Meinung

14 Gründe, wieso Silvester die größte Enttäuschung des Jahres ist

Alexander Schneider & Maxim Melzer

Silvester enttäuscht alle Jahre wieder, finden die fudder-Autoren Alexander Schneider und Maxim Melzer. Warum man dieses Jahr die Party vielleicht mal absagen und Silvester auf dem Sofa zusammen mit den Großeltern verbringen sollte?



1. Die schlimmste Frage des Jahres

"Und was machst du an Silvester?" Niemand, wirklich niemand, hört diese Frage gerne. Hat man schon etwas vor, denkt man drüber nach, ob nicht noch eine bessere Party kommt, hat man nichts, so ist die Frage noch viel schlimmer. Warum interessiert es jeden, was man in dieser Nacht machen will? Vor allem Leute, mit denen man sonst das ganze Jahr nichts zu tun hat. Die Frage nach Silvester ist wie ein Gespräch übers Wetter – ein Eingeständnis von unnötigem, oberflächlichem Small-Talk. Also lasst es einfach sein.

2. Die Vorbereitungen auf den "großen" Abend

Endlich ist die Weihnachtszeit vorbei. Die Familie ist überstanden, der Stress hat sich gelegt. Warum muss dann die Vorbereitung auf den 31. Dezember den Rest des Jahres einnehmen? Der Dezember gönnt uns keine Pausen. Kaum ist Heiligabend geschafft, beginnt der Silvesterstress. Getränke müssen gekauft und Outfits rausgesucht werden. Die Einkaufsläden sind überfüllt von Menschen, die es für logisch empfinden, hunderte von Euros für eine halbe Stunde buntes Licht und einen Tag Ohrenschmerzen auszugeben. Und wen es ganz schlimm erwischt hat, der muss das Neue Jahr auf einer Mottoparty beginnen.

3. Die überzogenste Erwartungshaltung des Jahres

"Das wird die Party des Jahres". Nein, wird es nicht. Egal ob nun Hausparty oder im Club. Draußen ist es zu kalt, drinnen zu laut und viel zu voll. Die Welt säuft sich jedes Jahr aufs Neue ins Koma und das soll die beste Party des Jahres sein? Gute Partys entstehen spontan. Und meistens im Sommer. Einen gelungenen Abend macht eine gewisse Spontanität aus. Keine durchgeplante Party, bei der man um Punkt 22 Uhr vorm Club sein muss, um noch rein zu kommen und 2 Stunden später wieder raus um geschlagene 20 Minuten in den viel zu kalten Nachthimmel zu schauen.

4. Das Neue Jahr beginnt asozial

Silvester teilt sich mit Fasnacht die Krone als asozialstes Fest des Jahres. Doch während sich Fasnacht noch in die Tradition retten kann, ist Silvester einfach nur asozial. Pubertierende Teilzeitgangster halten die erste Nacht des Neuen Jahres für gesetzlos und benehmen sich dementsprechend. Es werden "Pollen-" oder "Chinaböller", bei denen der einzige Effekt vorübergehender Tinnitus ist, auf Autos, in Vorgärten oder Mülltonnen, in Gullys oder auch einfach mal in die Luft geworfen. Hauptsache, es knallt. An Silvester traut sich selbst der guterzogene Vorstadtgymnasiast mal Dummheiten zu machen. Das kann gar nicht gut enden.

5. Partymeile oder Kriegsgebiet?

Das ganze Jahr ist man heilfroh, in Frieden leben zu dürfen. Das Grauen des Krieges können manche schon in den Nachrichten nur schwer ertragen. Wieso muss dann das ganze Land einmal jährlich eigenhändig in bürgerkriegsähnliche Zustände versetzt werden? Explosionen, Schreie, Sirenen – da denkt man an ein Kriegsgebiet, oder eben an die Silvesternacht. Den Heimweg bahnt man sich schlussendlich vorbei an Alkoholleichen und Blindgängern, bei denen man Angst haben muss, sie gingen nicht doch noch hoch.

5. Verbrennt doch gleich euer Geld

Ganz ehrlich, warum sind alle so scharf aufs Böllern? Im wahrsten Sinne des Wortes verbrennt man damit sein Geld. Wer gerne das Knallen im Gehörgang schallen hört – es gibt bestimmt jemanden, der kostenlos Ohrfeigen verteilt. Ganz besonders kleine Kinder oder Haustiere leiden unter dem Lärm. Immer wieder liest man von betrunkenen Teilzeit-Pyrotechnikern, die sich die Finger wegsprengen oder die Augen verbrennen. Feuerwerksraketen kann man vielleicht noch einen ästhetischen Aspekt zuschreiben – sie können doch sehr schön sein. Dann belasst es aber bei ein paar Raketen und imitiert nicht die Raketentests von Nordkorea. Und sind wir mal ehrlich: Nach den ersten zwei Mal verlieren sie ihren Reiz.

6. Eine große Müllhalde

Das ganze Geböllere schadet auch uns und unserer Umwelt. Die gesamte Stadt sieht am ersten Januar und die kommende Woche, noch dreckig aus, obwohl die Stadtreinigung sauber macht – denn keiner, der in der Stadt böllert, räumt seinen Müll auf. Tiere können die Plastikteile oft für Nahrung halten. Wir verhalten uns zwar schon das ganze Jahr nicht nachhaltig – die Kirsche auf dem Sahnehäubchen braucht man zum Ende des Jahres nicht aufsetzen.

7. (Gruppen)zwang

An Silvester nichts machen? Das geht nicht, keine Chance. Außer man kann die ungefähr 100 Nachfragen oder Bemerkungen aller möglichen Leute dazu ab. Silvester ist purer Zwang – angefangen beim Outfit, über die Bräuche bis hin zum Feiern. Der ganze Freundeskreis geht weg, da will man doch nicht fehlen. Zuhause kann man also auf keinen Fall bleiben. Doch auch wer denkt man könnte sich den Club aussuchen, der täuscht. Alles im Vorfeld auf die Minute genau geplant und abgesprochen. Silvester ist (Gruppen-)zwang und das macht nie Spaß.

8. Outfit

Warum muss jeder am 31. Dezember rumrennen wie auf einer Hochzeit? Da man die Hälfte des Abends in den Himmel starrt, ist ein Hemd oder Kleid einfach zu kalt. Wie wär’s stattdessen mit einem Pullover? Die Jacke vergisst man ja eh im gestressten Alkoholrausch ab halb zwölf. Und so startet man das neue Jahr mit einer Erkältung.

9. Die Menschheit geht feiern

Für Clubs dürfte Silvester regelmäßig die umsatzstärkste Nacht des Jahres sein. Das feierende Volk gibt ihr ganzes Monatsgehalt für eine enttäuschende Nacht aus. Dabei sind Clubs an Silvester noch schlimmer als sonst. Einfach, weil jeder Mensch feiern geht. Man wird ja schließlich dazu gezwungen. Und so bekommt man an Silvester regelmäßig klaustrophobische Anfälle – unabhängig vom Konsum. Man stellt sich an und zahlt Eintritt um dann Arm an Arm mit irgendwelchen betrunkenen Fremden zu stehen. Spätestens 20 Minuten später legt man dann jede Selbstachtung ab und traut sich auf die Tanzfläche.

10. Am 1. Januar arbeiten

Tatsächlich kann nicht jeder bis in die Nacht feiern, manche müssen auch am nächsten Tag arbeiten. Diese Person muss sich nun auf die schlimmste Nacht des Jahres gefasst machen. Mit Schlafmaske und Ohrstöpsel ausgerüstet, versucht man sich in den Schlaf zu wiegen, nur um dann um Punkt 0 Uhr geweckt zu werden. Wer am nächsten Tag zur Frühschicht muss, kann eigentlich gleich zu Hause bleiben, denn nach dieser Nacht ist er sowieso zu nichts zu gebrauchen.

11. Bleigießen

Geschmolznem Metall dabei zuschauen, wie es in willkürlichen Formen erstarrt. Daraus lässt sich die Zukunft vorher sagen, sagen sie. Die alljährliche Silvestertradition lässt sich nur mit einem Mix aus Aberglauben, Hoffnung und Alkohol erklären. Nicht selten muss noch der Tisch oder Teppich dran glauben, weil der eine Freund schon so viel getrunken hat, dass es ihm nicht mehr möglich ist einen Löffel noch gerade zu halten. Als neutraler Beobachter muss dieses jämmerliche, neujährliche Schauspiel besser sein als jede Comedyshow.

12. Jahres "Reviews"

Jedes Jahr das Gleiche. Instagram, Facebook, Twitter oder Spotify bieten den personalisierten Jahresrückblick an. Jeder zeigt sich sowieso auf Social Media von seiner besten Seite, aber am Ende des Jahres erreicht das seinen Höhepunkt. Natürlich ist es toll, an die schönen Momente des Jahres zu denken, dann macht das aber für euch persönlich oder teilt es mit euren Nahestehenden. Und bitte verschont das Internet mit diesem gekünstelten Schöngetue.

13. Wachsende Unzufriedenheit

Zwei Wochen vor Silvester sind alle noch gut gelaunt. Es gibt ja noch genügend Zeit, um seine Neujahrsvorsätze des letzten Jahres umzusetzen - oder auch nicht. An Silvester kommt die über das gesamte Jahr angesammelte Unzufriedenheit hoch.Man blickt zurück und denkt sich, man hat echt gar nichts geschafft dieses Jahr. Viele bekommen ein verzerrtes Bild der Realität. Nicht alles im Leben läuft reibungslos, also lasst den Kopf nicht hängen.Es gibt genug schöne Momente.

14. Neujahrsvorsätze

Jeder kennt die Tante, die seit fünf Jahren sagt, dass sie im kommenden Jahr zehn Kilo abnehmen wird. Oder den Onkel, der mit dem Rauchen aufhören will. In der ersten Woche des Januars sind die Fitnessstudios voll, doch leeren sich genauso schnell wieder – wie ein Luftballon, bei dem man den Knoten öffnet. Neujahrsvorsätze funktionieren nie. Hört auf, euch jedes Jahr zum Jahresende eine lange Liste von Dingen zu erstellen, die ihr sowieso nicht realisieren könnt. Zu konkrete Pläne führen meist nur zu Enttäuschung. Wer etwas in seinem Leben verändern will – warum bis zum Ende des Jahres warten? Die größten Veränderungen passieren nicht in der ersten Woche des Januars, sondern über das ganze Jahr hinweg.