Freiburg-Betzenhausen

26-Jährige schwebt nach Badeunfall im Freiburger Seepark in Lebensgefahr

Ein Tourist reagiert blitzschnell – und reanimiert im Freiburger Westen eine Frau, die im Flückiger See untergegangen war. Durch eine in Freiburg entwickelte App sind auch rasch zwei Ärzte zur Stelle.

Update: Die 26-Jährige ist im Krankenhaus verstorben.

Eine 26-Jährige erfrischte sich am Donnerstag gegen 18 Uhr mit zwei Freundinnen im Flückingersee, als die drei unerwartet den Boden unter den Füßen verloren. Vor den Augen ihrer Kinder, die sich am Seeufer aufhielten, verschwanden die Nichtschwimmerinnen unter der Wasseroberfläche. Das berichtet in das Freiburger Polizeipräsidium am Freitagmittag in einer Pressemitteilung.

Gast aus Frankreich reagiert blitzschnell

Am anderen Seeufer wurde ein zufällig anwesender Rettungsschwimmer, ein 26 Jahre alter Tourist aus Frankreich, auf die Situation aufmerksam und schwamm durch den See zur Unfallstelle. Während sich zwei der Verunglückten selbst ans Ufer retten konnten, so die Polizei weiter, holte der Rettungsschwimmer die 26-jährige Afghanin aus dem Wasser und reanimierte sie. Zwei Ärzte wurden den Angaben zufolge über die in Freiburg entwickelte Lebensretter-App alarmiert und lösten den zwischenzeitlich entkräfteten Rettungsschwimmer ab.

Schwerverletzt wurde die Frau in eine Freiburger Klinik eingeliefert und wird nun auf der Intensivstation behandelt. Nach Angaben der Polizei schwebt sie in Lebensgefahr.
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Der Zwischenfall im Freiburger Westen reiht sich ein in ein Serie von Badeunglücken in Südbaden. Allein am ersten August-Wochenende hatten sich sechs Badeunfälle an Seen in der Region ereignet, drei Menschen starben.

"Anders als in Schwimmbädern kann es am Ufer einfach auch Absätze geben." Michael Schorr
Hohe Temperaturen, strenge Corona-Regeln in den Schwimmbädern und die freien Tage locken derzeit viele Menschen an die Baggerseen – womit auch die Wahrscheinlichkeit steigt, dass dort jemand ertrinkt. 23 tödliche Badeunfälle habe es 2020 bis Mitte August in Baden-Württemberg gegeben, sagt Ludwig Schulz von der Landesgeschäftsstelle der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) – alle in Badeseen und Flüssen. Das sei im Vergleich mit den Vorjahren noch keine außergewöhnlich hohe Zahl. Im bisherigen Rekordjahr, dem Trockenjahr 2018, starben landesweit mindestens 60 Menschen im Wasser.

Preisgekrönte App erweist wertvolle Dienste

Auffällig ist, dass in natürlichen Gewässern häufig Menschen in Lebensgefahr geraten, die nicht schwimmen können. Oftmals würden die Gefahren in Seen einfach unterschätzt: "Anders als in Schwimmbädern kann es am Ufer einfach auch Absätze geben", sagt Polizeisprecher Michael Schorr am Freitagnachmittag gegenüber der Badischen Zeitung. Drei Todesopfer in der diesjährigen Badesaison in Südbaden – ein 18-Jähriger in Kehl, eine 19-Jährige in Lahr und ein 30-Jähriger in Malterdingen – waren Nichtschwimmer, so wie die aus dem Flückigersee gerettete Frau.

"Es ist am Opfinger See so wie am Flückigersee: Es geht flach rein, aber irgendwann kommt dann schnell die Abbruchkante", sagt Ute Nostadt von der DLRG Freiburg. In Baggerseen könne sich der Untergrund von einem auf den nächsten Meter ändern. Nichtschwimmer sollten sich nicht einer solchen Gefahr aussetzen. Sie kennt auch die DLRG-Statistiken von den Badeunfällen, überproportional seien Flüchtlinge betroffen, sagt sie. "Wir bieten ja Schwimmkurse für Migrantinnen und Migranten an und erleben oft, dass es da eine gewisse Sorglosigkeit im Umgang mit dem Wasser gibt", sagt sie. Die Gefahren würden komplett unterschätzt, so ihre Beobachtung.

Die Lebenretter-App, durch die der 26-Jährigen schnell zusätzliche Hilfe zukommen konnte, ortet registrierte Helfer in der Nähe eines Unglücksortes: Geht bei der 112 ein Notruf zum Beispiel wegen eines Herz-Kreislauf-Zusammenbruchs ein, schickt die Rettungsleitstelle Freiburg-Breisgau-Hochschwarzwald Krankenwagen und Notarzt los. Gleichzeitig ortet sie über die App "First AED" Ersthelfer in der Nähe und alarmiert sie – so wie nun die beiden Mediziner im Freiburger Westen. Die App aus Freiburg und Umgebung wurde im November 2019 in Berlin mit dem Preis "Helfende Hand" ausgezeichnet.

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