Klassische Musik

4 Gründe, warum Du am Freitag zum Konzert des Studierenden-Orchesters gehen solltest

Lisa Göllert

Ein 95 Personen starkes Orchester und ein Dirigent, der Musik lebt: Aus diesen 4 Gründen lohnt sich Mahlers fünfte Sinfonie des Studierenden-Orchesters im Konzerthaus am Freitagabend.



1. Leidenschaft für die Musik: Dirigent Gunnar Persicke

Er ist das Zentrum der Orchesterprobe: Gunnar Persicke. Eben saß er noch auf einem hohen Stuhl in der Mitte des Orchesters – dann springt er auf, seine Hände gleiten durch die Luft: "So jetzt ganz viel Attacke und dann – waaah"! Die Arme des 43-Jährigen sind kraftvoll nach außen gestreckt, alle Augen auf ihn. "So – und jetzt Tutti". Seit 2017 leitet der hauptberufliche Musiker im Symphonieorchester des SWR und Musikhochschuldozent das Studierenden-Orchester.

Musik begleitet ihn schon seit seiner Kindheit, der Job des Dirigenten war eher Zufall. "Ich mache Musik seit ich fünf Jahre alt bin. Als ich zum ersten Mal als 16-Jähriger im Bundesjugendorchester mittendrin als Geiger gespielt habe, habe ich nur gedacht: Das ist so geil, wenn ich das mein ganzes Leben machen könnte." Verbal, aber auch mit dem ganzen Körper spricht Persicke, er will den Studierenden die Musik durch Bilder näherbringen. "Bei den letzten Schlägen der Pauke hat er mir noch zu schön gespielt. Eigentlich soll sich die Stelle anfühlen wie ein Tod. Also sagte ich zu ihm, er solle so spielen, als würde er ein totes Eichhörnchen auf seine Pauke schmeißen."

2. Disziplin und Zusammenhalt: Die Studierenden

Die Bögen der Streicher gleiten über die Instrumente, konzentrierte Blicke und meistens Stille. Jeder, der hier spielt, hat ein Probespiel durchlaufen. Einmal pro Woche wird geprobt. Ganz schön diszipliniert. Katharina Roggenstein spielt seit dem sie sieben Jahre alt ist Bratsche und ist seit zwei Jahren im Orchester. Für sie zählt besonders die Gemeinschaft. "Wir verstehen uns untereinander super gut. Das merkt man in den Pausen und auch beim Spielen. Montagsabends nach der Probe trinken wir auch immer ein Bierchen zusammen."

Obwohl das Orchester ehrgeizig probt, studieren die 70 Mitglieder des aktuellen Orchesters alle Vollzeit. Persicke ist zufrieden: "Für mich ist es ein Traum, dass diese jungen Leute, die wirklich genug mit dem Studium zu tun haben, dass sie dafür so viel Feuer haben, dass sie immer in die Proben kommen und zusätzlich noch sehr viel Übezeit investieren, um das Ganze auf die Beine zu stellen."

Video: Das Studierendenorchester bei der Probe



3. Energie und Emotionen: Mahlers fünfte Symphonie

Wer denkt Klassik sei langweilig, soll sich Mahlers fünfte Sinfonie anhören. "Mahler hat mit eine der größten Bandbreiten an Emotionalität, Romantik und auch Gewalt. Das sind so viele Gegensätze auf engstem Raum", so Persicke. Ob Klassik für jeden was sei? "Wenn ich eine Stelle aus Mahler meinen Kindern vorspiele, dann sagen die auch: Boahr, ist das schön!" Auch das Orchester an sich beeindruckt: Insgesamt 95 MusikerInnen werden im Konzerthaus zu hören sein. Darunter auch einige hauptberufliche MusikerInnen, die dem Orchester aushelfen. Mahlers fünfte Sinfonie wurde von studentischen Orchestern lange nicht mehr gespielt. Aus Gründen: Denn Mahler ist selbst für Profi-Orchester eine Herausforderung. "Dieses Stück ist extrem komplex, es passieren gleichzeitig so wahnsinnig viele unterschiedliche Sachen, dass es ein hohes Maß an Selbstständigkeit fordert."

4. Partyfaktor für Freitagnacht: Die Lautstärke

Wenn es um Lautstärke geht, dann hält das Orchester mit jedem Club mit. Teilweise tragen die Studierenden sogar Ohropax. Pulsierende Musik am Freitagabend genießen geht also auch mit Mahler. Persicke ist sich sicher, dass das Orchester das Publikum fesseln wird: "Alle werden am Freitagabend im Konzerthaus auf der Stuhlkante sitzen, sich wahnsinnig freuen, aufgeregt sein. Und das Konzert wird beeindrucken. Dafür sorgt allein die Motivation, die Zeit und die Arbeit, die wir reingesteckt haben, aber vor allem auch die Musik selber."
Wo: Konzerthaus Freiburg
Wann: Freitag, 31.01.2020. 20 Uhr
Kosten: 12 Euro für Erwachsene, 8 Euro für Studierende
Tickets: BZ-Ticket