nimmt die Geschichte ihren Lauf...

Was war bei der Produktion die größte Herausforderung?

Paul: Die anderen beiden Regisseure (lacht).

Lukas: Ja, und irgendwie auch, mich selbst zu ertragen.

Fenja: Ich denke, wir haben die ganze Arbeit, die hinter so einer Aufführung steckt, unterschätzt. Als Regisseurin fühlt man sich immer für alles zuständig, muss alles koordinieren und zu allem eine Meinung haben. Außerdem ist man dafür verantwortlich, dass die Gruppe motiviert bleibt. Das war teilweise ganz schön anstrengend.

Lukas: Das stimmt. Ich freue mich schon, wenn ich morgens aufwache, auf mein Handy schaue und nicht schon wieder fünf Nachrichten in unserem Gruppenchat beantworten muss.

Was habt ihr durch die Produktion gelernt?

Lukas: Fake it until you make it (lacht). Und auch, dass von einer Idee bis zu ihrer Umsetzung viele Schritte liegen. Es ist ein Prozess. Viele Szenen, die jetzt auf der Bühne zu sehen sind, waren ursprünglich ganz anders angedacht oder geplant.

Fenja: Ich habe auch gemerkt wie unklar manche meiner Ideen waren. Zum Beispiel hatte ich für eine Szene diese Vorstellung von einem Bett, in dem Kris liegt. Und erst als ich Lukas und Paul davon erzählt habe, wurde mir bewusst, dass das mit dem Bett – das ich in meinem Kopf so selbstverständlich in die Szene eingebaut habe – gar nicht so einfach umzusetzen ist. Die anderen haben nämlich gefragt: Welches Bett? Und wo soll das auf der Bühne überhaupt stehen? Da hab ich mir zum Beispiel gedacht: Ja, stimmt, gute Frage eigentlich.

Paul: Insgesamt finde ich, dass wir uns alle gut ergänzt haben. Jeder aus der Gruppe hat andere Stärken – und so habe ich gelernt, dass ich manche Aufgaben einfach an andere delegieren kann und das Ergebnis viel besser ist, als wenn ich es gemacht hätte. "Solaris" ist ein richtiges Gemeinschaftsprojekt und ich freue mich, wenn wir es am Freitag endlich unserem Publikum präsentieren.

  • Was: "Solaris" von Ars Liberated
  • Wann: Aufführungen von Freitag, 7. Februar, bis Montag, 10. Februar, Beginn: 20 Uhr
  • Wo: Literaturhaus Freiburg, Bertoldstraße 17.
  • Eintritt: 6 Euro, ermäßigt 4 Euro, Tickets gibt’s in der Buchhandlung Ludwig und mittags vor der Mensa Rempartstraße sowie an der Abendkasse
  • Info: Die Veranstaltung ist auf Englisch

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