Landtagswahl 2021

5 Dinge, die man aus der Podiumsdiskussion von FFF lernen kann

Paula Meister

Eine Podiumsdiskussion kann auch unterhaltsam sein: Das zeigt das Beispiel von Fridays for Future Freiburg. Die Klimaaktivisten diskutierten über Zoom mit den Freiburger Landtagskandidierenden. 5 Dinge, die man lernen kann.

Fridays For Future Freiburg haben eine Podiumsdiskussion mit den Freiburger Landtagskandidierenden über Klimagerechtigkeit und nachhaltige Politik veranstaltet. Dabei waren Nadyne Saint-Cast (Die Grünen), Manuel Herder (CDU), Gabi Rolland (SPD), Pascal Blank (Die Linke), Helge Kaltenbach (FDP), Fridays for Future, das Klimaaktionsbündnis Freiburg und Scientists for Future.

Diese 5 Dinge kann man aus der Podiumsdiskussion lernen:

1. Podiumsdiskussion geht auch anders

Das Team von FFF hat sich ordentlich ins Zeug gelegt, um die Podiumsdiskussion möglichst interessant zu gestalten. Die Kandidierenden mussten nicht nur über verschiedene Themen wie Mobilität oder Klimagerechtigkeit diskutieren, sondern beispielsweise auch ihre Standpunkte zeichnen, ihren Antrieb für Klimaschutz in einem Wort erklären oder sich in kurzen Fragerunden mit Ja/Nein positionieren. Außerdem gab es einen Input der Scientist for Future zur Entstehung und Auswirkung der Klimakrise.

2. Alle wollen Klimaschutz, aber das "Wie" ist die Frage

"Seid ihr denn alle Ökos", fragt FFF zu Beginn alle Kandidierenden und weist darauf hin, dass sich mittlerweile alle Parteien in ihrem Wahlprogramm auf Klimaschutz beziehen. Welche Klimaziele aber konkret erreicht werden sollen und welche Lösungsansätze es gibt, dazu haben die verschiedenen Parteien sehr unterschiedliche Ansichten. Auch inwiefern Klimaschutz sozial gerecht stattfinden kann, wie die Verkehrswende, Energiewende und Agrarwende aussehen kann und wie sich die Vorhaben finanzieren lassen, wurde in der Podiumsdiskussion sehr kontrovers diskutiert.



3. Wir haben eine globale und soziale Verantwortung im Klimawandel

Besonders die Länder im globalen Süden werden die Auswirkungen des Klimawandels stark zu spüren bekommen, obwohl der Großteil der Emissionen von den Ländern des globalen Nordens verursacht wird. Die Parteien sind sich einig, dass es sich bei der Bewältigung der Klimakrise um eine globale Frage handelt. "Das Thema ist eine soziale Frage, hier geht es um die Verteilung der Ressourcen", merkt Gabi Rolland an. "Alle haben Verantwortung für alle", sagt Manuel Herder.

Aber auch innerhalb Deutschlands ist Klimaschutz eine soziale Frage. Die Lösungen zur Klimakrise sollten nicht den sozial und finanziell benachteiligten Menschen in unserer Gesellschaft schaden. Die Meinungen der Kandidierenden waren aber durchaus geteilt. Während Herder darauf plädierte, "Klimaschutz als Gebot der Stunde zu sehen" und andere Ziele dahinter zurückzustecken, will Pascal Blank von der Linken "eine Klimapolitik, die mit einer gleichzeitigen Vermögensverteilung einhergeht".

4. Wir brauchen neue Mobilitätskonzepte

Mobilität ist ein wichtiges Thema beim Thema Klimawandel. Dabei braucht es für Stadt und Land unterschiedliche Mobilitätskonzepte, denn auf dem Land ist der ÖPNV (bisher) wesentlich schlechter als auf dem Land. Die Parteien haben unterschiedliche Ansätze, wie die Verkehrswende gestaltet werden soll und kann. Die Linke fordert autofreie Innenstädte und einen sozial gerecht gestalteten ÖPNV, die SPD will ein Tempo 30 in Innenstädten, ein 365-Euro Ticket und eine Strategie für Elektroautos. Manuel Herder wünscht sich eine App, die alle Verkehrsmittel vereint, Nadyne Saint-Cast von den Grünen glaubt, dass es auf dem Land mehr Ruftaxis braucht. Die FDP tut sich generell schwer mit Verboten, deswegen fordert Helge Kaltenbach "mehr Anreize, um auf das Auto zu verzichten".

5. Wir brauchen Umdenken: In der Energie, der Agrarwirtschaft, der Nutzung von Baustoffen

Um der Klimakrise entgegenzuwirken braucht es eine Energiewende, eine Agrarwende und auch einen Umstieg auf nachhaltigere Baustoffe. Laut den Grünen wurde "die Wärmewende bisher vernachlässigt", über Wärmepläne und andere Wärmemodelle ließe sich aber auch hier viel Energie einsparen. In der Agrarwirtschaft ist ein wichtiger Punkt, dass die Region in und um Freiburg vor allem durch die Forstwirtschaft geprägt ist. Die Parteien sind sich einig, dass die Wälder von Monokulturen zu artenverträglichen und klimaverträglichen Wäldern umgebaut werden müssen und die Kommunen dafür mehr Unterstützung brauchen. Während sich Grüne, CDU, SPD und FDP klimafreundliche Baustoffe fördern wollen, gab Pascal Blank von der Linken einen Anstoß zu einem Systemwandel, er fände "generell weniger Konsum sinnvoll".
Und auch das konnte man aus der Podiumsdiskussion lernen: Auch Politiker vergessen sich auf Zoom stumm zu stellen

Kennt ihr diesen unangenehmen Moment, wenn ihr vergessen habt, euch auf Zoom stumm zu stellen und dann versehentlich alle etwas hören, was eigentlich nicht für sie bestimmt war? Das ist in der Podiumsdiskussion auch Gabi Rolland von der SPD passiert. Während Manuel Herder gerade darüber sprach, dass Menschen beim Thema Klimawandel seiner Meinung nach ihre Individualwünsche teilweise zurückstecken sollten, brach Rolland in schallendes Gelächter aus und sagte "Ja, das gefällt denen".