Freiburg

130 Klimaaktivisten demonstrieren gegen Kohle-Deal von Siemens

Stefan Mertlik

Schwarze Weihnachtsbäume vor der Siemens-Niederlassung in Freiburg: Am Samstag protestierten Klimaaktivisten gegen den Kohle-Deal des Konzerns. Er will ein Bergwerk in Australien beliefern.

Siemens will trotz heftiger Kritik von Umweltverbänden Technik für ein umstrittenes Kohlebergwerk in Australien liefern. "Fridays for Future" rief zu Protesten gegen den Konzern auf. Auch in Freiburg kam es am Samstagmittag zu einer Demonstration vor der Niederlassung in der Schnewlinstraße. Umweltschutzbewegungen wie "Extinction Rebellion", "Fossil Free" und "Parents for Future" mischten ebenfalls mit. Die Polizei schätzte den Demonstrationszug auf 130 Personen.


Aktivisten stellen schwarze Weihnachtsbäume vor Siemens-Zentrale

In der Schnewlinstraße läuft der Verkehr für eine Stunde stockend. Vor der Siemens-Zentrale hat die Polizei einen etwa 50 Meter langen Fahrbahnstreifen abgesperrt. Fahrzeuge drängen sich im Schritttempo durch das Nadelöhr. Kommt der Verkehr zum Stehen, verteilen Mitglieder von "Extinction Rebellion" Handzettel an die Autofahrer.
"Siemens, das verzeihen wir dir nicht" Tillmann Baum von Extinction Rebellion
"Wir verstehen nicht, weshalb Siemens so eine Entscheidung trifft, während in Australien die Wälder brennen", äußert Tillmann Baum von Extinction Rebellion sein Unverständnis. Er koordiniert den Ablauf der Protestaktion. "Siemens, das verzeihen wir dir nicht", schreit er ins Mikrofon. Anschließend stellen die Protestteilnehmer 30 schwarz angemalte Weihnachtsbäume, die längst ihre Nadeln verloren haben, vor den Eingangsbereich des Gebäudes. Aus den Lautsprechern schallt "We Didn't Start The Fire" von Billy Joel.

Nicht so viele Teilnehmer wie an Freitagsdemos

"Wir sind an medienwirksamen Aktionen interessiert", sagt Tillmann Baum. So viele Menschen wie zu den Freitagsdemos sind zwar nicht gekommen, dennoch freue er sich über die vielen unterschiedlichen Teilnehmer. Einige habe ihre Kinder mitgebracht. Mit bunter Kreide übermalen die jungen Demonstranten den grauen Asphalt – sie zeichnen Kängurus, aber auch Logos von "Extinction Rebellion".

Martin Krahl, der mit seinem dreijährigen Sohn an dem Protest teilnimmt, arbeitet als Geografie-Lehrer. Auch mit seinen Schülern unterhält er sich über das Thema Klimakrise: "Da gibt es ganz viele Ängste und eine große Betroffenheit." Dass er auf Demonstrationen seine Schüler treffen könnte, findet er gut: "Es macht einen Lehrer authentisch, wenn er nicht nur darüber spricht, sondern sich auch für etwas einsetzt."

Der "abgebrannte Wald" zieht weiter zum Platz der Alten Synagoge

Nach einer Stunde bewegt sicht der Demonstrationszug von der Siemens-Niederlassung weiter zum Platz der Alten Synagoge. Auf dem Weg ziehen die Demonstranten, die zum Großteil auf Fahrrädern unterwegs sind, viel Aufmerksamkeit auf sich. Am Ziel angekommen, wird der "abgebrannte Wald" vor dem Stadttheater erneut aufgebaut. Das zeigt Wirkung. Passanten bleiben stehen, betrachten interessiert, was da vor sich geht.

"Wenn wir die Kurve vor dem großen Crash kriegen wollen, müssen die Jungen und Alten mitmachen", sagt Demonstationsteilnehmer Günther Litzba und fügt hinzu: "Es ist aber ganz wichtig, dass der Protest von den Jugendlichen ausgeht, denn die sind betroffen." Der 73-Jährige hat sich das Gesicht geschwärzt – eine Anspielung auf die Buschfeuer in Australien. "Was wir den Kindern hinterlassen, ist unglaublich", sagt Litzba. Mit dieser Meinung ist er nicht alleine. Auf dem Schild eines anderen Demonstranten heißt es: "Haltet den Dieb! Siemens bestiehlt meine Kinder!"
Worum ging es den Demonstranten?
Im australischen Bundesstaat Queensland soll eines der größten Kohlebergwerke der Welt entstehen. Fünf Untertageminen und sechs Tagebaustätten sollen dort bis zu 60 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr fördern. Siemens will Signaltechnik für die Bahnstrecke liefern, auf der die Kohle zum Hafen transportiert werden soll. Für den Auftrag erhält der Konzern 18 Millionen Euro, was für Siemens-Verhältnisse vergleichsweise wenig ist. Trotz heftiger Kritik von Umweltverbänden will der Konzern den Auftrag ausführen. "Wir müssen unsere vertraglichen Verpflichtungen erfüllen", schrieb Vorstandschef Joe Kaeser auf Twitter.

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