fudder-Interview

2021 findet zum ersten Mal die Biennale für Freiburg statt

Martha Martin-Humpert

Freiburg auf die kreative Landkarte holen: Das will die für 2021 geplante Biennale für Freiburg. Im kommenden Jahr findet sie zum ersten Mal statt. Kurator Leon Hösl verrät im fudder-Interview, was die Stadt erwartet.

Freiburg liegt, wenn man die nationale Kunstszene betrachtet, schon immer ein wenig im Abseits. Seit der Schließung der Außenstelle der Karlsruher Akademie der Künste vor einigen Jahren, fehlt der Stadt zusätzlich ein gewisses Maß an künstlerischem Input, was von Kunstliebhabern- und schaffenden stets bedauert wurde. Mit der für 2021 geplanten Biennale für Freiburg sollen jetzt neue Impulse gesetzt und Freiburg zurück auf die kreative Landkarte gesetzt werden. Kurator Leon Hösl ist selbst in Freiburg aufgewachsen und kehrt nun für die Organisation des Festivals aus seiner jetzigen Wahlheimat Wien zurück. fudder traf ihn zum Gespräch.

Freiburg gehört nicht unbedingt zu den Big Playern im Kulturbereich. Wie kam es dazu, in der Stadt das Festival zu veranstalten?

Den Anstoß dafür hat die Schließung der Außenstelle der Karlsruher Akademie der bildenden Künste gegeben. Als diese Entscheidung nach langer Diskussion schließlich feststand und durchgesetzt wurde, bildete sich eine Arbeitsgruppe aus Vertreter*innen der Freiburger Kunstszene. Diese sammelten einige Forderungen im sogenannten "Kunstkonzept" mit denen die Konsequenzen dieser Schließung begegnet werden könnte. Zu diesen Forderungen gehörte beispielsweise die Bereitstellung von zusätzlichem Atelierraum, wofür sich das Kulturamt sehr einsetzt. Aber eben auch die Veranstaltung eines Kunstfestivals, wie es dort noch genannt wurde, also künstlerische Projekte in einem bestimmten Zeitraum und vor allem auch im öffentlichen Raum einem größeren Publikum zu präsentieren. Dieses Kunstkonzept wurde erfreulicherweise auch in Teilen in den Gemeinderat zur Abstimmung gebracht und dort angenommen, was uns ermöglicht hat, mit der Arbeit an der Biennale zu beginnen. Man muss aber sagen, dass auch abgesehen von der Schließung der Außenstelle zusätzliche Unterstützung und Impulse für die bildende Kunst in Freiburg extrem wichtig waren und immer noch sind.

Den Begriff der Biennale verbindet man eher mit Venedig und Berlin, kann eine kleine Stadt wie Freiburg mit so einem großen Namen mithalten?

Natürlich wird sich Freiburg damit nicht in die Liste der Städte einreihen, die solche Großausstellung auf die Beine stellen. Und zum Glück ist ja inzwischen auch an diesen Orten zu beobachten, dass diese riesen Events oft anders gedacht werden, das heißt weg von dem Festivalcharakter und hin zu langfristigeren und prozessualen Ansätzen. Dieser Zugang ist bei den Überlegungen für die Biennale für Freiburg ebenfalls sehr wichtig. Denn ein mehrtägiges Festival wäre nicht den Wünschen und Anforderungen gerecht geworden, die sich vor allem auch nach der Schließung der Akademie Außenstelle ergeben haben. Außerdem wäre mit den aktuellen finanziellen Mitteln eine jährliche Veranstaltung nicht möglich gewesen. Daher die Idee, es als Biennale, also zweijährig, zu veranstalten und nicht als Festival zu denken, das kommt und wieder geht, sondern als eine sich über einen längeren Zeitraum erstreckende Ausstellung, die vor Ort entwickelt wird.

"Best Friends Forever beschreibt hoffentlich die Beziehung, die Stadt und Biennale miteinander entwickeln können, wenn es gut läuft."

Die Abkürzung BfF dürfte so manchem eher aus der Jugendsprache bekannt sein. Was steckt dahinter?

Der Name Biennale für Freiburg entstand aus der Überlegung, was die Biennale überhaupt will, was ihre Ziele sein können. Mit dem "für" im Titel soll deutlich werden, dass es um Kunst im Verhältnis zur Stadt gehen soll. Das "für" drückt gleichzeitig eine Forderung sowie ein Angebot aus. In dem "für" liegt aber auch eine gewisse Distanz – es ist ein Format, das eine außenstehende Perspektive einnimmt, aber für den spezifischen lokalen Kontext konzipiert ist. Daraus ergibt sich, rein zufällig, die gängige Abkürzung BfF. Best Friends Forever beschreibt hoffentlich die Beziehung, die Stadt und Biennale miteinander entwickeln können, wenn es gut läuft: Freundschaften sind ja nicht immer harmonisch und spaßig, manchmal ist man mit bestimmten Sachen nicht einverstanden, kann das aber direkt ansprechen, weil man weiß, grundsätzlich hält die Freundschaft für die Ewigkeit. So eine Verbindung hat eine große Qualität sein, weil sie auf kritischer Anteilnahme beruht, ohne gefällig zu sein.

Sie sind ursprünglich selbst Freiburger, hat das der Planung eine persönliche Handschrift verliehen?

Wahrscheinlich spielt das schon eine Rolle. Mir ist es bei diesem Programm wichtig, dass eingeladene Künstler*innen auf den Ort reagieren, ohne dabei Klischees von Freiburg oder der Region zu bedienen. Also einen kritischen Blick auf lokale Themen und Zusammenhänge einnehmen. Das beschränkt sich aber nicht auf ein bestimmtes Medium oder künstlerische Ansatzpunkte, da hoffe ich, dass wir eine gewisse Vielfältigkeit erreichen können. Was jetzt schon deutlich erkennbar und ganz buchstäblich eine von Freiburg geprägte Handschrift aufweist, ist die Graphik der BfF, die typische visuelle Elemente denen man in der Stadt begegnet, wie beispielsweise die Bodenmosaike in der Altstadt, im Logo aufgreift. Die Graphik stammt von Ronja Andersen und Marius Schwarz, ein Graphiker*innenteam, das in Amsterdam arbeitet, von dem aber zumindest eine Person Freiburg sehr gut kennt.

Neben Ihrer Person gibt es noch den kuratorischen Beirat. Was genau ist seine Aufgabe?

Wir sind noch eine sehr kleine Biennale, das heißt die aktuellen Rahmenbedingungen geben es nicht her, dass mehrere Leute daran arbeiten. Es ist aber unmöglich und nicht besonders sinnvoll, alles selbst zu konzipieren und zu entscheiden. Dafür gibt es den Beirat, der an der Planung des Programms und der Konzeptfindung beteiligt ist, das kritisch kommentiert und Ideen und Vorschläge einbringt. Mit Christoph Chwatal, Aziza Harmel, Fanny Hauser, Magdalena Stöger und Fritz Laszlo Weber bin ich sehr froh, fünf Personen im Beirat zu haben, die aufgrund ihrer jeweiligen Hintergründe und Erfahrungen verschiedene Blickwinkel einnehmen und Freiburg durch diese Arbeit auch erst kennenlernen, also eine Außenperspektive einnehmen.

"So ein Freiraum kann auch in einem Prozess oder einer Handlung, wie zum Beispiel einem Spaziergang gefunden werden. "

Über welchen Zeitraum erstreckt sich das Programm?

Wir starten im Mai 2021 mit ersten Programmpunkten und Aufenthalten von beteiligten Künstler*innen in Freiburg. Im September 2021 wird die Ausstellung eröffnet. Die genauen Daten werden noch bekannt gegeben.

In Ihrem Konzept arbeiten sie mit dem Begriff des Studios, können sie das für den Laien erklären?

Für die erste Ausgabe der BfF gehen wir von der bereits geschilderten Schließung der Außenstelle der Karlsruher Akademie aus, auch um diese merkwürdige Ablösung einer akademischen Institution mit einem Festival, beziehungsweise einer Biennale nicht unkommentiert zu lassen. Die Außenstelle war neben ihrer Bedeutung als akademische Institution auch die Verfügbarkeit von Arbeitsraum für junge Künstler*innen. Das greifen wir auf, um zu überlegen, wie das "Künstler*innen Studio" operiert und wie Prozesse und Handlungen, die üblicherweise dort stattfinden, in andere Situationen übertragen werden können. Die Prämisse dabei ist, ein Studio braucht gewisse Rahmenbedingungen um zu funktionieren – es muss Freiräume schaffen, in denen etwas entstehen kann – ist dabei aber nicht von einem festen, physischen Raum abhängig. So ein Freiraum kann auch in einem Prozess oder einer Handlung, wie zum Beispiel einem Spaziergang gefunden werden.

Mit der Ortsbegehung am 24. September fand bereits eine Auftaktveranstaltung statt. Was konnten die Teilnehmerinnen dort erleben?

Bei der Ortsbegehung wurde die BfF an einem möglichen Ort des Geschehens, dem Stadtgarten, angekündigt. Der Stadtgarten ist für uns vor allem aufgrund der Vielzahl an Skulpturen und Denkmälern ein interessanter Ort, um zu überlegen, wie Geschichte(n) im öffentlichen Raum erzählt werden. Neben Denkmälern für einen Erpel als Kriegsheld und einer riesigen Säule zu Ehren im ersten und zweiten Weltkrieg gefallener Soldaten, steht dort eine anonyme, weibliche Figur aus Marmor, der seit Jahren der Kopf fehlt und die eigentlich als Sonnenuhr konzipiert war. Die Erinnerung an eine andere Geschichte fehlt dort ganz, zumindest in materieller Form, und zwar die an die Anti-Kriegsrede Rede von Rosa Luxemburg im Jahr 1914 – das ist ein Anstoß um darüber nachzudenken, welche Erinnerung im öffentlichen Raum Platz haben und welche Form sie annehmen. Nach dieser Begehung des Parks wurde der Film "A Walk" von Rahima Gambo gezeigt, deren Praxis auch eine Art der Ortsbegehung ist, allerdings mit einem ganz anderen Blick und an einem anderen Ort. Sie spaziert durch Abuja, der Hauptstadt Nigerias und entwickelt aus diesen Spaziergängen Installationen und Filme

Welche Veranstaltung sollten wir 2021 besonders im Blick haben?

Rahima Gambo wird im kommenden Jahr in Freiburg arbeiten, das heißt spazieren, und vor Ort eine Installation entwickeln. Außerdem wird es ein Gespräch mit der kopflosen Statue geben, das der aus Lörrach stammende Künstler Thomas Geiger führen wird. Das übrige Programm wird dann im Frühjahr bekannt gegeben.
  • Was: Biennale für Freiburg
  • Wann: Mai bis September 2021