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21-jähriger Freiburger will mit Second-Hand-Laden einen Safe Space bieten

Anne Herrmann

Individuell, nachhaltig, 80er-Jahre-Stil: Der 21-jährige Dave Kugler hat in einem Gewölbekeller im Sedanviertel einen Second-Hand-Laden eröffnet, der auch Café und Veranstaltungsort sein soll.

"Einen Vintageladen mit Café-Ecke zu besitzen, ist seit meiner Kindheit mein Traum", sagt Dave Kugler. Der 21-Jährige sitzt auf einer opulent geblümten Couch vor einer mit Silberfolie behängten Wand, umgeben von Vintageklamotten – inmitten seines wahrgewordenen Traums.

Mit nur 21 Jahren hat Dave Kugler im Oktober im Sedanviertel einen Laden eröffnet, der ein ausgefallenes Konzept verfolgt: "Dave’s Vintage Dream" ist Second-Hand-Laden, Café und Veranstaltungszentrum in einem. Wer die Treppen in den Gewölbekeller hinabsteigt, kann nach Vintage-Klamotten stöbern, sich bei einer Bionade in der Sofaecke unterhalten oder an manchen Tagen zuhören, wie DJs Technomusik auflegen.

Dave Kugler sucht jedes Kleidungsstück selbst aus

Im Erdgeschoss des Gebäudes sind ein Copyshop und Tattoo Studio. Dort muss man durch, um zu Kuglers Geschäft zu gelangen. In seinem Laden sollte ohnehin viel anders laufen. "Fast Fashion ist viel zu schnelllebig und billig. Außerdem ist es Stangenware, mit der man kaum seine eigene Persönlichkeit ausdrücken kann", sagt er. Deswegen sucht Dave Kugler jedes Teil in seinem Laden selbst aus. Bei Großhändlern gebrauchter Klamotten lässt er sich Pullis, Hosen und anderes bei Onlineterminen in die Kamera halten. Ansonsten kauft er auf Ebay und in Diakonieläden in Karlsruhe, wo er ursprünglich herkommt. Diese "handpicking" genannte Methode kostet Zeit und Geld. Billiger und unkomplizierter ist es, Second-Hand-Klamotten in riesigen Bündeln zu bestellen. Nur einmal hat Dave Bündelware aus Großbritannien bestellt und dem gleich darauf abgeschworen: "Ich dachte, ich will nachhaltig sein und bestelle aus Großbritannien? Da habe ich mich schlecht gefühlt und entschieden, das nicht mehr zu machen."

Ergebnis ist ein Sortiment, das Dave Kugler als Erweiterung seines eigenen Kleiderschranks beschreibt – "Achtziger Jahre, extravagant, bunt". An diesem Tag ist der Ladenbetreiber jedoch ganz in Schwarz gekleidet, vielleicht eine Hommage an die notorisch schwarztragende Stadt Berlin, die seinen Weg maßgeblich geprägt hat. Nach der Schule ging Dave Kugler für ein freiwilliges soziales Jahr in die Hauptstadt und entdeckte dort seine Liebe für Vintage-Mode. "Ich habe dort Inspiration durch andere Leute bekommen, was man mit Kleidung alles machen kann."

"Was mir aber gefehlt hat, war der persönliche Kontakt zu den Leuten."

Danach kam er für seine Jugendheimerzieher-Ausbildung nach Freiburg. Dort nahm die Idee eines eigenen Vintage-Ladens Gestalt an. Im Februar 2021 startete Dave Kugler einen Online-Second-Hand-Store, der direkt gut anlief. "Ich merkte, das ist das, woran ich Spaß habe. Was mir aber gefehlt hat, war der persönliche Kontakt zu den Leuten." Also begann der 21-Jährige, Pop-Up-Events zu veranstalten – bei ihm in der Wohnung, in einer Tanzschule, bei Sommerfesten.

Früher wurden in der Moltkestraße 13 Fahrräder verliehen

Dann kam der entscheidende Schritt: Nach Abschluss seiner Ausbildung nahm Dave Kugler einen Kredit auf und mietete die Räumlichkeiten in der Moltkestraße 13 an, in der bis Februar 2022 der Fahrradverleih Swapfiets seinen Standort hatte. Innerhalb von nur einer Woche hat er den Laden renoviert und eingerichtet. Sieben Tage verbrachte er damit, zu streichen, zu putzen, Lichttechnik zu installieren. Geschlafen hat er kaum. Das zahlte sich bei der Eröffnungsfeier aus: Zur Afterparty Anfang Oktober wurde der Laden so voll, dass er einen Einlassstopp verhängen musste und etwa 300 Menschen nicht mehr einlassen konnte.

Mit seinem ungewöhnlichem Konzept, das vor allem in der alternativen Szene und bei Technofans Anklang findet, bringt Dave Kugler frischen Wind in die Stadt: "Freiburg ist, was Mode angeht, total lame. Die Leute trauen sich zu wenig, die Stadt ist nicht auf junge Leute ausgerichtet und total spießig", sagt er. Mode ist für ihn jedoch weit mehr als ein Geschäftsmodell. Für den Ladenbetreiber ist es die Möglichkeit, seiner Persönlichkeit Ausdruck zu verleihen und so Selbstbewusstsein aufzubauen. Dabei hat er eine Entwicklung durchgemacht, vom achtzehnjährigen Fast-Fashion-Käufer hin zum Second-Hand-Fan mit blondgelocktem Vokuhila, Crop Top und Strasssteinen auf der Hose. Diesen Stil zu tragen ist nicht immer leicht. Noch immer wirken Männlichkeitsideale und Queerfeindlichkeit fort. Besonders deutlich wird dies, wenn männlich wahrgenommene Personen mit den Gendernormen von Bekleidung brechen. So war etwa die Entrüstung groß, als Sänger Harry Styles als erster Mann im Kleid auf dem Cover der Vogue zu sehen war.

Kugler hat Erfahrungen mit queerfeindlichen Aussagen gemacht

Auch Dave Kugler musste bereits ähnliche Erfahrungen machen: An Bahnhaltestellen wurde er mit der queerfeindlichen Beleidigung "Schwuchtel" beschimpft und in Bezug auf seinen Nagellack gefragt, ob er eine Frau sei. In seinem Shop soll es anders laufen: "Der Laden ist auch ein politisches Statement. Ich will einen Safe Space, wo sich die Leute frei und sicher fühlen, ohne gesellschaftlichen Normen unterworfen zu sein", sagt er.

Seine Vision und all das, wofür sein Projekt steht, trägt Dave Kugler auch permanent unter der Haut: Auf seinem linken Unterarm ist seit Kurzem ein kantiger und surreal gezeichneter Mensch eintätowiert – das Logo des Ladens.