Rückblick

2020 ist viel passiert – Erinnerungen an ein verrücktes Sportjahr

Jakob Schönhagen

Der Sport in der Region ist bunt und vielfältig. Aber er hat dieses Jahr fast nicht stattgefunden. Die Pandemie verhinderte es. Vor allem deshalb war das Sportjahr auch in Südbaden ein ganz besonderes.

Zwei Tage vor Heiligabend verkündete Axel Siefert eine Botschaft, mit der er jedem Verantwortungsträger der südbadischen Sportlandschaft aus der Seele spricht: "So viele Höhepunkte konnte es nicht geben – coronabedingt", sagt der Trainer des Fußball-Regionalligisten Bahlinger SC im Rückblick auf das so langsam ablaufende Jahr.


Aus fußballerischer Sicht war es ein erfolgreiches Jahr für die Kaiserstühler. Im Frühjahr stand der Aufsteiger in der neuen Spielklasse auf einem stabilen Mittelfeldplatz. Aufgrund der Pandemie wurde die Liga abgebrochen. Bahlingen blieb dadurch in der Regionalliga. Ein Freudentaumel in Rot-Weiß, der dann rasch im Respekt vor der anstehenden Aufgabe erstarrte: Aufgrund der abgebrochenen Saison wuchs die Regionalliga von 18 auf 22 Teams an.

"Die Unsicherheit, nicht zu wissen, wann und wie es weitergeht, das hat das Jahr geprägt" Axel Siefert
"Die Unsicherheit, nicht zu wissen, wann und wie es weitergeht, das hat das Jahr geprägt", sagt Siefert. Im Herbst wurden mehrere Spieler des Teams positiv auf das Virus getestet. Quarantäne, Unterbrechung und zurück aufs Feld, nur um dann gut einen Monat später aufgrund der November-Beschränkungen wieder in die Untätigkeit versetzt zu werden.

Als die Liga dann vor zwei Wochen wieder den Spielbetrieb aufnahm, gehörten die Kaiserstühler zu den sechs Teams, die angesichts der steigenden Infektionszahlen gegen den Re-Start klagten. Die Klage wurde abgewiesen, seitdem rollt der Ball in Bahlingen wieder. Und das auch in dieser Saison erfolgreich. Allen Herausforderungen zum Trotz steht das Siefert-Team ordentlich im Tabellenmittelfeld.

Talentförderung gelingt besonders gut

Von ganz oben grüßt indes die Bundesliga-Reserve des SC Freiburg II. Seit der Spielbetrieb der Regionalliga im September wieder läuft, präsentiert sich das Team von Christian Preußer in ausgezeichneter Verfassung. Die U 23 ist die Tormaschine der Liga. Der Fußball-Lehrer freut sich aber vor allem darüber, dass sechs seiner Spieler seit Herbst regelmäßig im Bundesligateam von Coach Christian Streich trainieren. Christian Preußer sagt: "Das ist die Essenz unseres Schaffens." Im Corona-Jahr gelingt ihnen die Talentförderung besonders gut.

Ähnlich positiv fällt das Fazit von Kollege Daniel Kraus aus. Er trainiert die Erstliga-Fussballerinnen des Sportclubs Freiburg in seinem zweiten Jahr. Zur Winterpause stehen sie in der Zwölfer-Liga auf einem stabilen siebten Platz. Höhepunkt der coronageprägten Hinrunde mit PCR-Tests, Hygienemaßnahmen und zuschauerlosen Spielen war im Oktober das 1:1 gegen den VfL Wolfsburg, den deutschen Meister der vergangenen vier Spieljahre und Champions-League-Finalisten im Sommer 2020. Kraus findet: "Wir sind nicht ganz zufrieden mit der Ausbeute, aber wir sind auch nicht unzufrieden mit unserer Entwicklung."

Positive Folgen hatte die Pandemie für die Saisonverläufe der Bundesliga-Handballerinnen der HSG Freiburg und die Tischtennis-Profispielerinnen des ESV Weil. Im Frühjahr beendeten die Verbände jeweils vorzeitig die Saison. Was sich für die beiden Teams als Glücksfall erwies.

Spiel gegen Bremen ist Höhepunkt und Tiefpunkt

Die Red Sparrows aus Freiburg, die mitten im Abstiegskampf in der zweiten Bundesliga steckten, hielten so die Klasse. Auch in der neuen Spielzeit, die seit September läuft, ringen die Handballerinnen von Coach Ralf Wiggenhauser um den Klassenerhalt. Der Trainer sagt: "Höhe- und Tiefpunkt unseres Jahres war das Heimspiel gegen Bremen im Januar." Vor einer proppenvollen Halle verloren die Spatzen knapp. "Das war der Beginn unserer Negativserie."

In Weil wurde der Abbruch zum Schlupfloch in die erste Tischtennis-Bundesliga der Frauen. Weil Tabellenführer Weinheim nicht das Aufstiegsrecht wahrnahm, erfüllten sich die Weiler ihren Wunsch vom Oberhaus. In der aktuellen Runde ist das Team auf Playoff-Kurs. Abteilungsleiter Serge Spiess hofft, "dass wir uns in der neuen Liga festkrallen können."

USC hat sich im Mittelfeld etabliert

Weniger erfreulich erwies sich das Corona-Jahr für die Erstliga-Basketballerinnen des USC Freiburg. Aufgrund des starken Sponsorenrückgangs klaffte im Sommer eine sechsstellige Lücke im Etat. In der neuen Saison spielt das Team der Trainerinnen Isabel Fernandez und Hanna Ballhaus deshalb nur mit drei Profis. Und trotzdem gut. Der USC hat sich im Mittelfeld etabliert. Rang acht und damit das Erreichen der Playoffs scheinen in Reichweite. Für die jüngste Mannschaft der Bundesliga war vor der Saison nur ein Ziel ausgegeben worden: Klassenerhalt.



Still steht inzwischen der Wettkampfbetrieb bei den Ringer-Bundesligisten der RKG Freiburg und der TuS Adelhausen. "Es war ein taffes Jahr", sagt deshalb Freiburg-Trainer Luigi Tascillo. Aufgrund der Ungewissheiten im Kontext der Pandemie wurde bis auf die Bundesliga der gesamte Ligenbetrieb abgesagt. In der Bundesliga konnten hingegen die Vereine selbst entscheiden, ob sie an der Mannschaftsrunde teilnehmen wollten oder nicht. Adelhausen sagte ab, Freiburg sagte zu. Doch nach zwei Mannschaftskämpfen und einigen Verlegungen kapitulierten auch das Tascillo-Team und die restlichen Vereine: Die Saison wurde abgebrochen. Nun trainieren die Griffkünstler zwar eingeschränkt, Wettbewerbe gab es bis auf den Individual World Cup in Belgrad, eine Art Ersatzturnier für Olympia und die ebenfalls nicht ausgetragene WM, aber nicht.

Im Zwei-Tages-Rhythmus hingegen müssen momentan die Kufen-Spezialisten des Zweitligisten EHC Freiburg ran. Weil der Saisonstart in der zweithöchsten deutschen Eishockey-Spielklasse (DEL 2) wegen Corona immer wieder nach hinten verschoben wurde, liegen die Eishockey-Spiele diese Saison besonders eng getaktet. "Das ist eine extreme Herausforderung", sagt Wölfe-Vorsitzender Werner Karlin. Sportlich hat sich der EHC indes durch die Pandemie nicht stören lassen. Die vergangene Runde schloss das Team von Trainer Peter Russell auf Rang drei ab – bevor sie vor den Playoffs beendet wurde. Aktuell hat es sich Freiburg erneut im Spitzentrio gemütlich gemacht.