fudder-Interview

3 Fragen an Beatrice Mendel von den "Omas gegen Rechts" zur Landtagswahl

Maria Schorn

Die "Omas gegen Rechts" sind jeden Samstag bis zur Landtagswahl am 14. März in Freiburg und rufen dazu auf, wählen zu gehen. Wir haben mit Beatrice Mendel von der Ortsgruppe Freiburg gesprochen.

Sie stehen jeden Samstag bis zur Wahl am 14. März auf dem Münsterplatz und fordern die Bevölkerung mit Transparenten dazu auf, wählen zu gehen. Was ist Ihre Motivation?

Beatrice Mendel: Unsere Motivation resultiert aus der derzeitigen politischen, sozialen und psychologischen Gesamtsituation der Bevölkerung. Es ist wichtiger denn je, wählen zu gehen, sich politisch einzumischen, die eigene Stimme zu erheben. Das ist eines unserer großen Privilegien in der Demokratie. Wir haben den Eindruck, dass es auf Grund der Pandemie eine Art Müdigkeit in der Bevölkerung gibt und möchten die Menschen dazu auffordern, dieses wertvolle Recht auf die eigene politische Wahl wahrzunehmen. Neben der Pandemie kommen zudem andere Themen wie Klimawandel und soziale Gerechtigkeit in den Medien und der öffentlichen Diskussion zu kurz. Als "Omas gegen Rechts" möchten wir unseren Nachkommen eine lebenswerte, freie und gerechtere Welt hinterlassen. Wir haben als Gesellschaft die Chance, über unser persönliches Verhalten und die Wahl, die Zukunft unseres Planeten positiv zu beeinflussen.

Wen möchten Sie mit Ihrem Aufruf erreichen?

Alle Menschen, die wahlberechtigt sind. Wir rufen die Bevölkerung dazu auf, sich zu informieren, sich eine Meinung zu bilden, mit anderen zu diskutieren und verschiedene Stimmen anzuhören. Historische Ereignisse, wie die Entstehung des Nationalsozialismus, dürfen sich nicht wiederholen.

Auf Ihren Plakaten steht "Wählen gehen – Demokratie stärken!" Sehen Sie die Demokratie in Gefahr und wenn ja, warum?

Es gibt eine weltweite Strömung hin zu populistischen, rassistischen, frauenfeindlichen und antisemitischen Bewegungen. Rechtes Gedankengut breitet sich auf der ganzen Welt in gefährlichen Netzwerken aus. Verbale und körperliche Gewalt werden gesellschaftsfähig. Menschenrechte und freie Meinungsäußerung sind gefährdet. Noch leben wir in einem freiheitlichen, demokratischen und rechtsstaatlich organisiertem Land. Diese Werte gilt es zu verteidigen und zu wahren.
Info:

"Omas gegen Rechts" sind eine zivilgesellschaftliche, parteiunabhängige Initiative, die, inspiriert von den österreichischen Omas gegen Rechts, Ende 2018 in Freiburg gegründet wurde.
Die OgR stehen ein für die Vielfalt aller Kulturen und Nationalitäten, Toleranz und ein respektvolles Miteinander, die Erhaltung der demokratischen Grundwerte und einen verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt. Sie engagieren sich gegen rechtspopulistische Strömungen, gegen Ausgrenzung von Menschen mit Migrationshintergrund, gegen Stigmatisierung und gegen jegliche Formen der Gewalt.
Wer sich engagieren oder die "Omas gegen Rechts" finanziell unterstützen will, kann das tun.