Partyreihe

25 Erinnerungen aus 25 Jahren Root Down in Freiburg

Rainer Trüby & Jürgen Oschwald

Sie ist mehr als eine Partyreihe und hatte schon Solomun zu Gast, als ihn nur wenige kannten. Seit 25 Jahren bringt Root Down musikbegeisterte Menschen zusammen. Rainer Trüby und Jürgen Oschwald erinnern sich an 25 unvergessliche Momente.

Freiburgs schönste Partyreihe feiert am Freitag im Jazzhaus ihren 25. Geburtstag: Root Down. Rainer Trüby lädt seit 1996 monatlich tolle musikalische Gäste ein, um die Root-Down-Freunde mit spannender Clubmusik zu verwöhnen. Seit Anfang an dabei ist auch Jürgen Oschwald, der für die visuelle Inszenierung zuständig ist. Für fudder erinnern sich beide an die vergangenen Jahre und Jahrzehnte zurück und haben ihre liebsten Erinnerungen aufgeschrieben.

16 Momente von Rainer Trüby


1. Stillstand

27. Januar 1996, erste Root-Down-Party, ich in Alleinbesetzung am DJ-Pult, noch ohne Gast-DJs, lief alles super, 300 fröhliche Gäste, bis dann diese eine Nummer kam, die das ganze Waldsee und eine volle Tanzfläche komplett zum Stillstand gebracht hat. "Ganz heisses Ding", dachte ich, vom Vampiros-Lesbos-Soundtrack auf weißem Vinyl, vielleicht doch eine Spur zu vertrackt im "Groove", war aber auch das allererste Root Down und der "Offbeat" war seinerzeit in Freiburg noch nicht sehr präsent.

2. Die Unterhosen

Irgendwann gab es als Merchandise nicht die üblichen T-Shirts, sondern Root-Down-Unterhosen als Give-Away für die ersten Gäste, etwa 2001 oder 2002. Die Badische Zeitung berichtete seinerzeit.

3. Wo ist der Bus?

Das Dreiländereck wurde groß geschrieben bei Root Down, vor allem aus dem Elsass wurde regelmäßig ein Shuttlebus für Elsässer Partygäste eingesetzt, organisiert von einem Bekannten aus Mulhouse. Den Bus gab’s sicherlich zehn bis zwanzig Mal in den Nuller Jahren. Wurde dann aber eingestellt, da es sich für den Organisator zuletzt etwas schwierig gestaltet hatte, die wenigen fehlenden Partygäste im nahen Wald oder auf Tretbooten um 4.30 Uhr morgens wieder zu tracken und einzusammeln.

4. Die Feuerzeuge

Merchandise Part 2: Es gab eine Zeit lang sehr ansehnliche kleine weiße Root-Down-Feuerzeuge.

5. Peter Kruder im Livestream

Es gab sozusagen einige Male so eine Art Vorläufer des jetzt allseits präsenten Streamings "live from Root Down Freiburg", organisiert von den Hamburger Betalounge/Radi- Jungs. Ein Abend blieb in besonderer Erinnerung mit Peter Kruder (Kruder & Dorfmeister) aus Wien zu Gast im November 2000, nachzuhören hier:
6. Theo Parrish und das Nickerchen

Bus Teil 2: Aus der Schweiz hatten wir auch ein regelmäßiges treues Following aus einem Dorf namens Merlischachen am Vierwaldstätter See. Als der legendäre Detroit-DJ Theo Parrish zu Gast war, hatten die jungen Schweizerinnen und Schweizer einen Bus mit Chauffeur angemietet und kamen mit der ganzen Bande. Um 7 Uhr morgens wollten wir nach Hause, aber unser werter Gast-DJ Theo war nicht zu finden, bis wir feststellten, dass er sich in den Bus nach Merlischachen verirrt hatte und ein Nickerchen machte.

7. Der Tränengasalarm

Etwa 1998, als wir zunehmend größeren Publikumszuspruch genießen durften, gab es auch mal einen Tränengasalarm am frühen Abend auf der Tanzfläche. Welcher etwaige Neider das letztendlich zu verantworten hatte, haben wir nie herausgefunden. Nach einer Stunde mit einigen Tränen lief dann alles wieder wie vorher. Ein anderes Mal gab es Stinkbomben, die waren allerdings recht schnell wieder verflogen.

8. Der Vinyl-Vorhang

Als hübsch umgesetzte Dekoidee gab es mal einen riesigen Vinyl-Vorhang von Jürgen Oschwald, Ende der 90er Jahre.

9. Der schlafende Bahnwärter

Eine Heimfahrt eines Morgens war etwas zeitaufwändiger als sonst, da standen wir eine gute Stunde am Bahnübergang bei Littenweiler – und die Schranken wollten einfach nicht mehr hochgehen…ob es ein eingeschlafener Bahnwärter war?

10. Auf der Zielgeraden

Papstbesuch in Freiburg, DJ Friction von Freundeskreis und Emilio Vanilio aus Stuttgart zu Gast. Ins Waldsee zu kommen schien schon ein Ding der Unmöglichkeit, die Heimfahrt war dann eine echte Aufgabe, Straßenbahn mit Plattenkoffern bis zum Hauptbahnhof und dann weiter zu Fuß. Quasi auf der Zielgeraden dann noch ein Taxi für die letzten Meter nach Zähringen gefunden.


Freitag, 22. Oktober 2021

25 Jahre Root Down

Im Nachtleben ist nicht so beständig wie der Wandel. Nächte kommen und gehen, Erinnerungen verschwimmen zwischen Bier und Zigarettenrauch, Club schließen und andere machen wieder auf. Wer sich in diesem Zirkus 25 Jahre halten kann, hat etwas richtig gemacht – und die Root Down-Partyreihe hat das geschafft. Am Freitag feiert Root Down das Jubiläum im Jazzhaus, wie immer mit jazzy-funky House.

Was:25 Jahre Root Down
Wann: Freitag, 22. Oktober, 22 Uhr
Wo: Jazzhaus Freiburg

11. UK-Invasion

Aus England hatten wir auch regen Zuspruch, sodass zwei Mal schon eine sogenannte "UK Root Down invasion" organisiert wurde mit etwa 50 partyfreudigen Britinnen und Briten, die dann ein intensives Wochenende in Freiburg erleben durften.

12. Flyeralarm

Der erste Root-Down-Flyer mit der Frisur zum Ausschneiden und Aufklappen, wie viele andere Flyer danach auch mit Motiven aus alten Burda & Co-Modemagazinen erfreuten sich großer Beliebtheit, wie auch fast alle weiteren von Jürgen Oschwald entworfenen.

13. Besondere Gäste

Von vielen schönen Abenden blieben auch immer die Besuche von Gilles Peterson aus London mit MC Earl Zinger aka Galliano in bester Erinnerung.

14. Die Hesse komme

Mehrere Male hatten wir den Frankfurter DJ Michael "Soulpatroul" Rütten zu Gast. Dem gebürtigen Rodgauer wurde die Tanzfläche überlassen mit "Erbarmen, zu spät, die Hesse komme…" von den Rodgau Monotones, was sich erstaunlich gut mit der vorherigen TripHop-Platte mixen ließ und nahtlos anknüpfte. Die Tanzfläche blieb stabil und hielt den Monotones stand. Hat fast keiner gemerkt, obwohl das wohl die Root Down atypischste Nummer ever war.

15. Solomun und Dixon

Wer war schon alles da? Viele talentierte nationale wie internationale Gast-DJs, aus den musikalischen Ecken Acidjazz, NuJazz, House, Soul,Afro, Disco, BrokenBeat, D’n’B, Downbeat. Manche wurden später zu weltweiten Superstars, wie zum Beispiel Solomun oder Dixon. Neben den oben erwähnten ganz viele mehr, wie Laurent Garnier, Gilles Peterson, Motor City Drum Ensemble, Richard Dorfmeister, Jazzanova, Kyoto Jazz Massive, Jimpster, AtJazz, Hyenah, Erobique (live), Claudio Coccolutto, Pablo Valentino, Phil Asher, Patrick Forge, Kev Beadle, Volcov, Michi Beck, Llorca, Tiefschwarz, Peshay, DJ Die, LTJ Bukem, Alex From Tokyo und ganz viele mehr. Herzlichen Dank an alle!

16. Warmes Bananenweizen

1996 war ich eher noch ein geneigter Weizenbier-Trinker, bevor das etwa 2000 mit den vergorenen Trauben und dem klassischen Dörflinger Gutedel trocken bei Root Down im Waldsee losging. Eines frühen Morgens lachte mich ein vermeintlich frisch gezapftes Hefeweizen am DJ-Pult an. Ein grosser Schluck vom "geparkten" warmen Bananenweizen brachte mich nach einem "rauschenden" Fest auf den bittersüßen Boden der Tatsachen zurück.

9 Momente von Jürgen Oschwald


17. Meine Lieblingsgeschichte

Russ Dewbury aus Brighton war zu Gast und wie es bei uns Tradition war, gingen wir zusammen frühstücken. Mit Russ fuhren wir nach St. Märgen – und erzählten ihm von der Schwarzwaldlandschaft, da er selbst nichts erkennen konnte: nur Nebel. Als höflicher Engländer wiederholte er ganz oft: "I can imagine, must be lovely. Oh yes indeed …". Eine schöne Anekdote – immer noch vor Augen und im Ohr.

18. Root Down als Lebensmittelpunkt

Damals drehte sich bei uns schon zwei bis drei Wochen vor dem neuen Event vieles um Root Down.
Wir: Susanne, Gemma, Rainer und ich verteilten Flyer in Kneipen, Hand to Hand, überlegten uns neue Dinge als Give-Aways und die Poster kamen aus alten Neckermann- und Otto-Katalogen. Handgemachte Collagen von der Druckerei "Schwarz auf Weiß" liebevoll umgesetzt. Einmal, als unser Sohn Paul gerade geboren war, packten wir ihn ein und legten ihn oben bei Achim Schönwiese im Büro zum Schlafen ab. Unten saßen wir dann mit Babyphone an der Kasse.An der Stelle auch ein großes Dankeschön an Achim … er hat uns immer unterstützt und freie Hand gelassen.
Rainer Trüby feiert 20 Jahre Root Down: "Am Anfang war House noch ein Schimpfwort"

19. Die Kult-Sammelobjekte

Die Poster lagen mir immer besonders am Herzen und fanden sich zur damaligen Zeit in vielen Studentenwohnungen wieder. Kult-Sammelobjekte, das hat mich immer sehr gefreut. Retro-Motive kombiniert mit einem klaren zweifarbigen Design. Heute immer noch gut.

20. Der wilde Gilles

Gilles Peterson und seine Art, aufzulegen. Er hat die Platten hinter sich ohne Hülle gestapelt, Straight Jazz aufgelegt kombiniert mit Drum’n’Bass. Einfach wild und geil.

21. Heute keine Deko

Eine Deko zum Jubiläum mit der Ankündigung eines Pressebesuchs von Rudi Raschke mit Fokus auf die Installationen bei Root Down. Die Deko bestand dann aus dem Diamotiv: "Heute keine Deko", an der Wand stand groß "Heute keine Deko". Keine Deko war Deko und Rudi etwas perplex.

22. Die Warteschlangen

Wir waren am Abend oft noch mit den Gast-DJs essen und trödelten sehr gerne. Manchmal kamen wir im Waldsee an und die Bude war schon voll. Keine Kasse aufgebaut, noch nichts für den Einlass vorbereitet. Ziemliches Chaos, das sich dann doch mit Einsatz von Susannes und Gemmas Am-Tisch-Abkassieren-Fahigkeiten aufgelöst hat. Auch Warteschlangen bis auf den Parkplatz waren keine Seltenheit. Postiver Stress, wow.

23. Ernesto ist der Beste

Mein Lieblingsmitarbeiter Ernesto und seiner Treue und Verbundenheit hier an der Stelle ein großes "Hip Hip Hurra". Du bist der Beste. Anfänglich haben wir zu viert den ganzen Tag dekoriert, wobei Rainer kurz mitgeholfen hat und dann doch meistens in Musik versank. Nach zwei bis drei Jahren kam Ernesto hinzu. Ein Root-Down-Deko-Glücksfall. Tolle Videos und ein großer Freund.

24. Tanzen und feiern bis zum Sonnenaufgang

Es gab bei Root Down nie Schlägereien oder ähnliches. Fast alle kamen, um zu tanzen und zu feiern. Das war wirklich etwas Besonderes. Partys bis in den Sonnenaufgang am Waldsee waren keine Seltenheit. Richtig tolles, treues Publikum mit gutem Musikgeschmack und Freude am Clubdasein. Höhepunkte waren für mich die Abende mit Peter Kruder … Saal und Außenbereich gefüllt. Super Stimmung.

25. Die erste Stunde

Oft waren die Anfangsminuten, die erste Stunde am Abend, meine Lieblingsmomente. Rainer spielte langsame Tracks, baute eine spezielle Stimmung auf und hat immer wieder mit super schönen Songs begeistert. Ein Musikfachmann am Werk, ohne den Root Down nie möglich gewesen wäre. Musiknerd mit Herz. Chapeau.



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