Entwicklungshilfe

19-jähriger Freiburger Filmemacher dreht in Indien Dokumentarfilm

Viola Priss

Der 19-jährige Freiburger Filmemacher Jonas Riedel bereist Indien, um das Leben und die Heilkunde der Volksgruppe der Adivasi zu dokumentieren. Er hat fudder vor seinem Abflug von seinen Plänen zum Projekt "Bheemanna 2020" erzählt.

Worum es in dem Projekt geht

Sechs spannende Monate Stoffentwicklung, sachliche Vorarbeit, Crowdfunding und ein Rechercheaufenthalt in Indien liegen hinter Jonas Riedel. Und vergangen Sonntag war es soweit: Der Filmemacher machte sich auf nach Andhra Prades in Indien für sein neuestes Projekt "Bhemanna 2020". Ein Dokumentarfilm über den jungen Mann Korres Bheemanna, der durch seine Heilpraktikerausbildung Medizin und vergessen geratenes Wissen in strukturschwache Stammesgebiete in Indien bringt.

Das Wort "Adivasi" bedeutet aus dem Sanskrit übersetzt "die ersten ursprünglichen Siedler". Zwar erkennt die indische Verfassung die Adivasi als "Scheduled Tribes" an und räumt ihnen Minderheitenrechte ein. Armut, Analphabetentum und schlechte Gesundheitsbedingungen bedrohen aber weiterhin ihr Überleben.

Ein Film über gelebte "Entwicklung von unten"

Die Abholzung großer Waldbestände, Staudammbauten, Bergbau- und Militäranlagen haben Millionen von Adivasi entwurzelt und in die Obdachlosigkeit getrieben. An dieser Stelle ist "Entwicklung von unten" das Stichwort, so Riedel. Oder auch "Hilfe zur Selbsthilfe". In Korres Projekt soll genau diese Entwicklungshilfe von unten gefördert werden. Eine der ältesten Traditionen der ethnischen Gruppe ist das über Generationen weitergegebene Wissen über Heilpflanzen.

Jonas Riedels Protagonist Korres setzt sich für dessen Weitergabe aber auch Weiterentwicklung trotz schwieriger politischer Bedingungen in Indien ein. Ziel seines Projektes ist es, bestehendes, kulturell überliefertes Wissen zu wahren, aber auch den Blick für die moderne Medizin zu öffnen. Nebenbei fördert er dadurch die Infrastruktur, Gesundheitsbedingungen, Bildung und insbesondere das Selbstbild der Einwohner vor Ort. Das Ziel seiner Arbeit ist eine Apotheke, in der "beide Welten zusammenkommen und voneinander profitieren", berichtet Jonas.



Die Idee zum Dokumentarfilmprojekt

Ohnehin hatte er geplant "nach dem Abitur möglichst viele Erfahrungen zu sammeln". Kein bloßer Selbsterfahrungstrip, sondern sinnvoll und nachhaltig sollte es sein. "Wirklich eine andere Kultur und Lebenswelt kennenzulernen und vor Allem: zu verstehen". Jonas kombinierte kurzerhand seine Film-Leidenschaft mit der Begeisterung für Entwicklungsarbeit um Gutes zu erschaffen. "Kurze Zeit später saß ich in Bubaneshara, Indien, auf dem Rücksitz des Mopeds unseres indischen Projektkoordinators"

Die Idee zum neuen Filmprojekt war geboren. Ein Porträt, ein Beispiel solle es werden, wie Entwicklungshilfe von innen heraus gelebt werden kann.

Wie es jetzt weitergeht

Einen Monat wird Jonas nun in Indien den Protagonisten seines Filmprojekts begleiten. Finanziert wurde der Aufenthalt bisher rein durch private Gönner. Um die Menschen dort entschädigen zu können, hat Jonas auf seiner Homepage zu einem Crowdfunding aufgerufen. Täglich werden seine Follower dort auch auf dem Laufenden gehalten, so das große Vorhaben. "Das Dokumentieren mache ich aber auch für mich. Da passiert soviel, ich möchte alle kostbaren Momente festhalten können."

Wie lang der Film wird, wie lange er mit der Postproduktion brauchen wird, ob und wann er auf Filmfestivals sehen wird, weiß Jonas noch nicht. Die Entwicklungshilfe und der Film, soviel steht fest, haben ihn "angefressen", sagt er. Und Ideen für weitere Projekte gäbe es schon jetzt. Aber erstmal Indien. Ob er auch aufgeregt ist? "Das Schöne ist: Ich habe nichts zu verlieren, das ist mein Projekt, auf Eigeninitiative. Alles ist offen. Ich bin gespannt."
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